WER KENNT NOCH AURA DIONE?

Am heutigen Tag (05.April) erscheint die neue Single „Shania Twain“ der dänischen Singer-Songwriterin Aura Dione mit französischen, spanischen und färöischen Wurzeln. In den Jahren 2009 und 2011 hatte sie jeweils einen Nummer-1-Hit in Deutschland. Ihre Alben rangierten in den top 10 Charts und erreichten Gold-, bzw. Platin-Status. Ziemlich erfolgreiche Popmusik, obwohl nach wie vor das Phänomen regiert, dass nicht aus UK oder USA kommende Popmusiker über europäische Ländergrenzen oder One-Hits hinweg nur schwer Erfolg haben. Seit 2013 hat man dann, trotz weiteren Veröffentlichungen, nicht mehr viel von Maria Louise Joensen (wie die Sängerin mit bürgerlichem Namen heißt) gehört. Jetzt versucht sie sich zurück zu musizieren, mit, wer weiß, vielleicht dem nächsten Sommerhit.

Photgrapher: Jette Jors

TOBIAS LANGLEY HUNT: Aura Dione, Aura, Ms. Dione, wie darf ich Sie nennen?

AURA DIONE: Aura ist gut.

TL: Aura Dione ist Ihr Künstlername, wie ist er entstanden?

AD: Also eigentlich bedeutet Aura das Licht welches einen umgibt. Ich bin wahnsinnig farbenfroh aufgewachsen, meine Mutter hat mir die Hälfte meiner Kleider hergestellt und die andere Hälfte habe ich selbst gemacht, das hat mich sehr inspiriert, all die Farben die ich getragen habe. Letztendlich entstand daraus dann der Spitzname Aura, den meine Freunde mir gaben. Und Dione kommt von den Färöer Inseln, von welchen meine Mutter stammt.

TL: Was ist die Geschichte hinter Ihrer neuen Single „Shania Twain“, was hat Sie inspiriert?

AD: Jeder Mensch geht in seinem Leben durch gewisse Phasen: von einem gebrochenen Herzen zu Hoffnung oder von Schmerz zu neuer Kraft, auch ich hatte einen schlimmen Liebeskummer, ich wusste nicht was ich tun sollte. Also bin ich in die Himalayas gefahren und haben den Mount Everest bestiegen. Als ich wieder unten war, war ich endlich wieder zivilisiert. Das Lied ist Ausdruck dieser „Urkraft“ die in uns allen steckt, man muss diese aber erkennen und sie nutzen. Ich war in meinem Leben noch nie so herausgefordert, ich suchte nach einem Weg zum Überleben, es zu schaffen. Eine Zeile des Songs lautet: „You might think I go insane, but I’m recycling the pain“ und genau darum geht es, wenn wir Schmerz verspüren dann müssen wir diesen Schmerz in Kraft umwandeln. Der Song handelt also von einer der schmerzvollsten, aber genauso auch von einer der kraftvollsten Phasen meines Lebens.

TL: Und wie kam es zum Titel, „Shania Twain“?

AD: Sie hat dieses Lied welches „That Don’t Impress Me Much“ heißt und in welchem sie all die prominenten Männer besingt, unter anderem auch Brat Pitt, sie sagt: „oh vielleicht bist ein Raketenwissenschaftler, aber das beeindruckt mich nicht“ damit hat sie recht. Wir müssen uns selbst beeindrucken können, wir können uns nicht nur mit Leuten umgeben die dir das Bett warm halten, es braucht auch Menschen die dir einen schönen Tag bescheren. Und natürlich ist sie auch einfach eine Legende.

TL: Sie machen alles alleine, schreiben, komponieren und natürlich auch singen, was fällt Ihnen am leichtesten?

AD: Oh das ist schwer zu beantworten… Ich bin in Kopenhagen, Dänemark aufgewachsen, wir haben dort nicht diesen amerikanischen Musikhintergrund, ich musste alles für mich selbst erst erlernen, learning by doing sozusagen. Für mein erstes Video habe ich wirklich alles selbst gemacht, das Skript, den Entwurf und sogar die Umsetzung der Kleider. Ich habe Straßsteine auf meine Vivien Westwood  Stiefel geklebt, den Führerschein gemacht um im Video Autofahren zu können. Es gibt keine Schule die dir beibringt wie es ist Popstar zu sein. Gerade als Skandinaviern ist es schwer, weil es nicht wirklich viele Leute gibt die man fragen kann.

Einmal habe ich Alicia Keys getroffen, die hatte tausend Leute um sich herum, inklusive ihrer Mutter und Großmutter, ich war immer meine eigne „Ein Mann Armee“, daraus habe ich sehr viel gelernt. Und ich habe eine klare Vision davon was ich will: ich will inspirieren, Leute bewegen, das Leben leben, Chancen ergreifen und keine Angst davor haben einfach zu machen. Ich denke das ist mein Hauptziel welches ich fokussiere wenn ich meine Lieder schreibe, meine Shows mache oder meine Kostüme trage.

TL: Sie waren/sind sehr erfolgreich, auch außerhalb Dänemarks, das passiert nicht so oft. Gibt es einen Grund warum es so wenige erfolgreiche europäische Pop-Musiker gibt?

AD: Du musst ein Allround-Künstler sein und viele unterschiedliche Dinge beherrschen, an unglaublich viel denken usw. Es gibt nicht viele Unterstützer die das mittragen. Man muss sich seinen Erfolg aber verdienen, indem man alles selbst macht. Und natürlich braucht man die richtigen Songs, es ist nicht unbedingt leicht nicht in seiner Muttersprache zu schreiben. Das könnten Gründe sein.

TL: Sind Sie die perfekte Europäerin mit dänischen, französischen, spanischen und färöischen Wurzeln?

AD: Als Kind bin ich viel mit meiner Eltern gereist, sie waren Segler. Und wenn ich all die Menschen treffe, dann denke ich nicht an Religion, Herkunft, sexuelle Orientierung oder Alter, ich treffe die Leute einfach, das ist vielleicht auch eine meiner größten Gaben. Man trifft sich und verspürt eine Verbindung, hat einen Moment, das ist es was Grenzen sprengt. Darum geht es auch in der Musik, ich mache keine Musik für eine bestimmte Zielgruppe oder eine Nationalität, meine Musik ist für die Welt, für die Menschen die sie brauchen.

TL: Jetzt ist die neue Single draußen, was passiert als nächstes?

AD: Ich habe viele Songs geschrieben, „Shania Twain“ ist der erste der herauskommt, der nächste kommt dann glaube ich im Spätsommer, aber das ist alles erst der Anfang von einem ganz neuen Kapitel.

TL: Ist das jetzt das neue Ding, keine ganzen Alben zu droppen sondern nur einzelne Lieder?

AD: Es gibt viele Möglichkeiten das zu tun, ich will einfach Musik veröffentlichen, das Internet mit Musik fluten, etwas kreieren mit Musik. Ich arbeite ständig weiter an den Songs, es ist ein homogener Prozess.

 

Interview TOBIAS LANGLEY HUNT