Magda 

Butrym

Die aus dem südpolnischen Ort Zabrze stammende Magdalena Butrym ist mit voller Kraft in die Modewelt eingestiegen. Vor vier Jahren gründete die 33-jährige ihr gleichnamiges Label in Warschau, das bereits in über 124 Läden weltweit verkauft wird. Bekannt wurde sie mit Seidenkleidern und Rüschen-Blusen. Heute gilt sie als aufregendster Modeexport Polens und ist sie die Favoritin, wenn es darum geht, Romantik in hoher Schneiderkunst zu fertigen, die sich auch noch ausgesprochen modern anfühlt. Getragen wurden ihre Kleider bereits von Größen wie Anja Rubik oder Alicia Vikander.

 

CARA LERCHL Kannst du uns beschreiben, wie du deine Kindheit verbracht hast?

MAGDALENA BUTRYM Ich hatte eine schöne Kindheit, auch wenn es nicht die üppigste war. Ich bin in einer kleinen Stadt im Süden Polens ausgewachsen. Es war nicht unbedingt der glamouröseste Ort, aber ich habe das Gefühl, dass ich Raum hatte ein Kind zu sein und erkunden konnte was auch immer mich interessierte, ohne großen Druck oder Einflüsse. Es hat mich auch gelehrt, schon in jungen Jahren proaktiv zu sein. Ich bin ohne Internet aufgewachsen – wenn ich etwas wissen wollte, dann musste ich in eine Bibliothek gehen. Damals gab es in Polen auch nicht viel Mode, also musste ich die Stücke selber machen, die ich haben wollte.

CL Du kommst aus Polen und repräsentierst eine neue Generation von östlichen Designern, die sich weg von klassischer Mode bewegen.

MB Ich glaube nicht, dass ich so gut in den Trend der „Ost-Designer“ hineinpasse – es fühlt sich ein bisschen zu streng und rau an. Meine Designs sind viel romantischer und femininer, was ich auch als östliche Sensibilität bezeichne, die vielleicht etwas weniger erforscht ist.

Feminismus bedeutet, Frauen das Recht zu geben, all das zu tun, was sie wollen.

 

MAGDALENA BUTRYM

CL Gab es einen besonderen Grund oder Moment, der dich dazu brachte, in der Mode zu arbeiten?

MB Es gab nicht wirklich den einen Moment. Ich habe angefangen, Kleidung für mich selbst zu machen und arbeitete dann als Stylistin. Es gab bestimmte Stücke, von denen ich dachte, dass sie bei meinen Kunden gut aussehen würden, aber ich konnte sie nirgends finden. Deshalb habe ich beschlossen, sie selbst zu machen. Mir war es wichtig, dass meine ersten Kunden keine Models waren, sondern berufstätige Frauen in verschiedensten Formen und Größen – Theaterschauspielerinnen, Journalisten. Ich habe stundenlang mit ihnen geredet und all das wertvolle Feedback gesammelt – was sie mögen, was sie nicht wollen und was sie gerne besitzen und tragen würden.

CL Wie hast du dich als Teenager angezogen?

MB Ich bin durch viele Phasen gegangen, habe aber immer alles selber genäht. Ich erinnere mich noch als ich Blitz Kids entdeckte und wie ich versuchte die bestickten Jacken nachzumachen. Später war es dann Thierry Mugler – ich stöberte durch etliche polnische Second Hand Läden um etwas zu finden, was wenisgtens den Formen ähnelte.

CL Was ist die Magda Butrym DNA?

MB Feminine, gehobene, raffinierte Essentials.

CL Was bedeutet Feminismus für dich heutzutage?

MB Feminismus bedeutet, Frauen das Recht zu geben, all das zu tun, was sie wollen. Ob es sich dabei um eine Geschäftsfrau handelt, um eine Hausfrau und Mutter, oder um beides. Es geht darum, diese Entscheidung zu respektieren. Manchmal habe ich das Gefühl, dass heutzutage so viel Druck auf Mädchen ausgeübt wird, die Welt zu erobern – einige von ihnen werden das erreichen, was natürlich fantastisch ist, und einige von ihnen werden es nicht, und das ist auch in Ordnung. Ich denke, jede Frau sollte Anerkennung und Respekt dafür erhalten, wer sie ist.

CL Welche Designer verfolgst du gerne?

MB Ich greife oft auf alte Yves Saint Laurent Originale zurück. Er hat alltägliche Mode neu definiert, ohne ihn wären wir nichts. Von den aktuelleren Designern schaue ich mir gerne Simone Rocha an, ich respektiere ihren sehr persönlichen Zugang zur Weiblichkeit.

CL Woher nimmst du deine Kreativität zu designen?

MB Ich lebe und arbeite in Polen, was mich sehr geerdet hat. Jeder Tag ist wie ein kreativer Wasserfall. Aber selbst dann, tauche ich in meinem Studio auf und skizziere, recherchiere und mache mir Notizen. Ich glaube, dass die meisten Menschen sich einen magischen Trick vorstellen – die heilige Inspiration klopft eines Tages an deine Tür. Vielleicht funktioniert das bei anderen so, ich brauche meine Zeit und muss dafür arbeiten.

MAGDA BUTRYM HERBST/WINTER 2018/19

CL Was ist die Idee hinter deiner neuesten Winterkollektion?

MB Meine aktuelle Kollektion heißt Rodeo To Vegas. Ich war sehr von den alten, amerikanischen Rodeo Girls inspiriert. Ich fand ihre Einstellung sehr modern – sie waren diese super selbstbewussten, vielleicht ein bisschen wilden Mädchen, die auf den Vintage Fotos immer noch unglaublich charmant und feminin wirken. Ich wollte wirklich nur einige Elemente dieser Mode, wie zum Beispiel Fransen, erforschen und sehen, wie diese Details in der zeitgenössischen Garderobe funktionieren. Bei dem Vegas-Element geht es für mich um die freudige Einstellung und den Spirit. Ich war damals mit meinem Sohn schwanger, und obwohl ich in meinem Leben wirklich weit von Vegas-Partys entfernt war, hatte ich das Gefühl, Stücke entwerfen zu wollen, die aufmuntern und ein wenig üppig wirken.

CL Welche Stars hast du bisher am Liebsten in deiner Mode gesehen?

MB Alicia Vikander, Rosie Huntington – aber um ehrlich zu sein, finde ich es auch schön weniger berühmte Frauen in meinen Klamotten zu sehen.

CL Was sind deine Ambitionen für die Zukunft?

MB Besser in meinem Job werden! Bis jetzt sind es nur 4 Jahre, also ist es immer noch ein Lernprozess für mich. Ich erfahre viel über Design, Stoffe, über die Geschäftswelt, über Frauen – das ganze Paket. Und natürlich würde ich mich gerne erweitern. Die Einführung einer kompletten Schuhkollektion in dieser Saison war ein großer Schritt für mich, und ich freue mich sehr darauf, es weiter zu entwickeln. Außerdem würde ich gerne eine größere Accessoires-Linie kreieren, ein Haute Couture-Projekt wäre auch interessant, da mich die Handwerkskunst fasziniert. Ich würde auch gerne unsere Präsenz außerhalb des Europäischen Marktes verstärken, eine Reise nach Asien machen und die Chance haben, meine Kunden dort zu treffen und von ihrem Leben und ihrer Mode zu erfahren.

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