HAPPY BIRTHDAY NAOMI!

Für unserer Dezember 2012 Ausgabe hat sich das Super-Star-Mega-Model Naomi Campbell mit ihrer Kollegin und Freundin Kate Moss getroffen um sich mit ihr für uns zu unterhalten.  Außerdem hat sie sich für das damalige Cover von Mert Alas und Marcus Piggott fotografieren lassen. Weil sie heute Geburtstag hat, keinen Tag gealtert scheint und sowieso für immer zeitlos sein wird, wärmen wir die alte Geschichte nochmal auf und gratulieren herzlich.

NAOMI CAMPBELL Okay, hier sprechen Kate Moss und Naomi Campbell. Ich leg dann mal los. Wir beide sind nun schon so oft im Leben auf unterschiedlichste Art und Weise zusammengekommen. Natürlich sind wir Kolleginnen, aber vor allem sind wir Freundinnen. Ich freue mich also sehr, jetzt hier mit dir zu sitzen und dir ein paar Fragen zu stellen, Wagon. Vielleicht muss ich kurz erklären, dass ich dich, Kate, immer Wagon nenne.

KATE MOSS Wir nennen uns gegenseitig Wagon!

NC Na, dann müssen wir wohl klarmachen, wer hier wen gerade Wagon nennt. Ich fang dann mal an: Ich bin Naomi. Wir haben sehr viele Gemeinsamkeiten. Eine ist natürlich, dass wir beide aus Süd-London kommen. Deswegen wollte ich dich zuerst einmal fragen, was für Erinnerungen du an deine Kindheit in Croydon hast? Wirst du jemals dorthin zurückgehen?

KM Nein, ich war seit Ewigkeiten nicht mehr da. Meine Mutter wohnt da draußen, also besuche ich sie manchmal dort. Meistens kommt sie aber nach London. Und mein Bruder wohnt auch immer noch in Croydon. An Weihnachten sind wir das letzte Mal zusammen ausgegangen. Wir hatten ziemlichen Spaß. Ich habe alle Leute wieder getroffen, mit denen ich früher unterwegs war. Es war sehr lustig.

NC Oh mein Gott!

KM Wir sind in den Pub gegangen, in dem wir früher immer waren. Alle Leute, mit denen ich früher rumhing, waren da. Wirklich alle. Wir kamen rein – und sie saßen, wo sie immer saßen.

NC (lacht) Wirklich? Alle immer noch am selben Ort?

KM Ich meinte: „Komm, lass uns rausgehen und sie suchen.“ Und da waren sie, tatsächlich noch am selben Fleck. Meine Mutter ist dann irgendwann nach Hause gegangen, aber mein Bruder und ich sind erst … nun ja, wir sind erst spät nach Hause gekommen.

NC Bleiben wir bei London: War es nicht toll, dass wir bei den Olympischen Spielen laufen durften. Was hast du für Erinnerungen an den Tag?

KM Es war der Wahnsinn! Ich hatte solchen Spaß. Davor war ich allerdings total aufgeregt. Ich bin noch nie auf einem Laufsteg hingefallen, aber an dem Morgen hatte ich echt ein wenig Panik. Ich habe gezittert, als ich aus dem Bus gestiegen bin!

NC Yeah.

KM Ich habe mit einem der Soldaten gesprochen, die im Stadion rumstanden. Er fragte: „Geht es Ihnen gut?“ Ich meinte nur: „Nein!“ Ich habe gezittert – und das konnte man auch sehen.

NC Wir standen auf diesen Lastwagen. Ich sage das nur, damit alle verstehen, dass das nicht so einfach war.

KM Ich habe sogar noch gezittert, als ich im Stadion angekommen bin. Aber sobald ich auf dem Wagen stand, wusste ich: „Okay, alles in Ordnung.“

NC Ich hatte mich sehr darauf gefreut, hinzugehen und alle zu sehen. Die Stimmung war einfach … Es war so toll, als wir alle zusammen auf der Bühne standen. George Michael …

KM The Who …

NC Mich machte es total nervös, dass wir ganz alleine in diese Laster gesteckt wurden. Niemand aus dem Team durfte mit. Es war keiner da, der einem helfen konnte. Ich bekam Panik: „Stehe ich in der richtigen Laufrichtung, oder muss ich in die andere?“ Es ist nicht gerade das Beste, sich in diesem Moment solche Fragen zu stellen. Und ich meinte nur: „Kann mir irgendjemand helfen? Ich weiß nicht, wo ich lang muss.“ Ich hatte Angst, dass ich stecken bleiben würde, und so war es dann auch.

KM Wirklich?

NC Ja, aber die anderen durften mir nicht helfen. Es gibt da irgendeine Regel, die das verbietet, keine Ahnung.

KM Oh, das wusste ich gar nicht.

NC Und so kam es dann auch: Als ich die Treppen zurück in den Wagen runterstieg, bin ich stecken geblieben.

KM Oh nein! Ich habe es dafür nur bis zur Mitte des Laufstegs geschafft. Ich habe versucht, schneller zu laufen, aber offensichtlich war ich nicht so schnell wie die anderen. Ich bin nur bis zu der Stelle gekommen, an der alle anderen sich umdrehen und runter steigen. Hast du es dir angeschaut?

NC Ja, als ich wieder zu Hause war.

KM Dabei haben nur zwei Schritte gefehlt, ansonsten hätte ich es geschafft. Rückblickend ist das egal, Hauptsache wir waren dabei. Es war jedenfalls super, oder?

NC Ich glaube, es war eine der aufregendsten Shows, die ich jemals gemacht habe.

KM Am nächsten Tag bin ich aufgewacht und habe gedacht: Ich will noch mal!

NC (lacht)

KM Jetzt kann ich mir vorstellen, wie man sich fühlen muss, wenn man gerade ein Konzert vor Tausenden von Leuten gibt.

NC Stell dir vor, du machst das jeden Abend!

KM Ja! Es hat solchen Spaß gemacht!

NC Alle sind total enthusiastisch und wollen zusammenarbeiten. So muss das sein. Ich muss dir übrigens für Fashion for Relief danken. Es war unglaublich gut, vor allem wenn ich bedenke, dass du eigentlich gar keine Sendungen mehr machen willst.

KM Du hast einen echt tollen Job gemacht. Wenn du eine Mission hast, dann ziehst du sie richtig durch.

NC  Ja, du weißt, wie ich dann bin (lacht).

KM Du bist nicht aufzuhalten (lacht). Erinnerst du dich an die Versace-Show damals in Afrika?

NC Das war doch 1998 – und es war Valentinstag. Abgesehen davon, Mr. Mandela zu treffen, war der Flug dorthin legendär.

KM Ja, der Flug war irre!

NC Der Guide, den wir getroffen haben, auch. Kannst du dich daran erinnern, dass ich Karen und Bridget Hall, die beiden Jüngsten aus der Gruppe, verloren habe? Die sind irgendwie in Johannesburg verschwunden, und wir mussten die Maschine nach Kapstadt nehmen. Wir kamen am Flughafen an, und die beiden fehlten. Ich bekam total die Panik und war nur so: „Wir können nicht los! Wir müssen sie finden!“

KM Wo waren sie denn?

NC Auf der Toilette! Irgendwie verschüttgegangen. Und ich fühlte mich so verantwortlich. Sag mal, Wagon, du bist schon in vielen Musikvideos aufgetreten, unter anderem von Primal Scream, The White Stripes, Elton John und George Michael. Glaubst du, es gibt eine enge Beziehung zwischen Mode- und Musikwelt?

KM Für mich schon.

NC Ja, für mich auch.

KM Spiel ein Lied, und ich stelle mir das passende Outfit dazu vor.

NC  Ich mag es, bei der Arbeit Musik zu hören.

KM Ja, das weckt auf.

NC Und es schafft Atmosphäre. In New York haben jetzt viele Fotografen DJs am Set.

KM Ich weiß. Das ist super, oder?

NC Der Erste, bei dem ich das erlebt habe, war David LaChapelle. Ich fragte: „Spielen die für uns?“ Ich konnte es kaum fassen!

KM David Sims macht das auch und noch ein paar andere. Einer von Davids Assistenten ist ein sehr toller DJ. Ich könnte ihm den ganzen Tag zuhören, so gut ist er!

NC Wo wir gerade beim Thema sind: Das Metropolitan Museum of Art wird nächstes Jahr eine große Ausstellung über Punk zeigen.

KM Wie toll! Die Mode von damals war einfach super.

NC Bist du jemals in Vivienne Westwoods Archiv gewesen wegen der alten Sachen? Ich frage seit Jahren danach.

KM Ich sammle die Sachen. Ich habe haufenweise von dem Zeug. Mittlerweile sind sie wie Museumsstücke. Ich besitze einen Hangman-Jumper, der sieht aus wie ein Schal, heißt aber so. Er hat ein Vermögen gekostet, aber das war es wert. Er wird in der Ausstellung gezeigt.

NC Wow, das freut mich für Vivienne.

KM Ja, sie ist ein Genie.

NC Was magst du an ihr? Findest du sie auch so angenehm verdreht?

KM Ja, sie ist schräg und originell. Und sie ist lustig, ich liebe sie. Sie geht jetzt nach Indien. Sie ist gerade auf einer großen Mission für das Klima und unsere Umwelt. Das ist ein tolles Projekt.

NC Ich liebe sie für die Leidenschaft, die sie entwickelt, wenn sie sich etwas vorgenommen hat.

 

KM Wir haben beide im gleichen Alter angefangen zu modeln. Du warst 15, als du das erste Mal auf dem Titel der britischen Elle warst. Was sind deine schönsten Erinnerungen an diese Zeit?

NC Ich glaube, das sind die Reisen. Ich fand es schön, so viele verschiedene Orte kennenzulernen. Für die Arbeit reisen zu können und die unterschiedlichsten Leute kennenzulernen hat mir viel Spaß gemacht. Die Modewelt war mir damals noch völlig fremd – ich war ja auf einer Schule für Tanz, Kunst und Theater. Als Teenager dann diese Welt erkunden zu können war aufregend.

KM Wann hast du die Schule verlassen?

NC Mit 15. Ich hatte noch Schulprüfungen im April, und in den Osterferien war mein erstes Shooting in New Orleans. Deshalb habe ich heute noch eine Schwäche für diese Stadt.

KM Oh Gott, sie haben dich für dein erstes Shooting nach New Orleans geschickt.

NC Ja, dann ging es weiter nach Mississippi, Pensacola und Alabama, durch den tiefen Süden also. Ich lief da als schwarzes Mädchen mit meinem Akzent durch die Gegend. Ich habe überall angehalten, um Postkarten für meine Oma zu kaufen. Ich wollte ihr immer schreiben, wo ich gerade bin. Meine Mutter hat sich Sorgen gemacht. Aber Lucinda Chambers, die erste Redakteurin, mit der ich gearbeitet habe, hat ihr versichert, dass sie auf mich aufpasst.

KM Lucinda kümmert sich sehr gut. Wie hat sich das Modegeschäft seitdem verändert? Hat es sich verbessert oder verschlechtert?

NC Ich komme aus der englischen Modewelt. Deswegen hatte ich bis dahin nie irgendetwas Rassistisches gehört. Ich bin sehr offen erzogen worden, um mich herum wurden alle möglichen Sprachen gesprochen. Ich war schockiert, als ich das erste Mal nach Amerika kam und all diese Sachen gehört habe.

KM Als ich das erste Mal in New York war, dachte ich: Wovon reden die hier alle? Ich habe das einfach nicht verstanden. Das war komisch. Wenn man in Süd-London aufgewachsen ist, war man daran gewöhnt, von Leuten unterschiedlichster Herkunft umgeben zu sein.

NC Ja, da wo wir herkommen, gab es so etwas nicht. Ich habe versucht, dem treu zu bleiben. Und du kennst mich (lacht). Ich akzeptiere kein Nein.

KM Das bringt mich zu meiner nächsten Frage. Du warst definitiv eines der ersten Supermodels und außerdem das erste Model, das dagegen angekämpft hat, dass ausschließlich weiße Models auf den Titelseiten waren. Hat sich das wie ein Kampf angefühlt? Kämpfst du immer noch für Gleichberechtigung in der Mode?

NC Ich würde vielleicht nicht das Wort Kampf benutzen. Aber es hat sich wirklich angefühlt, als müsste man einen hohen Berg bezwingen. Ich würde es trotzdem nicht kämpfen nennen. Ich habe einfach getan, was ich für notwendig hielt. Und ich wollte Aufmerksamkeit für uns Schwarze schaffen.

KM Damit das Thema nicht in Vergessenheit gerät.

NC Ja, aber geht es nicht trotzdem so weiter? Ich denke schon. Erst gestern habe ich schon wieder von einer unfassbaren Geschichte gehört. Es ist vollkommen egal, ob du auf der Vogue warst oder ob du etabliert bist, man erteilt dir trotzdem eine Abfuhr. Wegen deiner Hautfarbe. Das ist doch schockierend. Man denkt, man hat einen gewissen Punkt in seiner Karriere erreicht, an dem einen das nicht mehr passiert, aber das ist nicht so.

KM Du warst auf einer Ballettschule, oder?

NC Ja, genau.

KM Wünschst du dir manchmal, du wärst eine Ballerina geworden?

NC Ich hatte große Angst davor, wieder Ballettstunden zu nehmen, nachdem ich das so viele Jahre nicht gemacht habe. Vor zwei Jahren war ich bei Oprah Winfrey, und wir haben in Russland gedreht. Ich habe am Ballettunterricht des Bolschoi-Balletts teilgenommen, in einer fortgeschrittenen Klasse. Ich hatte so große Angst, dass ich mich plötzlich an keinen Schritt mehr erinnern konnte. Ich habe gedacht: Ich kann da nicht mitmachen, auf gar keinen Fall. Aber dann habe ich es doch getan, und ich konnte auch mithalten. Als ich rauskam, musste ich erst mal anfangen zu weinen. Ich weiß nicht, ob das Tränen der Erleichterung waren oder ob es einfach nur die Angst war, dass ich das nie wieder erleben könnte. Es hat mir wirklich sehr viel Spaß gemacht.

KMWow, das klingt wirklich schön.

NC Alles daran war toll, der Geruch in diesem Raum, der Geruch der Ballettschuhe. Einfach alles. All die Dinge, die mir von früher so vertraut waren, kamen plötzlich wieder. Das war eine sehr schöne Erfahrung.

KM Oh, das hätte ich gerne gesehen. Kann man sich das noch anschauen?

NC Ich glaube, ich habe eine Aufnahme.

KM Die würde ich gerne sehen. Wir sind beide oft auf Reisen, aber in London fühle ich mich wirklich zu Hause. Wo siehst du dich? Glaubst du, dass du dich irgendwo richtig niederlassen wirst?

NC Vlad sagt immer, ich sei eine Zigeunerin. Besonders, weil ich immer mit so viel Kleidern unterwegs bin. Du kennst das, wir wissen ja nie genau, wo wir als Nächstes landen.

KM Aber du hast Wohnsitze sowohl in London als auch in New York.

NC Ja, und ich wohne an beiden Küsten. Ich wechsle ab. Ein bisschen Zeit verbringe ich in London, ein bisschen in New York, ein bisschen in Miami, ein bisschen in Moskau. Es war aber sehr schön, dass ich gerade sechs Wochen am Stück in New York verbringen konnte. Es war allerdings auch ein wenig seltsam, so lange nicht fliegen zu müssen.

KM Wuselst du manchmal einfach nur so vor dich hin? Ich habe nämlich ständig das Gefühl, dass ich mich immer mit allem beeile und mir selten Zeit für etwas nehme.

NC Bei mir ist das auch so, aber manchmal versuche ich, es anders zu machen. Wenn wir von einer längeren Reise zurückkommen, sage ich mir schon mal: Heute bleibe ich zu Hause, schaue mir meine geliebten iTunes-Fernsehsendungen an und mache ansonsten gar nichts.

KM Ich will diese Sendung sehen, von der du erzählt hast. Was für eine ist das?

NC Once Upon a Time, die ist großartig. Früher hatte ich immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich mal einen Tag lang gar nichts gemacht habe, aber heute ist das nicht mehr so. Wenn ich mal einen Tag Pause brauche, dann nehme ich mir den auch. Dann gehe ich nicht mal ans Telefon.

KM Ich habe gelesen, dass du deinen ersten Auftritt in einem Bob-Marley-Video hattest.

NC Yeah.

KM Wie alt warst du?

NC Ich glaube, ich war sieben.

KM Oh Gott, wie kam es dazu?

NC Die kamen an meine Schule, die Barbara Speake Stage School. Sie haben meine ganze Klasse engagiert, so kam das. Die Schule wurde von Barbara Speake und der Mutter von Phil Collins geleitet. Sie ist vor Kurzem verstorben. Ich habe immer noch Kontakt zu meinen Schulfreundinnen, zu sechs von ihnen jedenfalls. Ich bin gerne mit ihnen zusammen. Wir treffen uns manchmal in London zum Mittagessen. Es ist mir wichtig, mir Zeit dafür zu nehmen. Wir schwelgen immer in Erinnerungen an früher. Na ja, es war jedenfalls ziemlich aufregend, in einem Bob-Marley-Video mitzuspielen.

KM Wusstest du, wer er ist?

NC Ja, in unserem jamaikanischen Haushalt war Bob Marley ziemlich präsent. Am Wochenende lief immer Reggae. Aber dann vor ihm zu stehen war natürlich etwas ganz anderes. Er war ein sehr gut aussehender Mann. Ich erinnere mich allerdings, dass ich angefangen habe zu heulen, als ich seine Dreadlocks sah, weil ich dachte, es wären Würmer. Aber er war sehr freundlich. Und es hat natürlich Spaß gemacht, nicht in die Schule gehen zu müssen und stattdessen in einem Videoclip mitzuspielen, in dem eine Party für Bob Marley gefeiert wird.

KM Wow. Um diese Erfahrung beneide ich dich. Du hast mit allen wichtigen Fotografen und Designern der vergangenen 15 bis 20 Jahre zusammengearbeitet. Gibt es ein Shooting, das heraussticht?

NC Nur ein einzelnes zu nennen ist schwer. Die Aufnahmen, die wir alle gemeinsam gemacht haben, waren immer Höhepunkte, so wie die für den Vogue-Titel.

KM Die Aufnahmen mit Avedon waren auch etwas Besonderes.

NC Das sind ganz tolle Erinnerungen. Wir haben es geliebt, alle zusammen zu sein, auch wenn man uns das nicht glauben wollte. Wahrscheinlich gefällt den Leuten der Gedanke, dass wir uns alle hassen würden, nach wie vor besser. Aber es stimmt nicht. Wir haben uns umeinander gekümmert. Ich denke wirklich gerne an diese Aufnahmen zurück.

KM Wir hatten immer viel zu lachen.

NC Oh ja.

 

KM Wohltätigkeitsarbeit spielt heute eine große Rolle in deinem Leben. Was sind deine wichtigsten Projekte?

NC 2005 habe ich mit Fashion for Relief angefangen. Die Gesundheit von Müttern und Kindern ist ein wichtiges Thema. Ebenso wird Aids immer eines sein und auch Krebs. Mehrere meiner Familienmitglieder waren schon davon betroffen. Ebenso Brustkrebs. Wir hatten viel Glück in unserem Leben, und ich finde wirklich, Mr. Mandela ist eine große Inspirationsquelle, wenn er sagt: „Hilf anderen mit dem, was du bist.“ Als er mir das gesagt hat, habe ich nicht verstanden, wovon er gesprochen hat. Wie mache ich das? Aber irgendwie findet man seinen Weg.

KM Ja, du hast ihn wirklich gefunden. Du bist unglaublich. Zurück zur Mode! Hast du irgendwelche besonderen Vintage Stücke?

NC Ich habe viele Teile aus den 30er-Jahren.

KM Ach ja?

NC Ja, sie sind in meinem Lager.

KM Kramst du sie für die Party wieder aus?

NC Die Sachen sind alle in New York. Es ist eine ziemlich gute Sammlung, denn ich habe nie irgendetwas davon weggegeben. Yves Saint Laurent, Versace, Alaïa, Jean Paul Gaultier, Thierry Mugler, Chanel. Ich habe alles noch.

KM Wow.

NC Helmut Lang auch. Und die frühen Sachen von Dolce & Gabbana.

KM Ich habe so viel verloren. Ich weiß nicht, wo die Sachen alle geblieben sind.

NC: Ich habe eine gute Firma ausfindig gemacht, die das alles dokumentiert.

KM Oh, ich habe auch so eine.

NC Ach wirklich?

KM Ja, ich sag dir ihren Namen. Die Frau ist gut. Du wurdest sie mögen. Naomi, du hast auch schon öfter geschauspielert, was reizt dich daran?

NC Als Models schauspielern wir ja auch, nur eben ohne zu sprechen. Das ist also einfach der nächste logische Schritt. Wenn ich an ein Set komme, höre ich auf, Naomi zu sein. Ich werde zu dem, was auch immer der Fotograf sich vorstellt.

KM Ich finde, es macht einen großen Unterschied, ob sich die Kamera bewegt oder nicht. Wenn ich vor einer beweglichen Kamera stehe, werde ich immer total nervös. Aber das ist wahrscheinlich Übungssache.

NC Bei den Dreharbeiten zu The Face, meiner Reality-TV-Serie, habe ich die Kameras irgendwann einfach vergessen. Da wollte ich auch nicht schauspielern, sondern einfach ich selbst sein. In Spike Lees Film Girl 6 habe ich eine Telefonsex-Arbeiterin gespielt. Es hat Spaß gemacht, in eine andere Rolle zu schlüpfen und sich weiterzuentwickeln.

KM Es macht eben auch Spaß.

NC Brian Grazer hat uns gesagt, modeln sei wie schauspielern, nur ohne zu sprechen. Das ist fast noch schwieriger, weil man so jede Emotion nur über Mimik und Gestik ausdrücken kann.

KM Ja, und man muss sich richtig reinfühlen, sonst wirkt man unglaubwürdig.

NC Ganz genau. Weil wir das können, stehen wir heute immer noch hier.

KM Welcher ist dein Lieblingsfilm?

NC Die Frauen gefällt mir sehr, also das Originaln von George Cukor. Ich liebe Martin Scorsese, The King of Comedy und Taxi Driver. Ich mag es einfach, wenn Filme etwas bedeuten, wenn sie etwas Wahres zeigen. Und ich liebe gute Schauspielerei. Am besten gefallen mir komplizierte Charaktere, die einem richtig etwas abverlangen.

KM Ja! Stehst du auch auf trashige Sachen?

NC Ja, ich schaue gerne Realityformate wie The Real Housewives – manchmal tut es gut, einfach abzuschalten. Dazu stehe ich. Wir haben doch alle ab und zu Lust auf Klatsch und Tratsch. American Idol oder X Factor schaue ich zum Beispiel gerne. Ich mag Sendungen, in denen Menschen eine Chance bekommen. Deswegen habe ich auch meine Show gemacht. Ich bin niemand, der eine Show über sein eigenes Leben machen würde. Ich glaube auch nicht, dass das funktionieren kann, am Ende kommt meistens etwas sehr Ordinäres dabei raus. Ich wollte eine Sendung machen, bei der ich anderen mit meiner Erfahrung helfen und quasi ihr Mentor sein kann. Alle anderen Angebote habe ich immer abgelehnt.

KM Ich kann es kaum erwarten, deine Sendung zu sehen. Wir müssen sie zusammen anschauen, wenn sie das erste Mal ausgestrahlt wird!

NC Ich weiß noch gar nicht, wo ich sein werde, wenn sie gezeigt wird. Aber wenn ich in England bin, machen wir das auf jeden Fall!

KM Das wäre so toll! Schau mal, Wagon. Hier sind ein paar Fotos von uns. Wir haben schon einige wunderbare Reisen zusammen unternommen. Das Bild hier wurde in Südfrankreich aufgenommen.

NC Das sind wir beide mit Wasserpistolen. Das war, als wir uns entschlossen hatten …

KM … unsere Eltern mitzunehmen.

NC (lacht) Wir haben ein Haus gemietet und sind mit unseren Eltern hingefahren.

KM Wir waren so liebe Mädchen.

NC Wir haben sie nach Monaco in den Sport Club geschickt, damit sie Joe Cocker sehen können.

 

KM Du stehst Nelson Mandela sehr nahe, mittlerweile bist du seine Patentochter. Nicht schlecht! Wann hast du ihn zum ersten Mal getroffen? Wie würdest du eure Beziehung beschreiben?

NC Ich kann immer noch nicht fassen, dass ich ihn tatsächlich kennenlernen durfte!

KM Seine Aura! Unbeschreiblich.

NC Ja, das stimmt. Er strahlt geradezu.

KM Ich habe noch nie jemanden getroffen, der so eine Energie hat.

NC Als ich bei ihm war, habe ich jeden Tag etwas gelernt. Es hat mich dazu gebracht, innezuhalten und nachzudenken. Ich habe eine Menge Veränderungen in meinem Leben durchgemacht, öffentlich und privat. Er hat mir klargemacht, dass es nichts in meinem Leben gibt, für das ich nicht dankbar sein sollte. Dass ich sehr gesegnet bin. Ich meine, wie wäre das, wenn uns jemand 27 Jahre unseres Lebens weggenommen hätte? Er kam lächelnd da raus – und lächelt immer noch.

 

KM Erinnerst du dich eigentlich an unser erstes gemeinsames Shooting?

NC Ich glaube, für i-D mit Steven Klein.

KM Ah ja, ich glaube, du hast recht. Ich sollte mir die Bilder mal besorgen.

NC Da habe ich auch zum ersten Mal mit Pat McGrath gearbeitet.

KM Kennst du dieses Bild von mir mit dem Teddybären in Vivienne-Westwood-Schuhen?

NC Ja!

KM Sie hat es aufgenommen!:

NC Mit Corinne Day?

KM Nein, Kate Garner.

NC Kate Garner mit Dreadlocks.

KM Ich habe sie gesehen, es sah komisch aus.

NC Hast du die Fotos?

KM Ich bin nicht sicher. Es war jedenfalls sehr merkwürdig. Jamie und ich sind zusammen die Straße runtergelaufen, und ich sah ihre Stiefel und dachte: Oh, die ist aber wirklich cool. Sie hatte ihre Tochter dabei, die ist ungefähr 17. Sie hat mich angesprochen: „Kate, hiiii!“ Ich habe sie erkannt, aber ich hatte sie seit 20 Jahren nicht mehr gesehen.

NC War sie nicht in dieser Pop-Band, Haysi Fantayzee?

KM Jamie meinte nur: „Oh mein Gott, ist das etwa Kate Garner? Ich war so verknallt in sie.“

NC Sie war so hübsch.

KM Sehr hübsch, ja. Eine Frage noch: Welches Lied hörst du zurzeit am liebsten?

NC Kid Creole & The Coconuts (lacht).

KM Welcher Titel?

NC Annie, I’m Not Your Daddy.

KM Das kenne ich nicht. Bitte, spiel es mir vor.

NC Es ist super! Vor Kurzem war ich auf der Hochzeit meiner Freundin Farida in Paris. Als das Lied gespielt wurde, sind alle aufgesprungen und haben angefangen zu tanzen: Azzedine, Christian … Einfach zu gut! Seitdem höre ich das wieder öfter. Aber auch viel von Etta James, sie beruhigt mich. Es ist so traurig, dass Etta gestorben ist. Wir haben so viele tolle Sängerinnen verloren in letzter Zeit: Donna Summer, Whitney Houston, Etta James.

KM Ich höre mir jetzt dieses Lied an.

NC Ich danke dir, Kate! Ich liebe dich, Wagon, ich hatte so einen schönen Tag mit dir!

KM Ich liebe dich auch! Vielen Dank!

 

Photography MERT ALAS & MARCUS PIGGOTT
Styling PATTI WILSON

Hair CHRISTIAAN
Make-Up LUCIA PIERONI
Set-Design JACKI CASTELL