GHANA IST MEIN NÄCHSTES ZIEL

Die Rapperin und R’n’B Künstlerin Ace Tee ist weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt. Für Zündstoff in ihrer Karriere sorgte vor allem der Song ‘Bist du down?‘, der im Jahre 2017 das Internet flutete und die Charts erklomm. Rap auf Deutsch und ein bestechender Style im Musikvideo richteten das Scheinwerferlicht auf die damals 24-jährige Hamburgerin.

Seitdem ist Ace Tee ziemlich busy – für das #bershkaonstage Konzert kam sie jedoch gerne in die Musikbrauerei nach Berlin und gab Anfang Juni ihre Hits zum Besten. Die Eventreihe BershkaOnStage, hat es sich zum Ziel gemacht, spannende, aufstrebende Künstlerinnen zu präsentieren, die die Musiklandschaft noch gewaltig aufmischen werden. In London gaben sich Let’s Eat Grandma die Ehre und in Barcelona performte die grandiose Nathy Peluso.

Kurz vor dem Auftritt traf INTERVIEW sie Backstage, wo Ace Tee bewies, dass sie eine wahre Multi-Taskerin ist: Während der Maske stand sie uns Rede und Antwort und sprach über ihr kulturelles Erbe, ihren Stil, Politik und wohin es sie in Zukunft ziehen wird.

Julia Deutsch Gibt es eigentlich ein Ritual, das du vor deinen Auftritten durchführst? Oder hast du immer einen Glücksbringer bei dir?

Ace Tee Also ich habe immer eine Brille auf.

JD Rein zu Style-Zwecken oder hat das einen anderen Hintergrund?

AT Ich fühle mich nackt, wenn ich auf der Bühne keine Brille trage. Jeder hat ja so seine Favourites, wenn es um Accessoires geht, manche tragen zum Beispiel fünf Ringe oder so. Bei mir ist es meine Sonnenbrille und es ist eigentlich egal, ob sie auf meinem Kopf sitzt oder ob ich sie am Körper trage – Hauptsache sie ist da. Ich mache außerdem noch Atemübungen bevor ich auf die Bühne gehe. Das hilft mir Ruhe zu bewahren! Alle rund um mich werden dann immer so crazy kurz vor dem Auftritt.

(C) BMBM shot with Polaroid Originals, OneStep+White

 

JD Lebst du gerade in Berlin?

AT Ich bin in Berlin geboren, aber in Hamburg aufgewachsen. Mittlerweile würde mich auch nichts mehr nach Berlin ziehen. Ich habe hier schon ein paarmal gewohnt und es hat mich nie gehalten. Ich brauche auch manchmal meine Ruhe und meinen Rückzugsort – in Berlin geht das nicht. Man hat das Gefühl man kommt nicht weg, kann dem Drive nie entfliehen. Es ist umso geiler für mich, gesittet zuhause in Hamburg zu sein.

JD Kannst du dich mit einem traditionell deutschem Lifestyle identifizieren?

AT Also ich lebe nicht am Land oder so, aber ja klar. Irgendwo bin ich ja auch halb deutsch.

JD Du hast auch Wurzeln in Ghana, wie lebst du diese?

AT Ghana ist auf jeden Fall mein nächstes Ziel. Ich will im Winter hinfliegen und auch sehen wie ich dort musikalisch weiterkomme. Es ist mein Mutterland und es gibt anscheinend auch Leute, die einen Hypen – das will ich auschecken. Als Kind war ich oft in Ghana, da habe ich aber nicht so viel davon mitbekommen. Mittlerweile würde ich mir die Dinge selbst gerne anschauen und herumreisen. Es gibt anscheinend eine ganz lange Brücke, die extrem schmal ist und man sieht nur den Urwald unter sich – ein falscher Schritt und du fällst. Das würde ich mir gerne ansehen.

JD Wenn du an deine Identität denkst, wie würdest du diese beschreiben?

AT Ghana fehlt mir schon, es gibt eine kulturelle Lücke, die gefüllt werden muss. Ich bin auf jeden Fall Ghanain – meine Mutter hat mir das mitgegeben, ich spreche auch die Sprache und wir haben immer viel Ghanaisch gekocht.

(C) BMBM shot with Polaroid Originals, OneStep+White

 

JD Du bist auch bekannt für deinen speziellen Kleidungsstil. Was bedeutet Mode für dich?

AT Ausleben. Schwer das in Worte zu fassen. Ich ziehe mich immer so an, wie ich mich fühle. Wenn ich mal einen schlechten Tag habe, dann habe ich auch Flecken auf der Kleidung – ist halt so. Wenn ich einen guten Tag habe, dann scheine ich heller als – keine Ahnung, haha. Guck mal auf meine glitzernden Ohrringe, die sind natürlich von Bershka.

JD Cool. Was ist der beste Ratschlag, den du je bekommen hast?

AT Abgeleitet von einer Erfahrung einer Bekannten – nur wenn einmal etwas schief gegangen ist, heißt das nicht, dass der zweite Anlauf kein Erfolg sein kann. Oftmals geht man dann mit einer gewissen Angst rein, die man aber versuchen muss abzulegen. Man muss auch dem zweiten Anlauf eine faire Chance geben, so wie dem ersten. Man handelt so oft aus Mustern heraus, die man verinnerlicht hat. Egal in welcher Beziehung eigentlich. Außerdem ist es wichtig, jedem Mensch eine Chance zu geben, sich zu beweisen.

JD Bist du ein politischer Mensch?

AT Ja, bis zu einem gewissen Grad auf jeden Fall. Ich bin nicht todesernst politisch. Aber ich habe auf jeden Fall meine Meinung und wenn mir irgendetwas nicht passt, dann mache ich mir dazu auch Gedanken. Ich weiß nicht, wie viel es bringt nur laut zu sein, ohne ein Ziel zu haben. Man muss sich überlegen, wo man selbst ein Stückchen zu etwas Größerem beitragen kann. Leute zu motivieren ist großartig! Jeder, der eine gewisse Reichweite hat, sollte diese auf jeden Fall nutzen. Ich habe meine politische Meinung, die manchmal auch sehr hart ist. Aber die einfach ungefiltert rauszuhauen würde langfristig nichts bringen. Es ist ja auch eine Frage des Angebots und der Nachfrage – einfach rumzuschießen wäre in diesem Fall falsch.

JD Wie geht es für dich künstlerisch weiter?

AT Ich werde Musik raushauen, Alben machen. Ich möchte mich kreativ ausleben und bin am schauen was noch geht. Ich bin gerade so offen wie nie – auch was Sound und verschiedene Instrumente angeht. Meine Energie gerade ist eher so: Ich will erstmal die Fresse halten und auch mal zugucken, um etwas Neues zu lernen.

 

(C) BMBM shot with Polaroid Originals, OneStep+White

Interview JULIA DEUTSCH

Polaroids BMBM

In Collaboration with Polaroid Originals, OneStep+White