FELIPE PANTONE

Es gibt nicht viele, die das Gesicht des Graffiti Artist Felipe Pantone kennen. Er belässt dies auch liebend gerne so, da er so seine Kunst für sich selbst sprechen lassen kann.

Sein unverkennbarer, hypermoderner Stil ziert Hauswände in der ganzen Welt – geometrische, leuchtende Formen, die auch mit Referenzen wie QR-Codes gespickt sind und oftmals zackig fortlaufen, sind sein Markenzeichen. Er selbst spricht von ‘Hypermodernität’ und darüber, dass die Essenz unserer aktuellen Zeit darstellt, immer und überall sein zu können – gleichzeitig frei und miteinander verbunden.

Der in Argentinien geborene Künstler zog bereits im Kindesalter nach Spanien und nennt Valencia nach wie vor sein Zuhause. Hier lebt und arbeitet er an seiner Kunst, die mittlerweile den Sprung von Murals in Wohnräume und öffentliche Spaces geschafft hat.

Für seine Kollaboration mit Hennessy Very Special entwarf der gefeierte Graffiti Star ein neues Design der legendären Cognac Flasche. Wie bereits gefeierte Street-Art Künstler vor ihm – unter anderem Vhils oder JonOne – reihte er sich in die Riege der Hennessy Very Special Alumni ein.

Unter dem Motto – Remixing the Present – beschreibt er seinen Zugang zu zeitgenössischer Kunst, die von der Vergangenheit zehrt, jedoch durch einen transzendierenden, künstlerischen Prozess ins Jetzt geholt wird.

Interview hatte das Vergnügen Felipe Pantone in seiner Heimatstadt Valencia zu treffen und sich selbst ein Bild von seiner Kunst zu machen.

Julia Deutsch Wie würdest du deine Herangehensweise an Kunst beschreiben? Arbeitest du sehr konzeptionell oder startest du einfach und lässt den Rest auf dich zukommen?

Felipe Pantone Grundsätzlich weiß ich, was ich mitteilen will bzw. was meine Ideen sind. Darüber denke ich ständig nach. Meine Kunst ist abstrakt, deswegen sind meine Intentionen nicht sehr deutlich. Aber natürlich gibt es gewisse Themen, die ich ansprechen will. In abstrakter Kunst wird das durch bestimmte Elemente ermöglicht. Alle Elemente, die ich bei meiner Arbeit nutze, habe ich vorher sorgfältig ausgewählt. Also die Aussagen meiner Kunst sind nicht immer ganz klar, aber die Leute verstehen mehr oder weniger worum es geht.

JD Für deine Kollaboration mit Hennessy hast du die drei Sterne als Symbol genutzt. Gab es noch andere Dinge, die dich inspiriert haben?

FP Als ich angefangen habe für die Kollaboration zu arbeiten, bin ich nach Cognac gefahren und habe Einblicke in das Archiv von Hennessy bekommen. Ich habe Dinge rausgepickt, die Verbindungen zwischen mir und Hennessy darstellen. Das eine sind die drei Sterne und das andere ist das gesteppte Muster, das man auch auf der originalen Flasche sehen kann. Dieses hat große Ähnlichkeit mit den Mustern, die ich sonst verwende. Wir haben aber auch hochauflösende Fotos von Hennessy selbst gemacht – die Farbbereiche erweitert und so entstand dann in Folge der Farbverlauf, der zu sehen ist.

JD Ihr habt Fotos von der Flüssigkeit selbst gemacht?

FP Ja genau!

JD Du bist in Argentinien aufgewachsen und du hast mir bereits gesagt, dass du dich sowohl als Spanier als auch Argentinier fühlst. Denkst du deine Heimat beeinflusst dich, wenn du Farben auswählst oder generell Kunst erschaffst?

FP Ehrlich gesagt glaube ich, dass es nicht so ist. Ich fühle mich nicht so, als würde ich von einem bestimmten Ort kommen. Heutzutage ist alles so connectet. Ich weiß nicht, ich spreche oft mit Leuten aus der ganzen Welt. Ich denke nicht, dass Valencia oder irgendein anderer Ort meine Arbeit formt. Eher die Welt als Ganzes. Ich fühle mich mit allem Verbunden.

JD Mir ist aufgefallen, du benutzt sehr selten die Farbe grün in deinen Arbeiten. Warum ist das so?

FP Es kommt drauf an. Manchmal verwende ich schon grün, aber du hast Recht – eigentlich selten. Ich benutze ein bestimmtes Spektrum an Farben. Wird das Licht gebrochen, erhält man auf der einen Seite die warmen und auf der anderen die kalten Farben. Grün würde da sein, wo weiß ist. Wenn ich das Spektrum ab und zu mal erweitere, dann sieht man auch grün. Wenn es auf der Erde dunkel ist, die Sonne gerade aufgeht und man im Flugzeug sitzt, kann man auch diesen Farbverlauf betrachten. Und grün ist meistens nicht in Sicht, weil es auf der anderen Seite des Spektrums ist, wo weiß sein sollte. Aber wenn man das Licht weiter bricht…

JD …kommt es irgendwann zum Vorschein.

FP Ja, richtig. Ich finde, das ist ein großartiger Moment.

JD Klingt danach. Du zeigst nie dein Gesicht. Würdest du sagen deine Arbeit ist komplett ego-befreit?

FP Oh, das ist eine gute Frage. Ich denke nicht ganz, da mein Name ja immer da ist. Ich gebe mein Bestes, die Person aus der Arbeit rauszuhalten. Ich finde, die Arbeit sollte für sich sprechen. Ich versuche alles, damit es unabhängig ist. Die Leute sollen sich auf meine Werke konzentrieren und nicht auf mein Gesicht, da ich mir mit der Kunst viel mehr Mühe gebe, als mit meinem Gesicht.

JD Aber deine Frisur ist schon ein Markenzeichen von dir. Gibt es dazu eine Story?

FP Naja für meine Kunst brauche ich manchmal Klebeband und dann…

JD Haha, du scherzt oder?

FP Haha, ja. Ich reise sehr viel und so Dinge wie Friseurbesuche stehen da oft hinten an. Da habe ich mir gedacht, ich kann das auch selbst machen. Die Leute fotografieren mich immer von hinten. So können sie mich gut wiedererkennen.

JD Du hast auch noch ein spezielles Projekt, Configurable Art. Wie stehst du zu dem Konzept?

FP Das ist etwas, worüber ich sehr froh bin. Es ist ein lustiges Projekt. Ich möchte natürlich weiterhin Prints machen. Aber konfigurierbare Kunst ist eine große Herausforderung und es ist sehr kompliziert, aber es macht mich glücklich. Ich finde, es ist super zeitgemäß. Heutzutage kannst du alles individuell anpassen. Dein Auto, deine Schränke, Schuhe, etc. Warum sollte man das nicht auch auf die Kunst anwenden? Ich denke, das ist etwas, das möglich sein sollte. Außerdem ist es interresant andere Künstler mit ins Boot zu holen. Aktuell arbeiten wir mit Vhils zusammen. Er hat auch schon mit Hennessy zusammengearbeitet. Dass man als Künstler sein Ego verlieren kann und dem Zuschauer die Möglichkeit gibt, aktiv an deiner Arbeit teilzunehmen, inspiriert mich. Immer wenn ich sehe, was die Leute sich ausdenken, finde ich neue Konfigurationen, die ich anwenden kann.

JD Also lernst du von deinen Kunden?

FP Ja auf jeden Fall, immer. Es ist unfassbar.

JD Spielt Musik auch eine wichtige Rolle in deinem kreativen Prozess?

FP Ja, absolut. Ich weiß nicht genau wie sehr es meinen Prozess beeinflusst, aber Musik ist allgegenwärtig. Ich höre konstant Musik.

JD Welche Dekade oder welchen Stil findest du besonders gut?

FP Wahrscheinlich die späten 80er, das höre ich am meisten.

JD Ich finde das kann man schon auch in deiner Kunst sehen.

FP Oh echt? Cool.

JD Du reist ja sehr viel. Hast du eigentlich eine Lieblingsstadt?

FP Das ist wahrscheinlich Tokyo. Ich habe eine Hassliebe mit dieser Stadt.

JD Erzähl mir davon.

FP Abgesehen von den sehr strengen Vorschriften für Graffitikünstlern liebe ich es. Manche sagen, dass Tokyo die Zukunft ist, ich denke aber, dass es die Gegenwart darstellt. Es ist perfekt organisiert – so viele Leute leben dort, aber es scheint zumindest reibungslos zu funktionieren. Es gibt so viele kleine Dinge, die ganz außergewöhnlich sind.

JD Fällt es dir schwer abzuschalten?

FP Früher schon, ich habe mich nur auf die Arbeit konzentriert und 16 Stunden am Tag gearbeitet. Mittlerweile habe ich ein Team. Wir arbeiten 40 Stunden in der Woche, fast wie in einem Büro von 9-18 Uhr mit Pause. Jeder geht nach Hause und kann sich auch noch anderen Dingen widmen. Ich fühle mich selbst viel produktiver – ich bin ein Künstler mit Bürozeiten. Aber ich denke schon immer an die Arbeit. Speziell dann, wenn ich zwischen Wach und Schlafphase dämmere – dann habe ich auch die besten Ideen.

Hennessy x Felipe Pantone ist erhältlich im ausgewählten Fachhandel und auf hennessy.com.

Interview JULIA DEUTSCH