MARQUES ALMEIDA

Ist Mode nicht dafür da zu träumen, Marta Marques und Paulo Almeida?

FRAUKE FENTLOH Frau Marques, Herr Almeida, Ihre Designs stehen für Denim-Looks mit rohen Säumen. Genervt, dass sich die halbe Welt gerade ihre Jeans abschneidet?

MARTA MARQUES Ach, eigentlich nicht. Nachahmung ist das größte Kompliment. Wenn die Leute ihre Jeans nehmen und selbst etwas daraus machen, ist das doch super. Uns stört höchstens, wenn große Marken diesen Stil kopieren. Wir sind ja noch ein kleines Hinterhoflabel.

FF Was ist die Idee hinter den aufgeribbelten Säumen?

MM Ehrlich gesagt waren sie ein Unfall. Weil wir nicht aus der Jeanswear kommen, kannten wir uns mit Finishes nicht so gut aus. Dass man den Stoff zum Beispiel unbedingt säumen muss, bevor man ihn behandelt – wenn man ihn nicht komplett ruinieren will. Wir haben ihn einfach in die Maschine geworfen, und heraus kamen die ausgefransten Teile.

FF Trotz Ihrer Unerfahrenheit musste es Denim sein.

PAULO ALMEIDA Unbedingt! Als wir uns alte Ausgaben von Magazinen wie The Face angeschaut haben, erkannten wir, dass Denim die Ästhetik der Neunziger sehr geprägt hat – mit seinem kompromisslosen Realismus, seiner Lässigkeit und Rohheit. Genau das sollte unseren Look definieren.

MM Paulo und ich sind in Portugal auf dem Land aufgewachsen, Modemagazine gab es praktisch nicht. Wir haben geschaut, was unsere Freunde und älteren Geschwister tragen, und verfolgt, was bei MTV läuft. Unsere Referenzen sind sehr realistisch. Das hat beeinflusst, wie wir Mode sehen. Uns geht es nicht um Glamour, sondern um das, wofür Denim steht: diese rohe Ästhetik, die wir aus unseren Teenagerjahren in den Neunzigern kennen.

FF Aber ist Mode nicht dafür da zu träumen?

MM Trotzdem muss sie im Alltag funktionieren. Daher lassen wir uns auch von realen Mädchen inspirieren. Von einer 15-jährigen Frankie Rayder. Oder einer Kate Moss auf einem Corinne-Day-Foto. Es kann aber auch irgendein Mädchen sein, das wir im Supermarkt sehen.

“In unserer Mode geht es nicht um Glamour, sondern um das, wofür Denim steht: diese rohe Ästhetik, die wir aus unseren Teenagerjahren kennen.”
MARTA MARQUES

FF Warum designen Sie als Duo?

PA Wir haben uns während des Studiums in Portugal kennengelernt, aber zunächst immer an verschiedenen Projekten gearbeitet. Denn eigentlich haben wir eine sehr, sehr unterschiedliche Ästhetik und auch unterschiedliche Arbeitsweisen.

FF Wie müssen wir uns das vorstellen?

PA Es war erst einmal ein bisschen schwierig herauszufinden, wie die Rollen verteilt sind. Wir haben eigentlich einen sehr weiblichen und männlichen Designansatz.

MM Ich bin mehr für den generellen Vibe der Kollektion verantwortlich, für die Bilder und die Stimmung, die sie transportiert. Paulo ist technisch unglaublich gut und hat ein Auge dafür, dieses Durcheinander an Ideen in konkrete Produkte umzusetzen.

PA Marta sagt: „Das ist das Mädchen, das wir diese Saison erfinden wollen.“ Ich schaue mir die Bilder an und denke mir, sie würde diese Art Jacke tragen und dazu diese Schuhe. Am Ende entscheiden wir alles aus dem Bauch heraus.

 

 

MARTA MARQUES und PAULO ALMEIDA haben Modedesign am Londoner Saint Martins College studiert. Nach Jobs bei Vivienne Westwood und Preen gründeten sie 2011 ihr eigenes Label. Marques Almeida haben mit Topshop kollaboriert und sind die Gewinner des LVMH-Preises 2015.

SMALLTALKS……