LUISA CÉLINE GAFFRON

2019 war ein spannendes Jahr für Luisa Céline Gaffron. Die gebürtige Wienerin war für den Deutschen Schauspielpreis in der Kategorie „Nachwuchs“ für den Film “8 Tage“ und für den Förderpreis Neues Deutsches Kino für ihre Hauptrolle in „Stillstehen“ nominiert.

Bereits während der Schulzeit spielte sie Theater und zog 2014 nach Berlin, um dort an der Universität der Künste Schauspiel zu studieren. Bereits vor ihrem Abschluss reüssierte sie am Berliner Ensemble und drehte parallel die Sky Serie “8 Tage”. Seitdem kamen auch internationale Projekte dazu, wie der britische Kinofilm “Six Minutes to Midnight” von Andy Goddard, in dem Gaffron an der Seite von Judy Dench spielte.

Für Interview zeigt sich Luisa Céline Gaffron glamourös in Gucci, versprüht mühelos alten Hollywood Chic und verrät, was sie privat bewegt.

Julia Deutsch Was fasziniert dich am Schauspiel?

Luisa Céline Gaffron Dass ich mich in anderen Welten bewegen darf als in meiner. Auch, dass es Teil meiner Arbeit ist Menschen und ihre Beweggründe verstehen zu lernen und davon immer auch etwas Neues mit in meine Welt nehme.

JD Könntest du dich entscheiden, Theater oder Film?

LCG Oh, das ist schwer zu sagen, weil die Arbeitsweisen und wen man damit erreichen kann so verschieden sind. Auf der Bühne habe ich meine Leidenschaft für diesen Beruf entdeckt, und ich liebe es bis heute auf ihr zu stehen. Beim Film liebe ich es, dass man die Möglichkeit hat, an einer Szene wirklich so lange zu arbeiten bis sie perfekt ist. Und auf der Bühne liegt die Herausforderung darin genau in diesem Moment, der gerade stattfindet, also aus dem was da ist das Allerbeste zu machen. Am glücklichsten bin ich wenn ich beides machen darf.

JD Woran denkst du als erstes nach dem Aufwachen?

LCG Ich denke daran, was gerade in unserer Welt abgeht. Die Klimakrise und der Rechtsruck, das besorgt mich momentan sehr und ich frage mich täglich was ich für einen kleinen positiven Teil leisten kann. Es macht mich so traurig und wütend zugleich zu sehen, wie wir als Gesellschaft mit unseren Mitmenschen, Tieren und unserem Planeten umgehen. Um es mit den Worten des Holocaustüberlebenden Elie Wiesel zu sagen: „Ich habe immer geglaubt, dass das Gegenteil von Liebe nicht Hass ist, sondern Gleichgültigkeit. Das Gegenteil von Glaube ist nicht Überheblichkeit, sondern Gleichgültigkeit. Das Gegenteil von Hoffnung ist nicht Verzweiflung sondern Gleichgültigkeit. Gleichgültigkeit ist nicht der Anfang eines Prozesses, es ist das Ende eines Prozesses.“

JD Wann hast du das letzte Mal geweint?

LCG Letzte Woche, manchmal gehört es einfach dazu zu akzeptieren dass man sich gerade schwach fühlt und dass wachsen manchmal wehtut.

JD Was ist dein Lieblingslied und womit verbindest du es?

LCG Break Away von Scratch Massive, zwei französischen Producer*innen, bei diesem Song fühle ich mich immer so als wäre ich ein Charakter in einem Film von Xavier Dolan oder Christophe Honoré und das wäre der Soundtrack des Films, ein bisschen melancholisch aber mit ganz viel Kraft.

 

 

JD Was verbindest du mit deinem Geburtsort Wien?

LCG Meine heiß geliebten wunderschönen Kaffeehäuser und, dass sich die Sorgen die man gerade hat in Relation setzten. Durch die Umgebung von Jahrhunderte alter Architektur und entspannten und verlangsamten Wienerinnen und Wienern. Wenn auf der Bank, auf der du sitzt, schon hunderttausend andere gelitten und danach wieder gelacht haben, dann wird man das selbst bestimmt auch tun. In Berlin will immer alles auf dem neuesten Stand sein, neu und frisch, das empfinde ich manchmal als etwas anstrengend.

JD Was machst du, um runterzukommen?

LCG Ehrlich gesagt bin ich darin sehr schlecht, meist bin ich so lange „an“ bis ich so erschöpft bin, dass ich mich nur noch in mein Bett verkriechen, eine Serie binge-watchen und mich eine Weile vor der Welt verkriechen kann. Aber ich werde besser darin, dieses Jahr bin ich viel nach Brandenburg in die Natur gefahren, um abzuschalten.

JD Wenn du nicht Schauspielerin geworden wärst, was wärst du stattdessen geworden?

LCG Bildende Künstlerin vielleicht, Fotografin, Regisseurin, auf jeden Fall irgendwas visuelles.

 

JD Wie trinkst du deinen Kaffee?

LCG Gar nicht, ich trinke viel lieber Tee.

JD Wer ist dein Vorbild?

LCG Die Kids von Fridays for Future, die Menschen von Extinction Rebellion, Menschen wie Lauren Singer und Stevie van Horn und all die deren Namen ich gar nicht kenne, die schon die längste Zeit für Klimaschutz kämpfen. Weil sie mich jeden Tag inspirieren und zeigen, wie wertvoll es ist Energie zu investieren in Klimaschutz und wieviel man verändern kann damit.

JD Was ist der beste Ratschlag, den du jemals erhalten hast?

LCG Dass ich eine Person bin die polarisieren wird, aber dass mich das nicht aufhalten soll mein Ding zu machen. Wenn man eine Haltung entwickelt hat, wie man zur Welt steht und dann für seine Meinungen auch einsteht werden sich davon mache Menschen angegriffen fühlen, wenn die Haltung auch noch feministisch ist, dann ganz garantiert, haha. Aber für mich bedeutet das Künstlerin zu sein, für das einzustehen woran ich glaube und der Gesellschaft entweder einen Spiegel vorzuhalten oder eine Utopie zu zeigen.

 

Interview JULIA DEUTSCH
Fotografie HANNES GADE
Styling MADELEINE MACHOLD
Haare & Make Up KRISTIN BELGER
Alle Looks GUCCI