HAPPY BIRTHDAY HANNE!

Sie ist die coolste aus der Riege der Topmodels, Coverstar unseres Pride-Zines 2020, und sie outete sich vor drei Jahren als intersexuell. Ihrer Karriere tat das keinen Abbruch, im Gegenteil: Heute engagiert sie sich als Aktivistin unter anderem gegen medizinische Eingriffe bei intersexuellen Kindern.
Casey Cadwallader ist Chefdesigner und der kreative Kopf hinter dem Luxusunternehmen Mugler. Sein Laufsteg divers und progressiv. Für uns treffen sie sich aus ihren Wohnungen in Paris beziehungsweise New York heraus vor Kamera und sprechen über Pride, LGBTQI+, intersex Aktivismus, Corona, Lockdown, Black Lives Matter und die Zukunft unserer Gesellschaft.

HANNE GABY ODIELE Hey Casey, wie läufts?

CASEY CADWALLADER Alles gut soweit, und bei dir?

HGB Bist du in Paris?

CC Ja. Wo bist du?

HGB Ich bin in New York, Brooklyn.

CC Wo genau lebst du in Brooklyn?

HGB In Williamsburg, in East-Williamsburg, um genau zu sein.

CC Oh tatsächlich? Da habe ich vor langer Zeit auch gelebt… Wer ist der Süße?

Ein kleiner schwarzer Hund hüpft auf Hannes Schoß.

HGB Das ist Ozzie, mein Hund. Er hat den ganzen Tag geschlafen und jetzt bellt er.

CC Putzig… Sag an, wie geht es dir?

HGB Ich bin okay, aber wir leben in harten Zeiten, dieser Tage.

CC Definitiv. Jeden Morgen, wenn ich die New York Times aufschlage, denke ich das.

HGB Ja, oder auf Social Media, alles ist uff… aber hoffentlich für eine bessere Zukunft, irgendwann.

CC Ich glaube, dass es das ist, was harte Zeiten tun, sie zwingen uns sich mit etwas zu beschäftigen, was getan werden muss. Das kann schmerzhaft sein, ist aber nötig für die Entwicklung. Verbesserung passiert nie einfach so, man muss für sie kämpfen. Aber sag mal, wie ist es auf den Straßen New Yorks momentan, ist es nicht seltsam?

HGB Eigentlich ist die Atmosphäre ziemlich gut. Es wird viel protestiert. Wenn du um die Blocks läufst, dann siehst du, dass etwas passiert. Das gefällt mir. Es fühlt sich an wie ein New York, wie es früher einmal war.

CC Das klingt doch gut. Ich meine, als ich New York vor fast fünf Jahren verlassen habe, war es relativ langweilig. Aber es ist echt komisch, wenn man bedenkt, dass da immer dieses Gefühl unter der Oberfläche brodelte, dass etwas falsch läuft, aber niemand hat darüber gesprochen. Alle haben das Thema Race ignoriert. Endlich bekommt die Oberfläche Risse, die Leute beginnen sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Es ist echt hart, so weit weg zu sein – wir hatten hier in Paris zwar auch ein paar Proteste, aber das ist nicht dasselbe wie in den Staaten, denke ich.

HGB Das ist aber ein globales Phänomen. Das ist nicht nur lokal, es ist überall.

CC Sicherlich. Deswegen bin ich froh darüber, dass auch Leute in Berlin, London und Paris auf die Straßen gehen. Im Grunde gibt es dieselben Probleme auch hier, die gleiche Polizeigewalt und Racial Profiling. Wir müssen alle an einem Strang ziehen, damit es besser wird. Aber lass uns mit dem Interview starten (lacht): Die erste Frage die ich an dich habe: Wie ist das Eheleben?

HGB Das Eheleben ist gut. Die Quarant.ne war nicht immer einfach. Ständig im selben Raum zu sein, ist nicht so leicht. Unsere Wohnung ist im Grunde nur ein großer Raum, man sitzt aufeinander. Aber wir haben überlebt (lacht).

CC Das ist gut. Ich habe das ähnlich erlebt. Normalerweise ist das Studio meines Mannes auswärts, 30 Minuten entfernt. Er blieb aber mit mir zuhause, als ich in Quarantäne war. Er hat dann im hinteren Teil des Hauses gearbeitet und ich im vorderen, wir haben uns also einige Zeit nicht gesehen. Zum Mittagessen haben wir uns dann wieder getroffen. So haben wir überlebt, denke ich.

HGB Für mich war neu, dass ich meinen Tag selbst ordnen musste. Ich habe versucht, mich zu beschäftigen, den Alltag zu strukturieren. Ein paar Zoom-Shootings, oder etwas über FaceTime, wie für dieses Projekt. Dann habe ich ein bisschen aktivistisch gearbeitet, aber da war auch viel Rumhängen dabei (lacht).

CC Ich nehme an, dass das für dich die längste Zeit ohne Reisen war.

HGB Ja, das denke ich auch. Wir waren für einen Monat außerhalb New Yorks, zwar nur Upstate New York, aber das war herrlich und ziemlich hart zurück zu kommen…

CC Das war auch für mich total verrückt. Ich habe meine Nachbarschaft nie verlassen, und es ist nicht besonders grün hier. Vor ein paar Wochen dann musste ich nach Südfrankreich, die Schönheit da draußen, die war echt überwältigend.

HGB Was bedeutet Pride für dich?

CC Ich würde sagen, Pride bedeutet für mich, dass man in der Lage ist sich vollumfänglich auszudrücken und stolz darauf zu sein, eine Individualit.t zu leben und dafür unterstützt zu werden. Was würdest du sagen?

HGB Für mich ist das ähnlich. Aber auch, dass ich die Scham und all die Dramen überwinden kann, die ich als intersex Person hatte. Es bedeutet auch, verletzlich zu sein und durch die Verletzlichkeit die Perspektive anderer Menschen verändern zu können. Eines Tages wird das dann hoffentlich von einer Mutter eines intersex Kindes oder von einem Arzt gehört, und sie beginnen, die Operation zu hinterfragen. Wenn eines Tages eine Person zu mir kommt und sagt: „Danke, dass Sie ihre Geschichte erzählt haben, Sie haben mein Kind gerettet,“ dann bedeutet das Pride für mich.

CC Das ist es, für etwas aufzustehen. Zu zeigen, was man ist, zu zeigen, dass man intersex ist und eine Geschichte zu erzählen hat. Und durch das Erzählen deiner Geschichte bist du in der Lage, das Leben anderer tatsächlich zu verändern. Pride kommt immer auch in Zusammenhang mit einem Stigma, mit welchem du behaftet warst. Etwas, was du für lange Zeit verheimlich hast. Ich habe nicht erzählt, dass ich schwul bin, bis ich vielleicht 18 war. Mir wurde kulturell beigebracht, nicht darüber zu sprechen, wegen der Kommentare anderer Leuten darüber, was sie für schwul erachten. Wenn du dann den Punkt in deinem Leben erreichst, in welchem du selbstbewusst genug bist zu sprechen, dich selbst öffentlich zu machen, dann verdienst du wenigstens den Stolz. Als du dein Outing hattest, war ich stolz auf dich. Es hat mich wirklich schockiert, wie viele Menschen intersex sind und die Tatsache, dass trotzdem so wenig über dieses Thema gesprochen wird. Ich musste an die vielen Menschen denken, die das geheim halten, weil ihnen die Gesellschaft das Gefühl gibt, dass sie nicht darüber sprechen können. Deswegen war deine Entscheidung, dich zu outen und Initiative zu ergreifen, ein so unglaublich toller Schritt, er wird einen Unterschied machen. Hat sich für dich eigentlich was verändert nach deinem Outing?

HGB Für mich hat sich sehr viel verändert, hauptsächlich der Blick auf mich selbst. Ich sehe mich nicht mehr im binären System: männlich – weiblich. Ich meine, mein Körper war immer, bzw. mein Körper wurde immer als traditionell weiblich aufgefasst, aber das sehe ich nicht mehr. Das ist ein großer Durchbruch. Die Binarität hinter sich zu lassen. Die Rechte von intersex Personen können sich nicht verbessern, wenn sich die Gesellschaft weiterhin an die binären Standards klammert. Die Gesellschaft als Ganzes kommt nicht weiter, und selbst Schönheitsideale bleiben limitiert.

CC Ich glaube, dass die Leute immer mehr verstehen, dass die Vorstellung von binären Geschlechterrollen ziemlich langweilig ist, sie lassen für alle Menschen nur einen bestimmten Teil von Emotionen oder Ausdrucksmöglichkeiten zu. Ich selbst beginne immer mehr, die Frau in mir wertzuschätzen. Als ich jung war, war weibliches Verhalten immer etwas, weswegen ich aufgezogen oder ausgelacht wurde. Aber am Ende sind diese Aspekte meiner selbst wahrscheinlich die besten Aspekte, etwas, was nur zum Vorschein kommt, wenn ich mich wirklich wohl fühle. Wenn ich heute Männer sehe, die extra männlich spielen, weil das von ihnen erwartet wird, dann sehe ich das Toxische daran, ich sehe wie falsch das ist. Die meisten Leute sind immer noch nicht frei, sich zwischen den Vorstellungen von männlich oder weiblich auszudrücken.

HGB Es ist aber auch nicht unbedingt ein Dazwischen. Das ist keine Skala, es ist einfach ein… Es ist ein großes Ganzes. Es ist ein Hinter-sich-lassen, wenn du das alles hinter dir lässt, dann bedeutet das so viel weniger Stress. Ziemlich schwierig zu erklären (lacht).

CC Ja. Es ist mehrdimensional. Ich finde das wirklich sehr interessant, weil ich selbst viel zu einfach darüber gedacht habe, aber es geht so viel tiefer.

HGB Um auf deine Frage zurückzukommen: äußerlich hat sich für mich nicht so viel verändert, aber meine innere Veränderung, also die Akzeptanz das Beschriebene hinter mir zu lassen, hat vieles einfacher gemacht. Als ich angefangen habe als Model zu arbeiten, beziehungsweise eigentlich auch als Kind schon, wurde mir immer gesagt: „So und so bist du eine Frau.“ Das abzulegen, ist sehr befreiend.

CC Ja, das bedeutet Befreiung! Hattest du eigentlich Momente nach deinem Outing, dass du von Angesicht zu Angesicht Veränderungen erlebt hast, die du zum Beispiel bei Familien mit einem intersex Kind ausgelöst hast?

HGB Viele, sehr viele. Manchmal ist es aber auch zu spät, und das ist dann nicht leicht für mich. Wenn mir Eltern schreiben: „Ich wünschte, ich hätte früher etwas über dich gelesen, weil jetzt ist es zu spät.“ Das ist nicht leicht zu schlucken. Aber es gibt auch viele großartige Geschichten. Ich bin im Kontakt mit so vielen tollen jungen intersex Leuten, die es geschafft haben, sie selbst zu sein und ihre eigenen Geschichten zu schreiben. Es ist toll zu sehen, wie diese jungen Leute sie selbst sein können, ohne Operationen.

CC Viele intersex Kinder hatten ihre Operationen, als sie sehr jung waren, richtig? Sie hatten also nie die Möglichkeit, mit anderen Leuten in Kontakt zu kommen, sie werden von den Ärzten und Eltern kontrolliert.

HGB Von den Ärzten! Meine Eltern wussten nicht einmal, was intersex bedeutet, bis ich es ihnen gesagt habe. Die Gesellschaft hat kein Interesse daran, dass wir unsere Geschichte kennen, es ist viel leichter uns zu akzeptieren, wenn keine Fragen gestellt werden. Aber ab einem gewissen Punkt stellen wir Fragen!

CC Fragen, auf die du Antworten verdienst. Das ist sicher! Was sind deine Pride-Parade Erlebnisse?

HGB Normalerweise bin ich während des Pride-Months in Paris für die Couture-Woche, deswegen sind viele meiner Erlebnisse in Paris entstanden. Ich treffe eigentlich immer die gleiche kleine Gruppe von Pariser interesex Leuten. Ich sehe sie in der Menge, gehe zu ihnen, wir umarmen uns und verabschieden uns wieder. Das ist alles (lacht). Ich war natürlich auch schon einige Male in New York, aber hier ist das viel kommerzieller, mit den ganzen Broschüren und so weiter. Es ist wie ein großes, verrücktes, kommerzielles Festival. Dieses Jahr war das allerdings anders, es gab einige tolle Aktionen in New York. Ich habe an ein paar Fahrradtouren mit Bushwig, also Wig wie die Perücke, teilgenommen. Die haben mit Black Lives Matter für Schwarze trans Frauen kooperiert. Es gab einige Drag- Performances mit tollen Geschichten. Gestern war ich auf der Queer-Liberation-Parade, das 51. Jubiläum nach Stonewall. Die Demonstration war sehr friedlich, aber mittendrin wurde sie von der Polizei gestört. Am selben Tag noch posteten sowohl der Buürgermeister als auch die Polizei ihre Unterstützung für die Pride auf ihren Social-Media-Kanälen, und nur einige Zeit später schlagen sie auf Demonstranten ein und sprühen ihnen Pfefferspray ins Gesicht…

CC Das ist verrückt. Denkst du die haben das gemacht, weil die Stimmung momentan so gereizt ist? Also, dass die Polizei momentan generell in diesem Modus ist?

HGB Ja, und wahrscheinlich auch, weil dieses Jahr nicht so viele Firmeninteressen vertreten sind. Es gab keine Unternehmen, welche den Umzug in irgendeiner Weise gesponsert haben, wie letztes Jahr die Bank of America zum Beispiel.

CC Meine erste Pride war auch in New York, ich habe gerade begonnen in Cornell zu studieren. Wir sind extra für den Umzug über das Wochenende in die Stadt gefahren, und ich erinnere mich noch gut daran, wie überwältigt ich war. Ich war erst 19 oder so, und ich glaube, ich habe alles erst Jahre später verstanden. Damals war die ganze Veranstaltung noch ziemlich wild. Ich fühlte mich weggefegt von dem Gefühl, ein Teil von dieser riesigen, diversen Community zu sein. Eine andere Pride, an die ich mich sehr gut erinnern kann, war in Madrid. Auf der Gran Via war ein ganzes Hotel von Bears ausgebucht worden und alle drückten gleichzeitig ihre nackten Pobacken durch die Balkongeländer – das war ein großartiger Anblick (lacht). Und dann war ich jetzt natürlich auch schon einige Male in Paris. Und ja, du hast recht, es fühlt sich hier anders an als in New York. In Paris ist es weniger offiziell, es geht mehr um die Leute und nicht um irgendwelche Modemarken mit Wagen, DJs und T-Shirts, die aus Kanonen in die Menge geschossen werden. In Berlin war ich noch nie, das muss ich wirklich noch nachholen. Warst du jemals in Berlin?

HGB Nein, auch nicht. Wie gesagt, meistens bin ich eingespannt, um für die Couture zu laufen. Und auch die meisten meiner New York-Erfahrungen waren vor meinem Outing. Das war schon anders, da ging es mehr um die Party. Nachdem ich mich geoutet hatte, habe ich immer nach Leuten Ausschau gehalten, die irgendwas mit inter zu tun haben, Flaggen oder so, und es wurde mehr zu einem: „Okay, jetzt bin ich ein Teil davon.“

CC Was fällt dir zum Thema Mode und Pride ein?

HGB Die Modebranche war immer sehr offen für die queere Community, und ich glaube, dass mir das sehr geholfen hat. Mein Job hat mir geholfen, mich selbst so zu akzeptieren, wie ich bin, was definitiv auch meinem Outing geholfen hat. Aber nichtsdestotrotz gibt es immer noch Transphobie und die Branche hatte in der Vergangenheit Probleme mit Leuten, die nicht „konform“ sind. Es scheint aber, dass das immer akzeptierter wird, es gibt Laufstege, und deiner ist ein tolles Beispiel dafür, auf welchen große Fortschritte zu sehen sind.

CC Ja! Wir müssen das machen, was uns am Herzen liegt. Mein ganzes Leben war ich auf Laufsteg-Castings, wo ein Mädchen rein lief, man schaute sie sich an und sagte: „Nein, zu dick“, oder man sprach nicht einmal mit ihr. Als ich zu Mugler kam, sagte ich mir, dass ich das nicht auf diese Weise tun möchte, ich wollte mit allen sprechen. Alle dachten, ich sei verrückt geworden, als ich mich bei meinem ersten Casting mit jedem Model hinsetzte, um mich erst einmal mit ihnen zu unterhalten, bevor sie laufen sollten. Viele waren ja noch nicht einmal Models, ich wollte also wissen, was Sache ist. Das Casting dauerte ewig, aber im Grunde sehe ich es als das, was ein Modedesigner macht. Du suchst dir die Leute aus, die deine Welt repräsentieren, also möchte ich auch wissen, wer diese Leute sind. Ich will, dass sie die Mugler-Familie werden. Ich will nicht einfach nur entscheiden, ob jemand schön ist oder nicht. Es gibt so viele Ebenen von Schönheit, da geht es nicht nur um Aussehen, da geht es auch darum, was in einem ist, um die persönliche Geschichte. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass das meine Arbeit so viel schöner gemacht hat.

HGB Ich denke, dass man das auch sieht. Sie ist interessanter, bei allen anderen ist es am Ende immer das gleiche. Dabei hat Mode eigentlich einen ziemlich großen Einfluss.

CC Mit Sicherheit. Auch wenn es darum geht, Schönheitsideale oder den Ausdruck von Geschlecht zu verändern. Das alles kann mit Mode in Verbindung gebracht werden.

HGB Es geht um Sichtbarkeit. Zum Beispiel von intersex Leuten, wenn du nichts darüber weißt, wie willst du dann Leute aus deiner Community finden? Ich hatte keine Community, bis ich herausfand, was ich bin. Deswegen ist es so wichtig, dass du dich repräsentiert siehst, ob in der Popkultur, den Medien oder eben der Mode.

CC Sichtbarkeit ist so wichtig. Ich habe gelesen, dass 1,7 Prozent der Menschen inter sind. Und kein Mensch spricht darüber, das ist echt verrückt.

HGB Ja, 1,7 Prozent, genauso viel wie Rothaarige, Menschen mit grünen Augen oder Zwillinge.

CC Das ist überwältigend, dass so viele Menschen unterrepräsentiert sind. Es ist einfach verrückt, an die Idee zu denken, das alles versteckt zu halten, darüber nicht zu sprechen. Unglaublich.

HGB Es gibt ein Zitat von Marsha B. Johnson, welches ich da gerne hinzufügen würde: „You never completely have your rights, one person, until you all have your rights.” (Eine Person hat nie alle ihre Rechte, bis nicht alle Personen ihre Rechte haben). Ich glaube das bringt es auf den Punkt, wir müssen sichtbar sein und wir müssen Verbündete füreinander sein, dann schaffen wie die queere Befreiung.

CC Vollkommen richtig. Das ist der einzige Weg zum Erfolg. Wie geht es denn dem intersex Aktivismus, wie weit ist er und was muss noch getan werden, um die Bewegung zu stärken?

HGB Die intersex Operationen sind immer noch in allen Ländern möglich, außer in Malta, eine winzig kleine Insel (lacht). Letztes Jahr gab es einen Gesetzes-Entwurf in Kalifornien, aber der fiel durch. Wir haben einiges geschafft in den letzten drei Jahren, was Sichtbarkeit und die Bildung einer Gemeinschaft angeht, aber es gibt immer noch unendlich viel zu tun. Diese ganzen Chirurgen haben die höchsten Positionen in den Krankenhäusern und Universitäten und sie haben kein Interesse daran, ihr Vermächtnis aufzugeben. Es ist ein langer Weg.

CC Was sind deine Träume für die Zukunft?

HGB Ich habe viele Träume. Das dieser dumme Virus überwunden wird, weiße Vorherrschaft ein Ende findet, das Ende von intersex Operationen, das Ende vom Kapitalismus.

CC Gut gesagt. Und ich denke, dass die letzten Monate uns viel über die menschliche Natur beziehungsweise Menschlichkeit gezeigt haben…

HGB Und wie fragil das System ist, in welchem wir leben. Es ist nicht zu fassen, dass das System nicht in der Lage ist, auf bestimmte Situationen mit bestimmten Mitteln zu reagieren. Keine Ahnung…

CC Ich glaube, jetzt geht es darum, dass wir das System wieder menschlich machen. Es ist unglaublich, wie latente Probleme so lange ungelöst bleiben können. Probleme wie Rassismus und so weiter. Das brodelt unter der Oberfläche, und es wird so viel Arbeit bedeuten, diesen ganzen Bullshit abzutransportieren, die Leute darauf zu bringen, sich gegenseitig zu realisieren und zu respektieren. Es ist echt spannend, was der Lockdown bei vielen ausgelöst hat. Die Arbeit, die vor uns liegt, könnte spannend werden. Hoffe ich zumindest.

HGB Yeah!

CC Gibt es noch irgendetwas, was du sagen möchtest?

HGB Ich habe das Gefühl, dass ich sehr viel gesagt habe.

CC (lacht) Das haben wir sehr gut gemacht.

HGB Stimmt. Es war echt schön mit dir zu reden.

CC Mir hat es auch gefallen, wie sollten was unternehmen, wenn du wieder nach Paris darfst.

HGB Auf jeden Fall! Gib Bescheid, wenn du in New York bist.

CC Ich denke, wenn ich wollte, könnte ich morgen einreisen, aber wahrscheinlich w.re es dann nicht möglich zurück zu kommen (lacht).

HGB Du musst halt Maske tragen (lacht).

 

 

Photography GRANT JAMES-THOMAS
All Clothing MUGLER
Styling HANNE HABY ODIELE & GRANT JAMES-THOMAS

Big Thanks to KCD WORLDWIDE & MUGLER
Production and Casting ANDRE AUGUSTO at ARLAA STUDIO
Model HANNE GABY ODIELE at WOMENMANAGEMENTNY
Special Thanks to JOHN SWIATE, LORENZO RE, JEN MURPH, JON DEMSKE
Words TOBIAS LANGLEY HUNT