JOY CROOKES

Harald Peters im Gespräch mit Joy Crookes

Der beste Weg, eine Künstlerin kennenzulernen, ist ein Blick in ihre Playlist und praktischerweise hat Joy Crookes ihre gerade zur Hand. „Khruangbin, Santigold, Childish Gambino, Little Simz, der äthiopische Jazzmusiker Mulatu Astatke – einer meiner Lieblingsmusiker, er ist großartig. Janelle Monae, Arctic Monkeys, Solange, Sister Nancy, The Streets, Nina Simone, J Cole, Tierra Whack, Bruce Springsteen. Das sind eine ganze Menge Leute, aber von den genannten ist die Künstlerin, die mich gerade am meisten inspiriert hat, wahrscheinlich Little Simz. Ich liebe ihre Aufrichtigkeit. Und ich liebe The Streets. Ich bin mit deren Musik aufgewachsen und mag es, wie sie zu ihrem Englischsein stehen und nicht versuchen, sich dem amerikanischen Geschmack anzupassen. Und ich liebe Nina Simone. Und M.I.A., weil ich ihre Haltung bewundere. Und J Cole, denn seine Texte sind fantastisch. Und Koffee aus Jamaika, weil sie so authentisch ist. Und bei Bruce Springsteen ist es das Gefühl, das seine Musik transportiert. Im Sommer Springsteen zu hören, fühlt sich einfach richtig an“, sagt Joy Crookes, 19 Jahre alt und aus dem Londoner Süden. Drei EPs und drei Singles hat Crookes veröffentlicht und hatte vor zwei Jahren mit „Mother May I Sleep With Danger?“ einen ersten Hit, obwohl uns nicht so richtig klar ist, wie sie mit 17 so einen Jazz-Blues-R‘n‘B- Sound hinbekommen hat.

Harald Peters Ihre EPs heißen „Influence“, „Reminiscence“ und „Perception“. Offenbar mögen Sie große Worte.

Joy Crookes Ja, stimmt, das sind große Worte. Aber die Titel haben alle eine Bedeutung. Ich war 18, als die erste EP erschien und zu dem Zeitpunkt war „Influence“ für mich der einzig passende Titel. Mit 18 ist man wie Schwamm, man nimmt alles auf, um sich dabei selbst zu finden. Außerdem waren die Songs beeinflusst von Dingen, die mir passiert sind. „Reminiscence“ ist der Blick zurück und „Perception“ der Ausblick. Große Worte, ja, aber sie hören sich gut an, wenn man sie nacheinander sagt. Weiß der Teufel, wie ich jetzt das Album nennen soll.

HP Jetzt kommt also ein Album? Im Grunde waren ja die EPs ja schon kleine Alben.

JC Es ist verwirrend, oder? Ich glaube, die Konsumenten erwarten heute, dass man ihnen ständig neues Material liefert. Viele Leute in der Musikindustrie meinen, dass man sehr viel Musik veröffentlicht haben muss, bevor man ein Album rausbringen darf. Aber Sie und ich wissen, dass es vor zehn Jahren noch anders war. Da hat man sich auf das Album konzentriert, heute ist man vor allem damit beschäftigt, Buzz zu kreieren. Also keine Ahnung, was als nächstes kommt. Vielleicht noch eine EP, obwohl ich eigentlich nicht will. Ich bin ehrlich mit Ihnen, ich sehe mich eigentlich eher als Album-Künstlerin. Ich sammle Alben, ich höre mir Alben an. Ich habe zwar eine Playlist auf Spotify, aber eigentlich höre ich mir lieber Werke in ihrer Gesamtheit an.

HP Und Sie haben dann die physischen Kopien von Alben zu Hause oder streamen Sie?

JC Im Auto höre ich CDs. Früher habe ich CDs gesammelt. Jetzt nicht mehr, weil HMV zu teuer geworden ist und man die Musik ja auch online findet. Manchmal skippe ich auch einen Song, wenn ich zum Beispiel Massive Attack höre. Deren Musik ist so unterschiedlich, dass man manchmal nicht in Stimmung ist, für einen bestimmten Sound.

 

 

Das ganze Interview ist in unserer FALL WINTER 2019 Ausgabe erschienen und ist als digitaler Download oder Hardcover in unserem Onlineshop und an den Zeitungsständen erhältlich.

 

Joy Crookes spielt am 19.11. in Berlin 

 

Fotos  LEONN WARD

Interview  HARALD PETERS