VIELE DENKEN ICH SPIELE MICH SELBST

Für Maximilian Mundt passiert gerade alles Schlag auf Schlag. Als ambitionierter Student der Filmkunst reüssiert er vor sowie hinter der Kamera. Der 23-jährige Hamburger ist der Hauptdarsteller von Netflix’ Überraschungs-Erfolg How To Sell Drugs Online (Fast).

In der Serie startet er als quirliger Schüler Moritz einen online Drogenhandel mit seinem besten Freund – quasi aus Versehen. In Realität war Maximilian noch nie im Darknet, probiert sich kreativ aber dennoch reichlich aus: auch als Fotograf konnte er bereits erste Erfolge feiern.

Interview traf den Jungschauspieler an einem heißen Tag in Berlin-Charlottenburg zum Gespräch und lernte einen Künstler der charmanten und authentischen Art kennen. Wir sprachen über schnelles Geld, Netflix, die Arbeit am Set und das Leben – Maximilian ist facettenreich, was er außerdem erfolgreich in der Fotostrecke mit Fotografin Debora Brune zeigt.

JD Wie hast du dich auf die Rolle in How To Sell Drugs Online (Fast) vorbereitet?

MM Wir hatten tatsächlich sehr wenig Zeit, da das letzte Casting erst einen Monat vor Drehbeginn war. Da ging es dann darum, sehr schnell zu improvisieren und Sachen auszuprobieren. Ich habe als erstes an Jesse Eisenberg gedacht, der Mark Zuckerberg in The Social Network gespielt hat. Fand das aber schwierig, eine so wenig empathische Person eine ganze Serie lang zu verkörpern. Ich habe diese Referenz herangezogen und mit meiner persönlichen Awkwardness gemischt.

JD Die wirklich authentisch rüberkommt. Ich denke da nur an die Situation, als Moritz, den du spielst, das erste Mal zu dem Dealer Buba geht und beim Rausgehen noch alle Stühle umwirft aus Tollpatschigkeit.

MM Haha, ja. Danke!

JD Die Produktion wirkt sehr international. Wie war es für dich, als Nachwuchsschauspieler, ein Teil davon zu sein?

MM Am Anfang konnte ich noch gar nicht einschätzen, wie groß das am Ende werden wird. Es hat sich erst mal alles sehr klein angefühlt, weil das Arbeiten mit der Produktionsfirma Bild und Tonfabrik auch eine sehr familiäre Atmosphäre hat. Die machen einfach geile, komische Sachen und worauf die Bock haben, ohne zu sehr an ein Massenpublikum zu denken. Mit den Produzenten zu arbeiten machte Spaß, da hatte man das gar nicht in Gedanken, dass man gerade etwas Internationales produziert.

Es ist mega witzig, dass ich total viele Nachrichten auf Instagram bekomme von Leuten, die denken, dass ich wirklich dieser Maximilian bin.

JD Die Serie wurde ja tatsächlich weltweit ausgerollt, oder?

MM Ja, in 190 Ländern kann man das gucken.

JD Hast du es dir selbst auch angeschaut? Wie fühlt es sich an, sich selbst in der Aufnahme zu sehen?

MM Normalerweise bin ich sehr kritisch. Bei How To Sell Drugs Online (Fast) war ich das erste Mal richtig zufrieden mit meiner Performance. Während des Drehs haben die uns schon einen Trailer gezeigt, der vom ersten Drehblock geschnitten wurde und ich konnte mich gar nicht anschauen – ich will allgemein nie auf die Combo schauen und sehen was ich gemacht habe. Dann hatte ich am Wochenende so Gedanken in der Dusche: Wir drehen noch über ein Monat, was ist wenn das so weitergeht, was soll dabei rauskommen? Aber ich war da auch in so einem Stress-Strom drin und in meiner eigenen Welt. Wenn ich das jetzt sehe, so fertig geschnitten, vertont und mit Musik, dann macht das richtig Spaß und ich finde es sehr cool und bin auch ein bisschen stolz.

JD Du teilst dir ja den Vornamen mit der Vorlage für die Serie, dem originalen Maximilian, der damals für seinen online Drogenhandel verurteilt wurde. Was verbindet euch außerdem? Kannst du dich stückweise mit ihm identifizieren?

MM Es ist mega witzig, dass ich total viele Nachrichten auf Instagram bekomme von Leuten, die denken, dass ich wirklich dieser Maximilian bin. Die denken, dass ich mich selbst spiele und fragen, wie ich den Deal mit Netflix abschließen konnte und ob ich nicht im Gefängnis sein müsste. Ich verbinde mit ihm persönlich eigentlich nichts. Wenn seine Motivation damals zum Beispiel gewesen wäre, Leute freien Zugang zu Drogen zu verschaffen, damit sie sich selbst erfahren können – dann hätte ich das ein bisschen mehr verstanden. Seine Motivation war ja wirklich nur, möglichst schnell Geld zu machen. Er meinte ja selbst, dass er auch Sneaker hätte verkaufen können oder sonst was.

JD Würdest du diesen Maximilian im Gefängnis besuchen wollen? Oder hast du ihn bereits getroffen?

MM Er hat uns ja am Set besucht und er war sogar bei der internen Team-Premiere dabei. Es war auf jeden Fall krass, die Vorlage Maximilian mal zu treffen. Das ist ein ganz unscheinbarer Typ, der ab und zu mal pumpen geht. Wir haben uns vorgestellt und gesagt: Hallo ich bin Maxi, und er: Ja hallo ich bin auch Maxi. Viel habe ich sonst auch nicht mit ihm geredet, vor allem, weil ich mich während des Drehs nicht beeinflussen lassen wollte. Im Endeffekt erzählen wir ja nur eine Geschichte eines Jugendlichen, der aus seinem Kinderzimmer heraus Drogen verkauft und nicht seine Lebensgeschichte.

JD Wenn du ein Business mit deinem besten Freund aufziehen würdest, was wäre es?

MM Ich habe tatsächlich mal darüber nachgedacht – keine Ahnung ob es das schon gibt – Haarfärbemittel zu machen, das mit steigender Temperatur die Farbe verändert.

JD Das wäre echt cool, wenn so etwas funktionieren würde.

MM Ja, wie diese Stimmungsringe aus den 90ern.

Shirt Lerros, Pants Vintage, Socks Falke, Pants Levi’s, Shoes Converse

Turtle Neck and Jacket Maximilian’s own

JD Haha, ja so einen habe ich noch immer, die sind super. Wohin willst du dich zukünftig künstlerisch entwickeln?

MM Das alles war ja schon sehr spontan mit der Serie und ging schnell. Ich bin offen dafür, mich überraschen zu lassen. Ich freue mich, wenn etwas passiert – ich bin improvisationsfreudig. Wo ich hin will ist zu dem Gefühl, dass ich noch lange Bock habe und glücklich bin, in diesem Bereich zu arbeiten.

JD Viele denken ja schnell an Hollywood…

MM Also was schon cool wäre, wenn ich mit Xavier Dolan drehen könnte. Das ist ein ziemlich toller, frankokanadischer Filmemacher. Xavier melde dich!

JD Ihr habt ja auch spannende Gastauftritte von Jonathan Frakes, Olli Schulz usw. Wie hast du die Zusammenarbeit erlebt?

MM Olli Schulz war am Set eigentlich genau so wie man ihn aus Interviews kennt, ein krasser Typ! Mit Jonathan Frakes habe ich leider nicht direkt gespielt, weil es nur ein Einspieler in einer Szene in der Turnhalle war. Das war eigentlich alles ganz anders geplant. Wir wollten einen berühmten Sportler mit an Board haben. Das hat sich aber als schwierig gestaltet, weil kein Sportler Teil einer Serie sein wollte, in der es um Drogen geht.

JD Die Serie schafft es aber auch gut, die Kurve zu kriegen. Es ist ja eine Realität in dieser Welt, vor der man auch nicht die Augen verschließen kann. Es ist spannend zu sehen, dass ein ernstes oder herausforderndes Thema auf eine ganz andere Art bespielt wird.

MM Ja, ich finde das macht Netflix auch total aus. Geschichten zu erzählen, wo die Erzähler nicht als die Erziehungsberechtigten der Zuschauer auftreten. Kriminelle Geschichten wie Haus des Geldes zum Beispiel. Auch wenn es passieren kann, dass die Realität verherrlicht wird. So ist es einfach manchmal und es liegt am Zuschauer zu entscheiden, was er damit anfängt.

JD Wie war die Zusammenarbeit mit Netflix?

MM Viel Freiheit. Wir haben als Schauspieler wahrscheinlich gar nicht so viel mitbekommen von den ganzen Abläufen. Es hat sich darin gezeigt, dass man Drehbücher liest, die irgendwie anders sind – mutig. Unser Drehbuch spiegelt auch die Jugend sehr gut wider. Ich habe dann erst in Cannes, bei der Premiere der Sendung, die Netflix Leute kennengelernt und das war cool. Ich dachte mir so: Wow, it’s international! Haha.

JD Und die Zusammenarbeit mit den anderen Schauspielern?

MM Wer wirklich toll ist, ist Bjarne Mädel, der den Dealer Buba spielt und in Deutschland sehr bekannt ist durch den Tatortreiniger zum Beispiel.

JD Die Figur Buba ist aggressiv und gleichzeitig süß irgendwie – der schafft es diese Brücke zu schlagen.

MM Ja, es war krass mit Bjarne zu arbeiten. Ich hatte am Anfang ja total Angst vor ihm, weil ich im Vorfeld ein Interview von ihm gesehen habe, das irgendwie ganz merkwürdig war. Ich dachte, der kommt jetzt und ist bestimmt voll der Schauspieler – so wie vom Theater, der seine Show abzieht. Als wir dann zusammengearbeitet haben, hat er sich als so lieb und umgänglich herausgestellt. Es war so schön zu sehen, dass ein erfahrener Schauspieler auf einen eingeht und, dass man neben dem auch nicht untergeht. Es war eine große Herausforderung für mich, aber Bjarne hat es einem leicht gemacht, sich im Spiel fallen zu lassen.

JD Man sagt ja, dass Comedy eines der schwierigsten Genres ist. Siehst du das auch so?

MM Ja, vor allem beim Dreh haben wir nicht wirklich viel gelacht. Unsere Rollen finden ja nichts davon witzig, was ihnen passiert. Es ist ja nur lustig, wenn man von außen zusieht, in welcher Scheiß Situation die sich befinden. Beim Ansehen fand ich es dann aber auch super witzig. Es ist eine große Herausforderung, ein lustiges Drehbuch richtig umzusetzen, so dass die Scherze auch auf der Leinwand funktionieren.

JD Du hast ja auch bereits als Fotograf Erfahrung gesammelt. Willst du das weiter vertiefen?

MM Manche Dinge regen mich auf, vor allem bei Pressefotos. Die bilden sehr selten ab, wie ein Mensch wirklich aussieht. Das hat etwas von Food Photography – ist stark gephotoshopped und geblitzt. Es wäre schön, wenn für Serienplakate vielleicht Ausschnitte aus der Serie Verwendung fänden oder wenn man den Stil der Serie imitieren würde.

JD Würdest du das als Fotograf anders machen?

MM Ja, ich habe mich auch sehr viel eingemischt bei unserem Plakat Shoot für die Serie. Es wurde dann leider ein anderes Motiv genommen, aber wir hatten mehr konzeptionelle Ideen.

 

JD War es schwierig, die Kontrolle über deine Rolle oder Darstellung aus der Hand zu geben?

MM Ja, es gibt ja auch super viele awkwarde Szenen, bei denen ich nicht besonders vorteilhaft gezeigt werde. Da habe ich als Schauspieler aber gar keine Probleme damit. Da gebe ich die Verantwortung ab und vertraue der Regie, dass die wissen, wie sie mich zeigen. So, dass es am Ende nicht nur die zur Schau Stellung von mir in meiner kleinen Badehose ist haha.

JD Wie war es für dich, diese Szene in dieser Mini Badehose während des Schwimmunterrichts zu drehen? Bist du generell schnell peinlich berührt?

MM Beim Drehen nicht. Persönlich ist mir ganz viel peinlich. Wenn die Kamera läuft, dann eigentlich gar nichts mehr. Es war auch witzig, weil niemand am Set wollte, dass ich diese Badehose trage. Das Kostüm wollte das nicht und die anderen Schauspieler haben nur gemeint: Der ist doch nicht komplett bescheuert und trägt so eine Badehose. Man weiß doch, dass niemand mehr solche Badehosen trägt.

JD Wer wollte dann, dass du sie trägst?

MM Die Regie. Nee Scherz, das war meine private Badehose, haha. Nein.

 

 

Turtle Neck Just Cavalli, Jacket Maximilian’s own, Pants Gant, Socks Falke, Shoes Converse

 

JD Ein Gedankenspiel: Wenn du privat in der gleichen Situation wie Moritz gesteckt hättest mit Herzschmerz, Drogenverkauf und Co. Wie hättest du dich verhalten?

MM Ich hätte gar nicht erst damit angefangen. Ich bin da wirklich ein Schissi. Ich bin auch vor und während des Drehs nicht ins Dark Net gegangen, haha. Weil ich vor sowas echt mega Angst hab. Andere Dinge wie Fallschirmspringen finde ich cool, aber wenn’s illegal wird, dann werde ich nervös. Und was nehmen wir aus der Serie mit? Mach am besten nichts so, wie Lenny und Moritz das machen, weil das eskaliert. Bleibt einfach so wie ihr seid und vertraut darauf. Moritz verstellt sich ja nur die ganze Zeit, um seine Freundin zurückzugewinnen, mit etwas, das er gar nicht ist. Obwohl vielleicht ist er ja doch der Drogendealer, dieser Boss tief drin – wer weiß. Ich wäre sofort nach dem ersten Skype Gespräch mit Lisa ausgestiegen, hätte mich eingeschlossen und ne Woche geheult, haha.

 

Interview JULIA DEUTSCH
Model  MAXIMILIAN MUNDT
Photography DEBORA BRUNE / www.deborabrune.com
Assistant BENJAMIN BRUNE