JOAN SMALLS

Sie ist eines der erfolgreichsten Models unserer Zeit. Sie hat für alle wichtigen Marken und Magazine gearbeitet. Sie gilt als eine der New Supers. Sie stammt aus Puerto Rico. Und sie weiß, was sie will. Sie ist JOAN SMALLS.

Wenn man an den Anfang von Joan Smalls’ Karriere zurückgeht, dann ist da niemand, der sie entdeckt hat. Kein Agent, der ihr eine Karte gab, kein Scout, der sie auf der Straße angesprochen hätte. Wenn sie an den Anfang zurückkehrt, dann sind dort nur Türen, an die sie klopfte, meist verschlossen, bis eine Agentur endlich bereit war, sie zu vertreten. Doch entdeckt hat Joan Smalls sich selbst. 2007 unterschrieb sie endlich einen Vertrag, drei Jahre später ging ihre Karriere nach einer Haute-Couture-Show von Givenchy durch die Decke. Inzwischen ist Smalls 31 und hat für alle denkbaren Marken, Fotografen und Magazine gearbeitet. Und den Rapper A$AP Ferg lernte sie zwischendurch auch kennen. Freundlicherweise erklärte er sich bereit, Smalls für uns zu interviewen, auch wenn ihm das selbst nicht so klar war. Aber lesen Sie selbst…

JOAN SMALLS A$AAAP!!

A$AP FERG Was geht?

JS Nicht viel. Bin gerade aus dem Gym raus.

AF Ich habe Gym-Geräusche im Hintergrund gehört.

JS Nee, nee, jetzt bin ich nicht mehr im Gym.

AF Und was machst du gerade?

JS Ich bereite mich auf die Fashion-Week vor, ganz langsam. Ich bin gerade erst aus dem Urlaub zurück.

AF Verstehe, verstehe.

JS Ich habe dich über Renell kennengelernt, oder? Wo war das doch gleich? War das bei den VMAs oder den MTV Awards in L.A. oder noch davor?

AF Ich bin mir nicht sicher.
JS Ich weiß es auch nicht, aber immer wenn wir uns sehen, sagen wir uns hallo, und es war bei irgendeiner Award-Show…

AF Entschuldige bitte, dass ich gerade total ahnungslos bin, aber mit welchem Magazin führe ich eigentlich gerade das Interview?

JS Interview.

(eine Stimme aus dem Off erklärt A$AP Ferg, dass er nicht mit einer Journalistin spricht, sondern einer Person aus demShowbusiness, weil es zum Markenkern des Interview-Magazinsgehört, zwei Prominente aufeinandertreffen zu lassen)

AF Und mit wem rede ich? Wer ist denn die Frau, mit der ich gerade gesprochen habe?

(Stimme aus dem Off: Joan Smalls)

AF Oh, Joan! Okay, okay, jetzt verstehe ich. (Gelächter, großes Hallo) Hör zu, ich bin gerade aufgewacht und niemand hat mich vorgewarnt, dass es sich um so eine Art von Interview handelt. Aber jetzt können wir loslegen.

JS Und ich dachte gerade: „Was ist mit Ferg los? Ist er krank?“

AF Und ich dachte: „Komisch, die Frau spricht mit mir, als würde sie mich kennen.“

JS Du liebe Güte!

AF Okay Joan, dann lass uns anfangen. Ja, ich denke, dass wir uns schon ein paar Mal über den Weg gelaufen sind. Bei der Met-Gala zum Beispiel und der Met-Party und bei Coachella. Es kann aber sein, dass du dich daran nicht erinnerst, weil du zu betrunken warst.

JS Haha, natürlich erinnere ich mich. Wir waren erst im VIP- Bereich und dann bei der Hauptbühne.

AF Und du hast aus der Coachella-Schnapstüte getrunken.

JS Ich glaube, das erste Mal sind wir uns in Paris begegnet.

AF In Paris?

JS Ja, vor Jahren schon. Möglicherweise mit Kanye bei einer Aftershow-Party von Balmain.

AF Ja, kann sein. Aber das war nicht mit Kanye, sondern mit Rocky. Ich hatte dieses weiße, pelzfarbene Ding an und eine funky Brille. Das war meine erste Fashion-Show in Paris, und es war Dior.

JS Wie war das für dich? Ich hatte bei dir immer das Gefühl, dass du dich für Mode interessierst und dir die Sachen dann zu eigen machst. Also für jemanden, der eigentlich nichts mit der Modeindustrie zu tun hat, wie war es für dich, die Sache plötzlich hautnah zu erleben?

AF Also zunächst einmal habe ich eine Modeschule besucht. Ich bin auf einer Schule für Kunst und Design gewesen und habe einen Abschluss in Mode und bildender Kunst. Ich dachte immer, dass ich Modedesigner werden würde, waswahrscheinlich der Grund ist, warum dir mein Style aufgefallenist. Es war immer mein Traum, zu Modeschauen zu gehen. Früher saß ich immer zu Hause und habe mir die Shows im Fernsehen angesehen, Yves Saint Laurent, Karl Lagerfeld und solche Sachen. Aber zurück zur ersten Fashion-Week: Die Sache war, dass ich wusste, dass Rocky jedes Jahr nach Paris geht, also sagte ich: „Dieses Jahr komme ich mit! Egal welchen Flieger und welches Hotel du nimmst, ich bin dabei!“ Wir sind dann also nach Paris, hatten unsere Outfits, es war der Wahnsinn. Das erste Dinner hatten wir mit, wie heißt er doch gleich, Kris van Assche, der damals noch bei Dior war. Ich glaube, Rocky war das erste schwarze Gesicht für Dior. Und mit den CEOs am Tisch zu sitzen und so, das war, als würde man Barrieren einreißen. Wir waren auch auf einem Maskenball, zogen unsere Outfits an, unsere Dior-Outfits, und wir trugen dazu Turnschuhe, was irgendwie wohl eine große Sache war. Wir haben uns die Dior-Boys genannt, daswar lustig. Und ich erinnere mich, dass Rocky damals nicht zu der Show von Louis Vuitton gehen durfte wegen irgendwelcherVertragsangelegenheiten …

JS Ja, wenn man einen Exklusiv-Vertrag hat…

AF Genau, wir sind aber dennoch zu Louis Vuitton gegangen,obwohl wir es eigentlich nicht durften. Wir haben uns Kim Jones angeschaut und hielten Ausschau nach den Supreme- x-Louis-Vuitton-Jeans, die nach der Show wohl verbrannt werden sollten, wie Rocky wusste. Und ich dachte: „Wieso weißt du das eigentlich?“ Rocky bekam dann die Jeans und Kim Jones gab mir zwei Paar Turnschuhe aus der Louis- Vuitton-x-Supreme-Kollektion.

JS Du erzählst mir also gerade, dass du mehr Sachen umsonstbekommst als ich? Obwohl ich im Unterschied zu dir sogar in der Branche arbeite?

AF Ich muss dich mal was fragen: Meinst du, dass Naomi Campbell früher mitsamt den Klamotten, die sie anziehen musste, einfach so vom Set spaziert ist?

JS Ich vermute, dass die Designer damals großzügiger waren.Oft haben sie auch Klamotten nur für ein bestimmtes Model entworfen. Die Dynamik war eine ganz andere.

AF Wirst du manchmal sauer, wenn du etwas siehst, dass du wirklich magst, es dann aber nicht behalten darfst?

JS Ja, natürlich!

AF Wenn ich nach einer Show die Klamotten sehen würde,wäre ich nur so: „Yo!“ Ich war nämlich vor einem Jahr bei dieser Show von Valentino und ich fand diese Jacke, nein, diese zwei Jacken so toll. Und eine durfte ich behalten, aber die andere Jacke, die war so irre. Sie hatte diesen Dapper-Dan-Vibe, und ich meinte nur: „Yo, die brauch’ ich!“ Für die Valentino-Leutewäre es das Schlaueste gewesen, mir die Jacke zu geben, damitich sie in meinem nächsten Video trage, oder so. Aber sie haben sie mir nie geschickt.

JS Ja, so ist das immer. Du gehst zu einem Designer und sagst, dass du dieses eine Teil ganz wunderbar findest. Der Designer sagt dann: „Ach, wirklich? Keine Sorge, wir schicken es dir!“ Aber das Paket kommt nie an.

AF Verdammt, das hätte ich wissen sollen. Wann hast du in Paris am meisten Spaß bei der Fashion-Week?

JS Wenn ich Zeit mit Freundinnen zusammen verbringe. Mitunter fühlt es sich so an, als wären wir auf Tour. Nach den Schauen gehen wir meist auf Partys, um zu vergessen, dass wir eigentlich zum arbeiten da sind, um das Beste daraus zu machen. Wir sitzen dann irgendwann zusammen im Auto undsagen: „Lass uns in einen Stripclub gehen! Es ist Fashion- Week!“

 

Das ganze Interview ist in unserer FALL WINTER 2019 Ausgabe erschienen und ist als digitaler Download oder Hardcover in unserem online shop und an den Zeitungsständen erhältlich

Look PETER DO

Fotos JUSTIN FRENCH

Styling JESSICA WILLIS

Interview A$AP FERG

Kreativdirektor ETHAN MILLER

Haare LACY REDWAY @ THE WALL GROUP
Make-up TYRON MACHHAUSEN @ THE WALL GROUP

Lichttechnik ANTHONY LESLIE

 Studio CANDY STUDIO

Danke an HAZEL @ CANDY STUDIO