LIZZIE ARMANTO

Unzählige gewonnene Wettbewerbe, Trasher-Magazin Coverstar und bald auch Olympische Athletin: Die Amerikanerin mit Doppelstaatsbürgerschaft Finnland ist auf Erfolgskurs und sprach mit Interview über das Leben aus dem Koffer, ihren Bezug zu Europa und Leistungsdruck. Sie ist Teil der Vans Vanguards – jungen Profiskaterinnen, die Nachwuchstalente unterstützen und als Vorbilder für eine neue Generation wirken.

Julia Deutsch: Welchen Herausforderungen musstest du dich stellen, als du als Frau in einem stark männlich dominierten Sport professionell tätig wurdest?

Lizzie Armanto: Ich hatte das große Glück, dass sich Skateboarding immer sehr inclusive angefühlt hat. Ich wurde schnell akzeptiert. Es ist ja nicht so, dass ich den Jungs irgendetwas wegnehmen würde – ich sehe mich eher als Ergänzung eines großen Ganzen.

JD: Gibt es etwas, worauf du besonders stolz bist?

LA: Ja, nämlich mein Leben ganz grundsätzlich. Es macht mich stolz, dass ich vom Skateboarden leben kann und, dass sich auch sonst sehr viel darum dreht.

JD: Da die Wettbewerbe überall auf der Welt stattfinden, bist du gezwungen, viel zu reisen. Wie fühlt sich das Leben aus dem Koffer an?

LA: Es bedeutet die gleichen Dinge so oft wie möglich anzuziehen, bis ich dann endlich nach Hause komme, um die Wäsche zu machen. (lacht)

 

JD: Hat dich deine duale Staatsbürgerschaft als Person beeinflusst, sodass du dich als Amerikanerin und als Europäerin fühlst?

LA: Ich bin in Südkalifornien geboren und aufgewachsen mit einer amerikanischen Mutter und einem finnischen Vater. Es war mir immer sehr wichtig, auch Zeit in Finnland zu verbringen, um diesen Teil meiner Familie zu sehen. Ich habe auch Freunde dort und fühle mich sehr wohl. Ich sehe mich selbst als Amerikanerin und als Finnin.

JD: Wie groß ist die Freude von dir und deiner Familie, dass du bei den kommenden Olympischen Spielen für Finnland antrittst?

LA: Ja, ich persönlich freue mich sehr auch diesen Teil meiner Identität ausleben zu können. Meine Familie ist sehr gespannt und stolz, vor allem natürlich mein finnischer Vater und die Hälfte meiner Verwandten, die in Finnland leben.

JD: Vans bietet mittlerweile Skate Clinics (red: Workshops für den Einstieg in den Skatesport) für junge Frauen überall auf der Welt an. Hättest du dies in Anspruch genommen, wenn es diese zu deiner Anfangszeit schon gegeben hätte?

LA: Auf jeden Fall. Ich gebe auch zu, dass ich ein wenig eifersüchtig darauf bin, welche Möglichkeiten und Unterstützung es mittlerweile für junge Frauen in diesem Bereich gibt. Als ich anfing war das noch ganz anders. Aber aus diesem Grund engagiere ich mich in Rahmen der Vans Vanguards.

JD: Siehst du Skateboarden nur als Sport an, oder ist es für dich auch ein kreatives Outlet?

LA: Ja, ich werde sehr oft gefragt, ob Skateboarding überhaupt ein Sport ist (lacht). Ich sehe es definitiv als Sport, da man sehr viel Kraft braucht, um die Bewegungen auszuführen. Skateboarden ist aber noch viel mehr – es ist ein Lifestyle, eine ganz eigene Kultur und definitiv ein kreatives Outlet.

JD: Wann hast du mit dem Skateboarden begonnen? Fühlte es sich sofort natürlich an?

LA: Ich war 14 als ich das erste Mal auf dem Skateboard stand und ich habe mich sehr schnell wohlgefühlt. Auf dem Brett fühle ich mich sogar so, als könnte ich der Realität entfliehen. Es ist für mich eine Art des Eskapismus von Zeit zu Zeit.

JD: Wer ist dein Vorbild und aus welchem Grund?

LA: Für mich ist jede Person ein Vorbild, die ihren Träumen folgt und die eigene Passion auslebt. Ich finde das sehr inspirierend.

 

JD: Gab es einen speziellen Moment, in dem dir bewusst wurde, dass Skateboarden mehr als nur ein Hobby sein könnte?

LA: Es war für mich weniger ein Moment, als ein Prozess. Nach ein paar Jahren begann ich Geld bei den Contests zu gewinnen und von da an war mir klar, dass ich hier eine große Chance habe, die ich nützen sollte.

JD: Mit der Professionalisierung deines Hobbys, stieg da auch der Leistungsdruck?

LA: Ich denke der Leistungsdruck ist mein ständiger Begleiter, egal ob ich professionell skateboarde oder nur als Hobby. Ich habe den Anspruch das Beste aus mir rauszuholen und ständig zu wachsen. Meine Sponsoren unterstützen mich und geben mir die Freiheit den Skate-Sport in seiner Vielfältigkeit zu repräsentieren. Etwas mit der Welt zu teilen, das man liebt ist ein Privileg und da lastet garantiert kein Druck darauf.

JD: Kannst du dich persönlich mit der bekannten ‘Skater-Ästhetik’ identifizieren?

LA: Ich bin mir nicht ganz sicher was der Skate Style genau ist, von dem man oft hört. Es ist ein Mischmasch aus vielen Stilen, das finde ich spannend. Ich mag Kleidung ganz grundsätzlich und finde es toll, mit Vans zusammenarbeiten zu können für meine eigene Kollektion.

Lizzie Armanto wird Ende März zu Gast im Berlin sein, im Rahmen des Events House of Vans.

Interview JULIA DEUTSCH