MARTHA COOPER

Sind Graffiti Kunst, Martha Cooper?

SARAH-DENISE NEVEN Wann haben Sie angefangen Graffiti zu fotografieren?

MARTHA COOPER Ich bin da so reingerutscht. Eigentlich war ich Fotografin für die New York Post. Irgendwann habe ich begonnen, an einem persönlichen Projekt zu arbeiten und Kinder zu fotografieren, die in der Lower Eastside spielen. Einer der Jungen hat mir sein kleines Notizbuch gezeigt und erzählt, dass er übe, seinen Namen zu schreiben. Er hat angeboten, mir einen König vorzustellen. Wie sich herausstellte, war dieser „König“ Dondi. Und dann habe ich angefangen Graffiti zu fotografieren.

SDN Was hat Sie daran fasziniert?

MC Diese jungen Menschen mit ihrer ganz eigenen Kultur, die auf Kunst basiert. Die das alles nur für sich selbst und nicht für Geld machen. Außerdem war ihre Sache illegal.

“Ich dachte, Graffiti würden nach ein paar Jahren aussterben”
MARTHA COOPER

SDN Wie hat sich das New York der Siebziger und Achtziger für Sie angefühlt?

MC Aufregend! Ich dachte, Graffiti würden nach ein paar Jahren aussterben und sowieso nur in New York vorkommen. Dann hätte ich diese Fotos gehabt und hätte zu den Leuten sagen können: „Guck mal, so war das damals.“ Dass daraus ein weltweites Kunstphänomen werden würde, hätte ich nie zu träumen gewagt.

SDN Was bedeutet Ihnen Fotografie?

MC Es ist meine Art die Welt zu betrachten. Ich sehe alles mit dem Hintergedanken „Lässt sich das gut fotografieren?“ und gehe oft nur an Orte, weil ich denke, sie sehen gut auf Bildern aus. Ich organisiere mein Leben ums Fotografieren.

SDN Sind Graffiti für Sie Kunst?

MC Es ist lächerlich, das Gegenteil zu behaupten, denn Graffiti entsprechen mühelos jeder Definition von Kunst. Was natürlich nicht bedeutet, dass ich jedes Graffiti schön finde.

 

Geführt auf dem Monumenta-Kunstfestival in Leipzig.

SMALLTALKS……