“IT’S VERY EASY TO MAKE THINGS COMPLICATED NOWADAYS BUT IT’S VERY COMPLICATED TO KEEP THINGS SIMPLISTIC”

Von allem nur das Schönste! Auch die neueste Ausgabe des Concorso D’Eleganza Villa d’Este hielt einen Augenschmaus nach dem Anderen bereit – seit 1929 präsentieren sich rund um das Gelände der Villa D’Este am Comer See die schönsten und eindrucksvollsten Modelle der Automobilindustrie. In traditionsreicher und feierlicher Zeremonie werden die Formschönheiten das Wochende hinweg in Paraden und Ausstellungen an den Uferanlagen des Comer Sees inszeniert. Nur unnah auf dem Parkgelände der Villa Erba fand zum neunten Mal auch der Concorso di Motociclette statt, eine Reise in die Zukunft und Historik des Motorrads.
Anlässlich des neuen R18 Concept Bikes von BMW sprachen wir mit Chef-Designer Edgar Heinrich von BMW Motorrad vor einer Kulisse aus Bergen, See, Zwei- und Vierrädern, die ihres gleichen sucht.

Shot on a Polaroid Originals, OneStep+ White

INTERVIEW Welche Rolle spielt für dich Nostalgie bei der Ideenfindung zu einem neuen Modell?

EDGAR HEINRICH Nostalgie ist vielleicht nicht das richtige Wort, denn im Grunde will Design ja immer weitertreiben. Im Rennsport ist eine solche Entwicklung natürlich genau richtig und auch gewollt, wenn man mit allen Mitteln versucht noch die letzte Zehntelsekunde an Geschwindigkeit herauszuholen. In anderen Segmenten wiederum ist diese Technologie als Selbstzweck nicht mehr wichtig, so zum Beispiel bei unserem neuen Concept Bike R18. Bei einem solchen Modell spielen Look, Feel, Sound eine dominante und tragende Rolle. Ich sehe das ist dann immer wie eine Leinwand, auf der ich meine Persönlichkeit zum Ausdruck bringen kann. Im Vordergrund steht dann zum Beispiel der Moment des Losfahrens und Ankommen, wenn ich vom R18 absteige dann drehe ich mich nochmal um und lasse meinen Blick auf mein Motorrad schweifen. In diesem Segment sind dann definitiv die emotinalen Faktoren wichtiger, als die technischen. Die Technik wird dann zur Hygiene und nicht mehr zum Selbstzweck.

I Würdest du den Entwurfsprozess eines Motorrads eher als rational- oder emotional getrieben kategorisieren?

EH Es ist wohl eine Mischform. Grundsätzlich hat man natürlich sehr viele technologische Rahmenbedingungen zu beachten, in den ersten Zügen des Entwerfens ist es dann aber dennoch so, dass man erstmal eine Vision entwickelt und sich überlegt wo es hingehen soll, Hauptsache schön und gut. Dann kommen aber natürlich sehr schnell technische Aspekte zum Tragen. In der Regel ist es aber sowieso so, dass Motorrad-Designer ziemliche Nerds auf ihrem Gebiet sind, die schon sehr viel Grundwissen zum Gefährt mitbringen, also sehr genau wissen was geht und was nicht geht.
Trotzdem ist es natürlich so, dass man mit jedem Schritt versucht die Grenzen aufs Äußerste zu pushen – man will ja Neuigkeit und Innovation. Jeder Designer versucht im Grunde Tag für Tag die Welt neu zu erfinden – am anderen Ende steht dann aber die Produktion. Dazwischen liegt das Spannungsfeld, manchmal funktioniert das sehr gut und manchmal stellt es einen als Designer vor große Schwierigkeiten.

Shot on a Polaroid Originals, OneStep+ White

I Hast du dein persönliches Lieblingsdetail, an dem du stundenlang herumtüfteln könntest?

EH Ich glaube da gibt es keines. Es ist eher das Zusammenspiel vieler Einzelheiten, so ein komplexes System wie ein Motorrad funktioniert nur im Zusammenspiel. Ich sehe da dann keine einzelnen technischen Details, sondern vielmehr Funktionalitäten. Wenn man an einer Stelle etwas bewegt, passiert an einer Anderen etwas. So sehe ich das.

I Welche Rolle spielen Farben?

EH Farben spielen natürlich eine ganz wichtige Rolle. Das interessante ist ja, dass Farben wahnsinnig viel leisten können, wenn man sie richtig einsetzt. Da geht es um viel mehr, als dass einer sagt, er findet rot schön, der/die Andere grün und dann entsprechend die Farbtöpfe aus dem Regal geholt werden. So oder so sind Farben subtil immer vorhanden und gleichzeitig kann man ein Motorrad über Farben sehr differenziert darstellen, verschiedenste Charaktere verpassen. Ganz toll funktioniert das zum Beispiel bei unseren BMW Sport Bikes – aber so oder so sind Farben immer subtil vorhanden, egal bei welchem Rad, es geht also gar nicht ohne!

I Was macht ein Motorrad “schön”?

EH Schön liegt im Auge des Betrachters, das wissen wir. Das gilt auch beim in unserem Bereich, die/der Eine findet es schön, die/der Andere nicht. Ein Motorrad ist ein total emotionales, subjektives Produkt, zumal kein Mensch in der westlichen Welt ein Motorrad wirklich braucht. Ein Auto braucht man möglicherweise schon. Ein Motorrad wiederum ist ein Luxusobjekt, insofern ist es auch eine Projektionsfläche meiner persönlichen Lebens- und Wertvorstellung, etwas sehr Individuelles, das einem die Möglichkeit gibt sich nach außen hin darzustellen.

I Erinnerst du dich an deinen schönsten Roadtrip?

EH Das ist schwierig, da gibt es so viele. Ich bin ja im Süden von Deutschland aufgewachsen, da ist alles sehr eng und klein. Deshalb erinnere ich mich immer gerne an Fahrten durch sehr menschenleere Gegenden, zum Beispiel durch Amerikas Westen, durch die Mongolei oder Fahrten im Himalaya. Das waren immer tolle Erlebnisse mit ganz neuen Eindrücken. Aber auch eine Spritztour durch das Allgäu kann wunderschön sein, so ist es nicht!

Shot on a Polaroid Originals, OneStep+ White

I Wie viel km legst du im Schnitt jährlich mit deimem Motorrad zurück?

EH Ich fahre nicht täglich aber im Jahr komme ich auf etwa 12-15.000km.

I Dein persönliches Speed-Limit? Was wurde schon ausgereizt?

EH Das weiß ich sogar sehr genau, denn ich wollte 300km/h erreichen und habe 299km/h geschafft – das war auf der BMW Teststrecke.

I Träumst du?

EH Ob ich träume? Gute Frage. Aber ja, ich träume oft, allerdings nicht zwingend von Motorrädern. Häufig auch ganz wirres Zeug. Aber schon auch oft von Motorrädern!

I Was kommt als Nächstes?

EH Ich darf natürlich nichts über zukünftige Projekte verraten, aber die Zeiten momentan sind definitiv sehr spannend.
Unser Kerngeschäft wird von den klassischen Segmenten dominiert. Gleichzeitig stellen wir aber fest, dass es neue Begehrlichkeiten gibt, wie zum Beispiel Semantik und schlichtes Design. Der Trend geht definitiv in Richtung The Power of Simplicity, kein Kunststoff, hochwertige Materialien aber selbstverständlich auch ganz neue Herausforderungen wie Elektromobilität!

Shot on a Polaroid Originals, OneStep+ White

Zum Markt-Jubiläum des ersten Automobils BMW 3/15 PS präsentierte BMW im Rahmen des Concorso außerdem eine Reihe von Automobilen und Motorrädern aus dem Jahr 1929.  Mit der Vorstellung des R18 Concept Bikes gewährte BMW gleichzeitig einen Blick in die Zukunft.

In collaboration with POLAROID ORIGINALS, all images are shot on a Polaroid Originals, OneStep+ White