ROKH

Neue Eleganz – Man hörte Gejammer aus aller Welt, als Phoebe Philo, die Mutter des diskreten Luxus, ihren Abschied von Céline ver­kündete. Glücklicherweise macht Rok Hwang, ein Protegé der britischen Desi­gnerin, mit seinem Luxus­-Label rokh nun umso mehr Lärm um sich. Es distanziert sich vom Narrativ der „starken Frau“ und glaubt stattdessen an die Schönheit der Fragilität.

Bevor der 34-­jährige Koreaner mit rokh vor zwei Jahren sein eigenes ästheti­sches Ethos etablierte, hatte er sich bei namhaften Modehäusern wie Céline, Louis Vuitton und Chloé die Zähne ausgebissen. Dieses Jahr holte er den begehrten LVMH­ Spezialpreis nach Hause. „Es war, als hätte ich ein Vorstellungsgespräch mit allen Modehelden zugleich“, erzählt Rok Hwang, „nur Phoebe Philo fehlte.“ Drei Jahre lang stand er dem anfänglichen Team von Céline zur Seite. Von seiner persönlichen Modegöttin Philo lernte er vor allem, auf Details und das Tragegefühl seiner Klei­dung zu achten. „Bei uns probiert jeder Mitarbeiter die Kleidungsstücke an, damit wir sehen, wie der Stoff am Körper fällt“, sagt Hwang.

Rok Hwang, der introvertiert und schüch­tern wirkt, fängt mit seinen unfertig aus­sehenden, ultraschicken Klassikern die zerbrechliche Seite der modernen Frau ein, indem er Nostalgie und Sinnlichkeit vermischt. Er bietet eine neue Garderobe an, die unverwechselbar ist. „Wir wollen die Frau darstellen, an die wir glauben – jemand, der jugendlich und fragil ist“, er­ klärt er. Und obwohl das Interesse um rokh steigt und Einzelhändler sich um seine Mode reißen, hat Hwang keine Eile. „Jeder sagt, Mode sei schnelllebig“, sagt er, „wir wollen lieber alles auf die richtige Art und Weise tun.“ Rok Hwang hat einen zeit­losen Ansatz, er denkt weder in Themen oder Trends, er hält sich noch nicht ein­mal an Saisons oder Jahreszahlen (seine letzte Kollektion nannte er schmucklos „automne/hiver 0000­0000“).

Der aufstrebende Designer ist in Süd­korea geboren und hat seine Teenager­jahre in Austin, Texas, im Wohnwagen sei­ ner Familie verbracht. Erinnerungen, auf die er bis heute emotional zurückgreift. „Wenn ich mir ,Stranger Things‘ ansehe, dann bin ich der Junge, der mit seinem Rad durch die Wälder fährt“, sagt er. Doch die Stadt hat ihm wenig geboten. Statt­dessen ließ er sich von einem Artikel über Louise Wilson, der damaligen Kursleiterin am Central Saint Martins, dazu inspirieren, Mode zu studieren. „Irgendetwas wirkte unglaublich stark an ihr, das wollte ich hautnah miterleben.“

In einer ehemaligen Kung-Fu­-Schule be­findet sich sein gänzlich in Weiß gehalte­nes Nord­-Londoner Studio. „Ich habe eine Schwäche für Weiß. Die Farbe verleiht mir innere Ruhe.“ So sieht er auch seine Mode – als Ruhepol. In mühevoller Handwerks­kunst erkundet er Dekonstruktion, wobei viele seiner Kleidungsstücke so aussehen, als hätte er sie zerstückelt und neu ar­rangiert. Dabei wird stets auf Adaptierbar­keit geachtet: mal eine viel zu lange Sei­denbluse, deren Ärmel man hochbinden kann, mal eine verdrehte Hose, die man aufknöpft. Dies macht nicht zuletzt die Unbekümmertheit aus, die seine Kleidung ausstrahlt.

Während rokh sich bislang eher zurück­ hielt, soll die Marke langsam, aber sicher zu einer zeitlosen, ikonischen Maison wer­den, wie Céline es ist. „Wir bewegen uns Schritt für Schritt dahin, dass der Kunde unsere Ästhetik versteht“, sagt Hwang. Dazu soll sein Debüt auf der Pariser Mode­woche, das für nächstes Jahr geplant ist, beitragen. Vielleicht wird rokh dann bald zu einer Marke geworden sein, von der jeder ein Teil haben will.

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