BOYD HOLBROOK

Manchmal liest sich das Leben wie ein großer amerikanischer Roman. Er beginnt in Kentucky, in der Kleinstadt Prestonburg, in der sich die Jugendlichen die Zeit damit vertreiben, eingeschmodderte Pfähle hochzuklettern, und endet, zumindest nach heutigem Stand, im kolumbianischen Dschungel, in dem Mr. Holbrook derzeit überaus erfolgreich in der Serie Narcosden legendären Pablo Escobar jagt. Und die Randnotizen? Pakete ausfahren, sich vom Laufsteg auf die große Leinwand modeln, Hollywood den Kopf verdrehen. Und uns auch!

This interview originally appeared in the Winter 2015/16 issue.

BOYD HOLBROOK: Hey, Conrad! Super, dass es klappt und die Skype-Verbindung nach Bogotá steht. Wer hätte gedacht, dass du mich mal interviewst!

CONRAD MATSCHKE: Ich bin noch Jungfrau. Du bist mein Erster.

BH: Und du steigst gleich ganz oben ein.

CM: Von jetzt an kann es nur noch bergab gehen. Ist das im Hintergrund eigentlich dein neuer Hund?

BH: Ist sie nicht wunderschön?

CM: Sie sieht aus wie eine Hyäne!

BH: Man nennt die Rasse Catahoula. Ich habe sie aus New Orleans, und sie heißt Nola. Nolacitaaaaaa …

CM: Tu mir bitte den Gefallen, und trainiere sie richtig. Unerzogene Hunde nerven.

BH: Nola besucht bald die Hundeschule in Bogotá.

CM: Wo hast du Nola überhaupt her?

BH: Meine Figur in The Free World heißt Mohammed und arbeitet in einer Hundeanlaufstelle. Nola war einer der Hunde, deren Leben ich gerettet habe. Ich musste sie einfach adoptieren.

CM: Ich will dir ja nicht zu nahetreten, aber du siehst nicht gerade wie der typische Mohammed aus.

BH: Haha! Nein, oder? Aber Mohammed wird auch erst im Gefängnis zu Mohammed. Er wird mit 15 Jahren des Mordes an zwei Mädchen verurteilt, konvertiert im Knast zum Islam. Mit 34 wird er schließlich freigesprochen, denn er saß die ganze Zeit unschuldig hinter Gittern. Eine wirklich krasse Geschichte.

CM: Der Film ist aber bereits abgedreht?

BH: Ja, die letzte Szene war ein paar Tage vor dem Serienstart von Narcosim Kasten. Für die Rolle des Mohammed musste ich allerdings krass zunehmen und wog am Ende 210 Pfund!

CM: Scheiße, das sind ja 105 Kilo! Dafür siehst du jetzt wieder ganz schön fit aus. Oder liegt das an Skype?

BH: Mittlerweile bin ich wieder bei 90 Kilogramm. Zum Glück! Ist Narcoswirklich so beliebt bei euch in Deutschland?

CM: Du hängst an jeder zweiten Bushaltestelle in Berlin.

BH: Krass, oder? Bei IMDB haben wir ein Ranking von 9,1 – das hat bisher noch keine andere Serie geschafft. Ich bin so dankbar.

CM: Du hast auch hart dafür gearbeitet. Ich weiß noch, wie du bereits während unserer Modelzeit in New York Schauspielunterricht genommen hast.

BH: Stimmt! Und nach dem Abschluss habe ich mich dann mit kleinen Rollen hochgeangelt, in Gone Girl zum Beispiel.

CM: Haha. Als meine Freundin und ich im Kino waren, um den Film zu sehen, wusste ich nicht einmal, dass du mitspielst. Auf einmal tauchst du auf, da dachte ich nur: „Shit, vor dem Typen ist man nirgendwo sicher: Boyd Holbrook ist überall!“

BH: Haha. Ich wollte doch nur deine Aufmerksamkeit! Nein, Scherz. Was soll ich sagen: Es läuft ziemlich super gerade.

CM: Und jetzt bist du seit gestern wieder in Kolumbien?

BH: Ja, ich bin jetzt erst einmal wieder hier in Bogotá, um Narcosweiterzudrehen.

CM: Wie ist das Leben dort?

BH: Ziemlich hart. Das letzte Mal, als ich hier war, habe ich 20 Pfund abgenommen. Die Stadt liegt auf 2 640 Metern Höhe, und es leben doppelt so viele Menschen hier wie in New York, allerdings auf einer halb so großen Fläche. Das pure Chaos.

 

Boyd Holbrook

CM Hast du abgenommen, weil du dich unwohl fühltest?

BH Na ja, wenn ich ehrlich bin, lag das eher an der Trennung von meiner Ex-Verlobten (Elizabeth Olsen)vergangenen Oktober. Am selben Tag starb zudem mein guter Freund, der Fotograf David Armstrong. Das war echt hart.

CM Das klingt so, als müsste man sich um dich kümmern: Isst du denn genug? Was hattest du heute Morgen zum Frühstück?

BH Unsere Lieblingskombi: Cappuccino und Zigarette!

CM Ich stelle mir Bogotá nicht ungefährlich vor …

BH Seit die Zeiten von Pablo Escobar vorbei sind, hat sich hier viel verändert. Natürlich gibt es auch Orte, an denen man nachts nichts zu suchen hat, aber die gibt es in der Bronx auch. Sechs Monate am Stück hier zu sein, fühlt sich so an, als würde man das härteste Athletentraining absolvieren, was das Durchhaltevermögen angeht.

CM Aber es lohnt sich ja auch. Wie muss man sich so einen Tag am Set vorstellen?

BH Wir drehen immer zwei Skripte parallel, meistens werden mindestens fünf Seiten am Tag abgedreht. Es dauert etwa einen Monat, zwei Folgen zu filmen.

CM Ist dir irgendetwas Verrücktes passiert in Kolumbien?

BH Nicht direkt, aber ich finde es jeden Tag aufs Neue wieder verstörend, dass hier so viel Militär rumfährt. In Wirklichkeit ist ja alles noch krasser, seit Pablo Escobar nicht mehr lebt. Das ist ein bisschen so wie mit Saddam Hussein. Nach dessen Tod muss man auch sagen: „Shit just got really crazy!“Es gibt da so einen neuen Drogenboss in Mexiko, der gerade aus dem Gefängnis entflohen ist. Nach Escobars Tod haben die Kolumbianer angefangen, ihre Drogen nicht mehr direkt nach Miami oder sonstwo in die USA zu fliegen, sondern sie verkaufen zum Großteil weiter an die Mexikaner. Deshalb ist alles so chaotisch gerade innerhalb der Kartelle, weil es diesen einen großen Big Player wie Escobar nicht mehr wirklich gibt.

CM Du kennst dich ja ziemlich aus.

BH Muss man zwangsläufig, wenn man hier lebt – und dann noch so eine Serie dreht. Hey, du machst das übrigens ziemlich gut mit dem Interview! Wie stelle ich mich so an?

CM Du gibst doch sicherlich ständig Interviews.

BH Es werden mehr. Aber du weißt, wie ich wirklich bin: Für mich bleibt die Schauspielerei ein Handwerk.

CM Du glaubst also, ganz der Alte geblieben zu sein?

BH Ich kann dich beruhigen: Ich denke nicht, der junge Kevin Costner zu sein, haha!

CM Du bist so wahnsinnig bescheiden!

BH Haha!

CM Glaubst du, Narcos könnte dein Durchbruch sein?

BH Wie du ja weißt, war ich schon früher interessiert an der Schauspielerei, aber auch an der Bildhauerei.

CM Aber merkst du jetzt nach Narcos,dass du mehr Rollenangebote bekommst?

BH Schon, aber bis April hänge ich ja noch hier in Bogotá fest, kann also nichts anderes annehmen.

CM Du stehst schon auf eher merkwürdige Rollen.

“Deinen ersten Kopfschuss vergisst du nie! Beim ersten Mal bin ich wie ein Mädchen von der Couch gesprungen.”

Boyd Holbrook

BH Vielleicht hast du recht. Obwohl Murphy, meine Figur in Narcos,ziemlich geradlinig ist. Viele Kollegen zielen immer auf die Hauptrolle ab, das ist bei mir gar nicht so der Fall. Ich möchte interessante Charaktere spielen, was eben nicht immer zwangsläufig die Hauptrolle sein muss. Und ich möchte mit guten Regisseuren wie David Fincher oder Scott Cooper zusammenarbeiten, denn das bringt mich weiter. In Ruhet in Frieden – A Walk Among the Tombstonesspielte ich an der Seite von Liam Neeson, der die Idee hatte, mich für die Besetzung einer Rolle in einem anderen Film vorzuschlagen, den ich dann auch gemacht habe. Was ich damit sagen will: Ich habe großes Glück, mit talentierten Menschen zusammenzuarbeiten, die mir immer mal wieder hier und da eine Chance hinwerfen. Das ist großartig.

CM Hast du dir mal überlegt, ob es cooler gewesen wäre, Pablo Escobar zu spielen?

BHEscobar ist fast schon ein Shakespeare’scher Charakter. Jemand, der zum König aufsteigt, dann die Kontrolle verliert, was Macht und Gier geschuldet ist.

CM Er ist in gewisser Weise ein sympathischer Bösewicht.

BHDas liegt daran, wie das Skript geschrieben ist – und an Wagner Moura, der Escobar spielt. Er ist so talentiert.

CM Ich mag es, dass er aufrichtig und loyal zu sein scheint, zumindest was seinen inneren Kreis angeht.

BHSeine anfänglichen Absichten waren sehr nobel, den Menschen Wasser zu liefern zum Beispiel. Aber je mehr Geld er verdient hat, desto mehr Gewalt kam ins Spiel, und letztendlich wurde er zum Schatten seiner selbst.

CM Wusstest du viel über Escobar, bevor ihr gedreht habt?

BHNicht wirklich. Ich hatte das Glück, Zeit mit Steve Murphy verbringen zu dürfen, dessen Figur ich ja in der Serie spiele. Er ist innerhalb der amerikanischen Drogenbehörde eine Legende. Mit ihm bin ich auch nach Quantico in Virginia gefahren, einen Ort, an dem das FBI, die CIA und auch die DEA ihre Leute trainieren. Pedro Pascal, der Javier Peña spielt, und Peña selbst waren auch dort. Jedenfalls haben wir mit den Kadetten trainiert, und das war echt abgefahren. Die haben dort ganze Fake-Städte aufgebaut, mit Hotels und Straßen. Ich bin also in dieses Fake-Drogenhaus, um Fake-Drogen zu kaufen, und dieser Fake-Drogenhändler lässt mich rein, setzt mich auf eine Couch und schießt mir dann fake in den Kopf.

CM Nicht dein Ernst!

BHDoch! Das ist alles Training, die Waffen sind echt, allerdings mit Platzpatronen. Deinen ersten Kopfschuss vergisst du nie! Beim ersten Mal bin ich wie ein Mädchen von der Couch gesprungen. Die Agentenschüler werden dort wirklich für Situationen trainiert, die Leben oder Tod bedeuten.

CM Was hat Steve Murphy eigentlich gesagt, als er hörte, dass du seine Rolle spielst?

BHEr war geehrt! Zumindest behauptete er das, haha!

CM Der dachte sich sicherlich: „Was für ein Depp spielt mich da eigentlich?“ Haha!

BH Haha, du bist so nett wie immer! Nein, wir haben wirklich einfach sehr viel geredet. Steve ist ein wahnsinnig lieber Kerl, er hat sogar zwei Mädchen aus Kolumbien adoptiert.

CM Mein liebstes Zitat aus der Serie lautet bisher: „This cat is DEA. Mark my words, he will get justice!“

BHWir konnten bei der Szene nicht aufhören zu lachen.

CM Bist du eigentlich selbst mal mit der Polizei in Berührung gekommen?

BHIch mag es, wie du das jetzt so ganz nonchalant einstreust. Ja, lieber Conrad, ich wurde zweimal im Leben von den Cops aufgesammelt.

CM Wolltest du eher Polizist oder Gangster werden?

BHWeder noch.

CM Wirklich nicht?

BHDas ist doch eine gute Antwort.

CM Nein, aber ich lasse das jetzt einfach mal so stehen. Magst du deinen Schnurrbart eigentlich?

BHMan fühlt sich mit dem Ding wie ein echter Mann. Aber da du nicht so viel Bartwuchs hast, wirst du das nie verstehen.

CM Jetzt hast du es mir aber gegeben!

BHIch mag den Schnurrbart tatsächlich ganz gern.

CM Pablo Escobar hat 21 Millionen Dollar vergraben. Boyd, wo hast du das Geld vergraben?

BHUnter der Hundehütte.

CM Da ich ja weiß, wie dein Hund aussieht, ist diese Information glatt 21 Millionen wert für mich.

BHBis wir uns sehen, muss ich Nola scharf abrichten.

CM Als wir zusammen in New York lebten, sagtest du immer: „Auch wenn du jetzt Geld hast, Conrad, lebe, als wärst du arm!“ Hältst du dich eigentlich selber noch an dein Mantra?

BHIn gewisser Weise schon. Alles, was ich besitze, passt in zwei Koffer. Wobei ich mittlerweile ein Haus, ein leeres wohlgemerkt, besitze: Nach Davids Tod habe ich sein Anwesen gekauft. Es liegt in Upstate New York, etwa drei Stunden von Manhattan entfernt.

CM In der Pampa fühlst du dich ja wohl, du kommst schließlich aus Kentucky. Macht ihr eigentlich dieses komische Ding noch, Greasy Pole Climbing?

BHHaha! Oh Gott, ja, das ist typisch Kentucky! Man präpariert einen Telefonmast mit Schmierfett und nagelt einen 100-Dollar-Schein ans obere Ende. Und wer es schafft hochzuklettern, bekommt die Kohle.

CM Hast du es jemals geschafft?

BHIch hatte nie die richtige Technik. Außerdem fand ich es nicht erstrebenswert, von Kopf bis Fuß in Schmierfett eingesaut zu sein.

CM Bevor ich sterbe, möchte ich einmal mit dir Greasy Pole Climbingmachen …

BHWir sollten das in Deutschland einführen.

CM Wann kommst du denn endlich mal nach Europa?

BHDrehschluss ist im April, ich hoffe direkt danach. Du fehlst mir nämlich.

CM Wenn wir jetzt deine Mutter in Kentucky besuchen würden, was würde sie für uns kochen?

BHFried Chicken!

 

CMWieso nennst du dich eigentlich jetzt Boyd Holbrook und nicht Robert Boyd Holbrook, wie es in deinem Pass steht? Deine Mum ruft dich doch auch nicht Boyd, oder?

BHNein, die nennt mich Rob. Oder Robbie. Ich bin ja nach meinen beiden Großvätern benannt. Als Kind merkte ich schon, dass ich nicht so recht nach Kentucky passe und nicht die gleichen Vorstellungen vom Leben habe wie die Menschen um mich herum. Am College fühlte ich mich zum ersten Mal frei. Und um einen Schnitt zum alten Leben zu machen, nannte ich mich von da an Boyd.

CMWie warst du eigentlich in der Schule?

BHZiemlich friedlich und harmlos. Ich war ein ordentlicher Schüler, aber nicht wirklich an akademischen Dingen interessiert.

CMHast du nicht damals noch Pakete ausgeliefert?

BHKlar! Das war auch unglaublich praktisch, schließlich zahlte damals UPS das College, wenn man für sie arbeitete.

CMWie lief das denn ab?

BHMan lieferte von Mitternacht bis um 8 Uhr morgens Pakete aus, ab 10 Uhr morgens ging es dann ab aufs College. Bevor du fragst: Ja, es war furchtbar anstrengend – aber auch eine tolle Möglichkeit, nicht mit 130 000 Dollar Schulden ins Leben zu starten.

CMDennoch hast du das College abgebrochen, oder?

BHJa.

CMDas muss man den Kindern heutzutage raten: „Schmeißt alles hin, werdet Schauspieler!“

BHIch habe damals in einem Kaufhaus in Kentucky gearbeitet, und eines Tages stand plötzlich Michael Shannon vor mir, der Typ aus Vanilla Sky.Also fragte ich ihn, wie man Schauspieler wird, und er gab mir den Tipp, ans Theater zu gehen. Daraufhin kündigte ich. Meine Schwester besorgte mir einen Job am Theater, wo ich kleine Aufgaben wie das Ausbessern von Teppichen erledigen sollte.

CMHast du dort auch deine Liebe zu Skulpturen entdeckt?

BHIch glaube schon, weil am Theater einfach so viel Equipment herumliegt.

CMIch erinnere mich noch an eine Ausstellung von dir in New York, sie hieß Jesus in a Bathtub.

BHMann, das hat mich damals wirklich glücklich gemacht. Wenn ich mit Narcosdurch bin, fahre ich auf jeden Fall ins Haus und arbeite an neuen Skulpturen.

CMUnd wie bist du eigentlich von Kentucky nach New York gekommen?

BHIm Theater kam eine Frau auf mich zu und wollte ein Foto machen. Sie meinte, ich hätte Chancen, Model zu werden. Damals wusste ich nicht mal, was das bedeuten könnte. Doch drei Monate später bekam ich einen Anruf: mein erster Job als Model.

CMWeißt du noch, für wen das war?

BHBill Blass.

CMKeine Ahnung, wer das ist.

BHOh, là, là, entschuldigen Sie vielmals, Miss Fashionista. Ich hatte ganz vergessen, dass du nur Prada und Louis Vuitton kennst.

CMHaha! Aber das Modeln schien dir gut zu bekommen.

BHWir hatten eine tolle Zeit! Mit Anfang 20 kann ich mir kein besseres Leben vorstellen.

CMKannst du dich noch erinnern, wann wir uns das erste Mal gesehen haben?

BHDas war in Paris. Du und die anderen Jungs spielten Hacky-Sack. Irgendwann hast du mich bemerkt und auch mal Hallo gesagt – von da an sind wir ständig zusammen unterwegs gewesen.

CMHändchen haltend.

BHUnfassbar schön! Das waren wirklich einige der besten Jahre meines Lebens.

CMVermisst du das Modeln?

BHEs war schon toll, ständig unterwegs zu sein und mit Freunden abhängen zu können.

CMAber ist das so anders als das, was du jetzt machst? Du reist jetzt auch und lernst massenhaft Leute kennen.

BHNa ja, du weißt ja, wie das damals war. Arbeiten konnte man das wirklich nicht nennen, was wir gemacht haben. Wir sind einfach bei einem Job aufgeschlagen, haben versucht, gut auszusehen, und dafür Kohle kassiert. Bei der Schauspielerei ist das anders; man muss sich wirklich konzentrieren.

CMTrotzdem bist du das Gesicht von Dior Homme 2015.

BHLustigerweise habe ich schon vor Jahren die Kampagne für Dior gemacht, damals noch unter Hedi Slimane.

“Ich werde in einem Baumhaus im Süden von Oregon leben und das Olympische Schwimmteam trainieren.”

CMDa hast du aber nur 50 Kilo statt 90 gewogen.

BHGut möglich, aber damals habe ich auch mehr Geld bekommen als jetzt.

CMWie bitte? Dabei bist du doch jetzt doppelt so breit.

BHDu bist so nett! Sag doch, wie es ist: „Hey, du bist fett!“ Großartig, ich liebe das.

CMWeißt du noch, als deine Familie in Berlin war und wir uns einen Audi gemietet haben, um zur Hugo Boss Show nach Metzingen zu fahren?

BHKlar!

CMDeine Mutter und Schwester saßen hinten im Auto …

BH… und hatten die ganze Zeit Angst, weil du so schnell gefahren bist.

CMUnd ich nur so: „Ich fahre gerade mal 160 km/h! Das ist eher cruisen als schnell fahren!“

BHIrgendwann waren wir bei 200 km/h!

CMDas war, als du gefahren bist. Deine Mum war mit den Nerven völlig am Ende. Sie flehte: „Robbie, das kriegst du nicht hin, lass Conrad fahren.“

BH Haha, Das war genial.

CMErkennen dich eigentlich die Leute auf der Straße, wenn du in New York unterwegs bist?

BHAb und an, ich trage dort allerdings keinen Bart.

CMPosierst du für die Paparazzi so wie damals als Model?

BHDu bist so frech. Natürlich posiere ich nicht! Aber diese ganze Paparazzi-Nummer ist schon unangenehm. Wenigstens ist man nie alleine auf dem Bild. Im Hintergrund stehen immer irgendwelche armen Trottel; die schauen ganz entgeistert, und man sieht ihren Gesichtern an, dass sie denken: „Wer ist denn der Spast?“

CMWelches Gerücht über dich magst du am liebsten?

BHKeine Ahnung, welches gefällt dir am besten?

CMLeider habe ich nichts wirklich Lustiges gefunden, die Modelbilder kenn ich ja schon. Wo siehst du dich in zehn Jahren?

BHBei solchen Fragen weiß ich nie, ob ich ernst sein oder einen Witz machen soll.

CMKann alles gegen dich verwendet werden.

BHIch glaube, ich werde in einem Baumhaus im Süden von Oregon leben und dort das olympische Schwimmteam trainieren.

CMJetzt weiß ich nicht, ob das ein Witz ist oder ernst gemeint war.

BHSeit ein paar Jahren bin ich geradezu vom Thema Wasser besessen. Wasser wird in den kommenden Jahren zur wichtigsten Ressource überhaupt, es wird Kriege darum geben; die Verteilung ist eine Katastrophe, unser Umgang mit den Meeren ohnehin. Denk nur mal an Kalifornien. Und den ganzen Müll, der in den Ozeanen treibt. Das Thema sprengt echt den Rahmen unseres Gesprächs, aber mir liegt wirklich sehr viel daran. Vielleicht kann ich ja das bisschen Ruhm, das ich mir gerade erspiele, dafür einsetzen, auf das Thema hinzuweisen. Es würde mir echt viel bedeuten, wenn ich mich in einigen Jahren als Sprecher für den Schutz des Wassers und der Meere einsetzen könnte. Vielleicht kann ich mit meiner Produktionsfirma Madbrook Films darüber sogar irgendwann einen Film drehen.

CMFind ich gut. Boyd, ehrlich, du bist ein guter Typ.

BH Haha, danke!

CMBevor ich dich wieder in die kolumbianische Nacht entlasse, testen wir eben kurz deine Schnelligkeit. Plata oder plomo?

BHPlata!

CMPablo Escobar oder Donald Trump?

BHEscobar!

CMBerlin oder Bogotá?

BHBerlin.

CMCoke oder Pepsi?

BHCoke.

CM Coke oder Weed?

BH Haha, Weed!

CMOkay, letzte Frage. Wenn du die Wahl hättest: Würdest du dich lieber einmal im Jahr in der Öffentlichkeit einscheißen wollen – oder täglich zu Hause im Verborgenen?

BHHaha, was ist das denn für eine Frage? Wüsste ich im Voraus, welcher Tag es wäre, wenn es in der Öffentlichkeit passiert?

CMNein!

BHHaha!Okay, dann ist das echt eine schwierige Frage. Aber hey, vielleicht wäre es einfach nur ein ziemlich spezielles Ritual, das ich zu Hause hätte? Zum Beispiel morgens vor dem ersten Kaffee. Oder nachts. Dann müsste ich das allerdings jeden Morgen sauber machen.

CMBoyd, so wird das aber nichts mit den Ladys!

BHIch habe ja immer noch dich!

CMSowieso.

 

Interview CONRAD MATSCHKE
Photography CRAIG MCDEAN
Styling KARL TEMPLER
Hair RUTGER FOR ORIBE HAIR CARE/STREETERS
Make-up SIL BRUINSMA FOR DIORSKIN/STREETERS
Retouching GLOSS STUDIO
Digital Technician NICHOLAS ONG
Photography Assistants SIMON ROBERTS, HUAN NGUYEN, MARU TEPPI
Styling Assistants ALEKS KOJ, JOSHUA COURTNEY

Special thanks DISHFUL CATERING