DIXON

Steffen Berkhahn nennt sich auch Dixon. Unter diesem Namen bespielt er seit den frühen 90er Jahren die Berliner (und internationale) Tanzflächen. Die musikalische Reise begann in Institutionen wie der Turbine, Tresor, E-werk oder wmf und definierte seinen Sound, der sich von Techno über Deep House spannt.

In den Jahren 2013-16 zementierte Resident Advisor Dixons Erfolgs-Status und sah ihn jeweils auf Platz 1 des “TOP 100 DJ Poll”. Er selbst wollte eigentlich Fußballer oder Langläufer werden, wählte am Ende aber doch den künstlerischen Weg und brachte Emotionen zurück in den Club.

Interview sprach mit Dixon über das Damals und das Jetzt und lernte eine Person kennen, die das Berliner Nachtleben nachhaltig mitgestaltete.

Interview: Gehst du in Berlin noch feiern?

Dixon: Selten.

I: Was reizt dich am Weggehen?

D: Das Abreissen von Vorurteilen, die Verschiebung von Grenzen und die Möglichkeit einer Horizonterweiterung, die nicht durch meinen Verstand gesteuert wird. Und natürlich auch die Chance, Musik körperlich zu erfahren.

I: Wann warst du das erste Mal tanzen und wie war das?

D: 1990 und es war zuallererst einmal eine visuelle Erfahrung für mich. So viele interessant individuell gestylte Leute hatte ich bis dahin noch nie irgendwo gesehen. Das zog mich an, dazu wollte ich gehören. Und in der Folge habe ich dann auch Musik lieben gelernt.

I: Wann ist eine Party gut?

D: Wenn sie es schafft zwischen unterschiedlichen Menschen Brücken zu schlagen.

I: Was hat sich an der Partykultur in Berlin und Europa in den letzten 20 Jahren verändert?

D: Die Anlagen wurden besser, die Leute weniger individuell, lokale Phänomene sind fast verschwunden, alles ist online nachvollziehbar. Zumindest fast alles- es finden sich immer wieder neue Knospen, denen nur leider manchmal nicht sehr viel Zeit bleibt, sich zu einer Blüte zu entwickeln. Im Informationszeitalter wird vieles schon zu früh wieder verschlungen, bevor sich kulturell wichtige Codes, Stile oder auch musikalische Sprachen nachhaltig entwickeln können.

I: Was ist deine Meinung zum sogenannten Club-Sterben, gibt es das wirklich?

D: Ja. Immer wieder. Aber dann drehte sich das Rad ein paar Jahre weiter und es gab Neues.

I: Was hat sich an deinen Sets verändert?

D: Nach ein paar Jahren in denen ich ein paar mir wichtige Trends ganz speziell pushen wollte, betrachte ich das Gebäude der Housemusik wieder aus allen Blickwinkeln und versuche seine Gesamtheit abzubilden.

I: Sind die Feiernden schwerer zu begeistern, als früher?

D: Nein. Begeisterung begegnet vielen DJs noch an vielen Orten. Ich vermisse nur manchmal das Miteinander im Club, das ist mir zu oft einer Fixierung auf den “Star” des Abends gewichen.

I: Was reizt dich an der Rolle als Labelbetreiber von “Innervision”?

D: Die Möglichkeit House Musik voran zu treiben, und gleichzeitig die Verpflichtung einer stetigen Auseinandersetzung mit neuen Strömungen.

I: Welchen Song hast du bisher am Meisten in deinen Sets gespielt und warum?

D: Das lässt sich schwer auf einen Song reduzieren- dennoch versuche ich es jetzt mal mit Romanthony “The Wanderer”. Warum? House is a feeling, it’s hard to explain.

I: Hat dich House Musik jemals gelangweilt?

D: Ja klar. Ich setze mich beruflich mit meiner größten Leidenschaft auseinander und das führt auch oft zu einer Übersättigung. Das Tolle ist jedoch, dass manchmal ein einziger Song die Tristesse von 4 Monaten auslöschen kann. Und da ich das schon ein paar Mal erlebt habe, gebe ich niemals die Hoffnung auf.

I: Was fühlst du psychisch und körperlich, wenn du einen guten Song hörst?

D: Falls das im Club ist, fühle ich mich 5cm größer, obwohl gleichzeitig meine Arme und Beine etwas labiler sind. Und dieser Widerspruch führt erst zu einer kurzen Verwirrung, und dann zu einer großen Endorphinausschüttung.

I: Wann ist das das letzte Mal passiert?

D: Letzte Woche in Italien, als ich das Demo eines jungen Berliner Künstlers erstmals spielte.

 

             

 

 

 

 

 

 

Foto: DAVIT GIORGADZE

       Interview: JOHANN VOIGT

In cooperation with: SONAR +D