Adriana Lima April 2014

Welchen Wert hat ein Interview? Wann ist es interessant, spannend, sensationell, ein Scoop? Und warum lesen wir ein transkribiertes Gespräch zwischen zwei Menschen überhaupt? Andy Warhol glaubte an die Kraft der Indiskretion, an den Thrill, einem Gespräch zu lauschen, am Nachbartisch im Restaurant. Und vor allem vertraute er auf die Aussagekraft eines Dialogs, die Informationen, die sich hinter Frage und Antwort verbergen, die Metaebene jeder Konversation. Dabei war für ihn entscheidend, dass sich die Gesprächspartner auf Augenhöhe begegneten, wenn nicht Warhol selbst, sondern oft ein Filmstar den anderen interviewte. Als ich vor zwei Jahren im Atelier des New Yorker Pop-Art-Malers Richard Phillips zum ersten Mal die damals noch unfertigen Entwürfe für seine großformatigen Gemälde von Adriana Lima sah, war ich irritiert von der Überhöhung des Victoria’s-Secret-Models – als ich jetzt die Aufnahme ihres Gesprächs abhörte, wurde mir klar, warum: Die Beziehung zwischen Maler und Modell, Künstler und Muse ist von einer Intimität, die manche Liebesgeschichte in den Schatten stellt. Dem Phänomen begegnen Sie in dieser Ausgabe gleich an mehreren Stellen. Etwa wenn sich die legendäre Sylvette noch einmal an Picasso erinnert – im Gespräch mit Aino Laberenz, die gerade in New York eine große Retrospektive mit Arbeiten ihres Mannes und Mentors Christoph Schlingensief kuratiert. Oder wenn Kanye West und Steve McQueen miteinander sprechen, zwei große Protagonisten des neuen schwarzen Kultur-Establishments. Und auch im Dialog zwischen der Regisseurin Feo Aladag und Ronald Zehrfeld, dem Hauptdarsteller ihres Afghanistanfilms Zwischen Welten. Wer in solchen Dialogen wen inspiriert, lässt sich nicht eindeutig sagen – manchmal sind Gespräche eben so intim wie Liebesgeschichten.

Lisa Feldmann

 6.99

SKU: N/A Category:
Download
Clear