Alexander McQueen

Alexander McQueen war bekanntlich der begabteste Modedesigner seiner Generation, wahrscheinlich aber auch der depressivste. Er steckte Frauen in zerfetzte Kleider und Hosen, die südlich des Hüftknochens begannen, und klebte ihnen Prothesen ins Gesicht. Manch einer übersah, dass es ihm dabei um die Ermächtigung der Frau ging und nicht um ihre Degradierung.

Die Dokumentation „Alexander McQueen“ schafft Abhilfe. Sie erzählt von Lee, dem dicken Kind einer Londoner Arbeiterfamilie, das bei den besten Schneidern des Landes Maßanzüge lernt, dann: kometenhafter Aufstieg in Londons Subkultur, schließlich überall. Es ist ein toller, trauriger Film mit traurig-tollem Filmmaterial. Etwa aus der Zeit um 1997, als McQueen miteiner Entourage aus Stylisten und Clubkids nach Paris umzog, weil er gerade überraschend zum Givenchy-Designer ernannt worden war, für beide Seiten ein Schockerlebnis. Man sieht McQueen und seine Freunde Quatsch in Pariser Schneiderateliers machen und in leeren Wohnungen in Bestlage vorglühen. Und schließlich: McQueen, dem die Erlebnisse seiner Kindheit plus das Arbeitspensum zweier Modehäuser plus zahlreiche Drogen den Rest geben. Ausgemergelt im weißen Maßanzug ist er da kaum noch zu erkennen.

AB 29. NOVEMBER IM KINO

MORE……