“STAY ALL NIGHT“ MIT ALMA

Von Helsinki nach L.A. Von der Talentshow zurück in die Schule und von dort aus an die Seite von Miley Cyrus und Ariana Grande. Alma, 24 Jahre alt und Popmusikerin, ist das nächste neue Ding

In unserer Spring-Ausgabe (kann man im Shop auch als digitaler Download erwerben) stand uns Alma zu einem Smalltalk zur Verfügung. An dieser Stelle gibt jetzt die ungekürzte Fassung, also eigentlich zu lang für Smalltalk.

Das trifft sich ganz gut, denn heute veröffentlicht Alma ihre neue Single „Stay All Night“ mit dazugehörigem (Day 16: Quarantine) Video. Das ganze kann ab 19:00 Uhr live hier bei YouTube miterlebt werden.

Ihr Debütalbum „Have U Seen Her“ erscheint im Mai bei Epic und ist jetzt schon vorbestellbar.

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HARALD PETERS Wie läuft es mit dem Album?

ALMA Super! Ich veröffentliche es in drei Teilen und der erste Teil ist jetzt draußen.

HP Es handelt sich also um eine Trilogie?

A Sozusagen. Sie endlich zu veröffentlichen, ist so als würde ich meinen Schulabschluss machen, denn den habe ich nie gemacht. Endlich habe ich etwas fertig bekommen.

HP Zumal Sie bereits mit 17 angefangen haben.

A Als die erste Single rauskam, war ich 19.

HP Aber ins Rampenlicht getreten sind Sie mit 17, als Sie bei „Idols“ mitgemacht haben, der finnischen Suche nach Superstars?

A Ja, stimmt, aber danach bin ich wieder zurück in die Schule. Ich betrachte das eigentlich nicht als den Anfang meiner Karriere. Ich bin zwar damals in die Öffentlichkeit gegangen, aber dann habe ich gemerkt, dass ich den Scheiß echt hasse, wenn ich ehrlich bin. Das Format ist einfach nicht okay, es ist im Grunde total kaputt, aber darüber können wir vielleicht das nächste Mal ausführlicher reden.

HP Mir gefällt das Thema ganz gut.

A Naja, jedenfalls habe ich daran teilgenommen und dabei herausgefunden, was ich als Musikerin nicht will. Ich war dann wieder für eine Weile in der Schule und habe diese Indie-HipHop-Typen kennengelernt, die mich unter Vertrag genommen haben. Und das war der Punkt, an dem ich wirklich mit Musik angefangen habe. Damals war ich 18. Aber danach habe ich wieder Pause gemacht, weil ich die Gelegenheit hatte, mit anderen Leuten zu arbeiten, was mir irgendwie die Augen geöffnet hat. Ich dachte mir: „Vielleicht sollte ich eine Auszeit nehmen, um herauszufinden, was ich wirklich will.“ Zu denen neuen Stücken spüre ich eine ganz andere Verbundenheit. Ich musste auch erstmal erwachsen werden, den ganzen Teenagerkram machen, um dann etwas zu produzieren, dass hoffentlich die Welt ein wenig verändert.

HP Wie weit sind Sie eigentlich bei „Idols“ gekommen?

A Ich landete auf dem 6. Platz, glaube ich. Aber ich habe dabei viel gelernt. Ich habe verstanden, dass man als Musiker kein einfaches Leben hat. Man wird nicht über Nacht berühmt, auch nicht in einem Jahr. Aber mit 17 denkt man: „Billie Eilish ist mit nur einem Song zum Weltstar geworden.“ Die Leute haben ja keine Ahnung wieviel Arbeit dahinter steckt, wie sehr man sich abrackern muss, um an diesen Punkt zu kommen. Oder zum Beispiel Lil Nas X. Zwar hatte er mit „Old Town Road“ einen Riesenhit, aber auch er hat davor jahrelang Musik gemacht, ohne dass ihn jemand beachtet hätte. Jedenfalls habe ich eine kleine Pause gemacht, weil ich der Welt keine Musik hinterlassen will, die mir nicht gefällt. Als mir der Punkt klar war, wusste ich, dass ich bereit für mein eigenes Album war. Außerdem bin ich inzwischen eine bessere Songschreiberin als früher.

Photo: Matthias Leton

 

HP Was heißt denn Songschreiben genau? Sie schreiben die Texte?

A Ja, genau, die Texte.

HP Auch die Melodien?

A Ja, auch. Ich produziere auch ein wenig und arrangiere Songs und so. Im Wesentlichen beschränkt es sich aber auf Texte und Melodien.

HP Sie haben auch an „Don’t Call Me Angel“ mitgeschrieben, dem „Charlie’s Angels“-Song von Ariana Grande, Miley Cyrus und Lana del Rey mitgeschrieben. Wie ist es dazu gekommen?

A Ich arbeite mit ziemlich erfolgreichen Leuten in L.A., einer davon ist Andrew Wyatt. Als ich anfing, mit ihm zu arbeiten, hat er „Shallow“ von Lady Gaga veröffentlicht. Jedenfalls fand er mich interessant und jung und neu und wollte, dass ich an allen Projekten mitarbeite, an denen er gerade saß. Also hat er mich Lady Gaga vorgestellt…

HP War sie nett?

A So nett! Sie hat mich auf die Wange geküsst und ich kann den Kuss heute noch spüren. Aber noch haben wir nicht zusammengearbeitet. Dann hat er mich Miley Cyrus vorgestellt, das Ergebnis davon war ihre „She Is Coming“-EP. Durch Miley lernte ich dann Ariana Grande und Max Martin kennen. Miley schlug vor, dass ich an dem „Charlie’s Angels“-Song mitschreibe.

HP Und was genau an dem Song stammt von Ihnen?

A Definitiv die erste Strophe. Daraus hat sich der Rest entwickelt. Weil daran aber so viele Leute beteiligt waren, ist es schwer zu sagen, was genau sonst noch von mir ist. Es war jedenfalls eine tolle Erfahrung, man lernt so viel, wenn man mit Leuten arbeiten kann, die so erfolgreich sind. Und interessanterweise geht es denen genauso. Die sagen: „Du bist so jung und neu, was können wir von dir lernen?“ Die finden es spannend, dass ich all die Gepflogenheiten und Regeln nicht kenne.

HP Nimmt man heute einen typischen Popsong, dann sind daran oft 15 Menschen als Komponisten und Autoren aufgelistet. Wie funktioniert das genau?

A Zunächst gibt es eine Kerngruppe von etwa vier Leuten. Dann entscheidet jemand, dass der vielleicht einen Rapper braucht. Der Rapper setzt dann mit seinen Produzenten daran und schon hat man drei Leute mehr. Dann kommt vielleicht ein Sample irgendeines Song dazu, wieder zwei bis vier Leute mehr. Der Produzent hört sich das an und denkt: „Ganz nett, aber mit einem anderen Beat wäre es besser!“ Also lässt man jemanden einen neuen Beat programmieren, wieder einer mehr. Und den Leuten in LA ist es total egal, ob nun fünf, zehn oder 15 Leute daran mitarbeiten, weil sie ja sowieso so unglaublich viel Geld damit verdienen.

 

HP Aber wie bewahren Superstars ihre künstlerische Integrität, wenn so viele Leute an ihren Songs herum schreiben?

A Viele Stars haben ja gar keine. Sie haben überhaupt keine Zeit, diese Integrität zu entwickeln. Aber sie haben Leute, die ihnen die Integrität verpassen. Es gibt eben Künstler und es gibt Interpreten. Viele Stars haben eine unglaubliche Ausstrahlung und Stimme, aber sie haben keine Ahnung, wie man Songs schreibt.

HP Elvis zum Beispiel, Frank Sinatra.

A Exakt. Und für mich ist es gut. Ich liebe es, an meinen Songs zu arbeiten, aber ich liebe es genauso für andere Leute zu schreiben.

 

Eine gekürzte Fassung dieses Interviews ist exklusiv in unserer Spring-Ausgabe enthalten und in unserem Shop auch als digitaler Download erhältlich.

 

Interview HARALD PETERS