Jennifer Lawrence April 2012

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

in den vergangenen drei Wochen durfte ich eine besondere Form von augmented reality erfahren: Es kam zu einer wundersam halluzinogenen Verschmelzung von Realität und dem, was Sie nun in dieser Ausgabe von INTERVIEW vorfinden.

Ich befand mich auf den halbjährlichen Fashionshow-Marathons, erst in Mailand, dann in Paris; die Verbindung zur heimatlichen Redaktion war gegeben durch das 3,5-Zoll-Display des iPhones. Eben auf dieses starrte ich, zur Chanel-Show im Grand Palais gehend und den aktuellen Stand des Gesprächs mit Katy Perry lesend (siehe S. 106), als eine Blitzlichtflakflutscheinwerfer-Wand mich blendete wie ein Rehkitz. Ich war in die Entourage von Katy Perry gestolpert, die mit ihren neu gefärbten blauen Haaren tout le monde – oder zumindest den klatschspaltigeren Teil davon – in Atem hielt.

Nichts liebt die Modewelt mehr als Gerüchte. Denn nichts frischt die Geister, ermattet von der alltäglichen Modewochen-Monotonie aus Ins-Auto-Einsteigen, Stau, Aussteigen, Warten, Show, Klatschen, Einsteigen, Stau …, mehr auf als Spekulationen darüber, welcher Designer wohl in welchem Modehaus anfängt (oder gerade nicht). Deshalb verbreitete sich die Nachricht, dass der überaus geschätzte Designer Raf Simons wenige Tage vor seiner nächsten Show der Rückkehr der Patriarchin ins eigene Haus geopfert wird, mit Lichtgeschwindigkeit. Und kaum saß ich bei der Jil-Sander-Sjow, die in die Annalen der Modegechichte als besonders tränenreich eingehen wird, landete in meiner Inbox – das Raf-Simons-Gepräch mit Mike D; das letzte Interview, das Raf Simons als Creative Director von Jil Sander geführt hat (siehe S.66).

(Zu anderen Personalentscheidungen – auch Stefano Pilati wurde kurz vor seiner Show für Yves Saint Laurent gekündigt, damit dort Hedi Slimane in der nächsten Saison sein Sensationscomeback feiern kann – liegen meinerseits keine augmented reality-Erfahrungen vor.)

Wenn es denn eines Fanals bedurft hätte, die Transformation der Modeindustrie von der Designer-Kollektion-Fashionshow zum Brand-Celebrity-Spektakel darzustellen – sprich: Fashion als integraler Bestandteil des globalen Entertainmentsystems in Echtzeit -, dann lieferte der Pariser Koffer- und Modehersteller Louis Vuitton mit einem Bidget wie in der Formel 1 den reality check: indem er für eine 15-minütige Show eine Dampflok in ein Zelt vor dem Louvre fahren und dieses Zelt von Dunderten iPhones und Blackberrys illuminieren ließ, die Bilder von diesem einmaligen Evnt in die Welt hinaussickten. Und – es in Editorials verkünden ließ.

Herzlichst
Ihr Joerg Koch

PS: In unserer Cover-Serie “Starke Frauen“ präsemtieren wir Jennifer Larence, die laut Hollywoods Auguren – und diesen schlißlich wir uns gerne an – der neue Superstar wird. Auch wenn Lawrence in Die Tribute von Panem gegen 23 andere Teenager auf Leben und Tod kämpft, so ist sie im Gespräch mit Drew Barrymore (siehe S.80) äußerst reizend: “Wenn dieses Interview vorüber ist, werde ich ganz aufgeplustert durch die Gegend laufen und sagen: ,Hey, Leute, seid ihr bereit, euch in mich zu verlieben?‘”

 

 6.99

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