JANA

WIELAND

Pyjama und Oversize haben der Wienerin Jana Wieland, die 2016 ihr gleichnamiges Label gründete, den diesjährigen Modepreis der Stadt Wien verschafft. Ein Gespräch über Bett, Film und einen weißen Teller.

INTERVIEW Ihre aktuelle Kollektion sieht aus wie eine Woche Pyjama-Party. Welche Rolle spielt das Bett in Ihrem Leben?

JANA WIELAND Ich versuche gerade, meinem Bett seine ursprüngliche Zweckdienlichkeit zurückzugeben. Weil es ein anregender Ort für mediale Aktivitäten ist, kann ich darin kaum mehr schlafen. Meine Mode steht für frische Unangestrengtheit, sie diskriminiert keine Körperformen und soll den weiblichen Körper mit Respekt und Eleganz umhüllen.

IV Dabei wirkt Ihre Mode eher geschlechtsneutral.

JW Eigentlich beschäftigt sie sich nicht mit Geschlechterrollen. Es gefällt mir aber, dass sie eigenständig Botschaften vermittelt. Feminismus bedeutet für mich, zwischenmenschliche Aufmerksamkeit und Achtsamkeit – geschlechtsunabhängig.

IV Welche Erfahrungen durften Sie in Wien bislang mit der Mode sammeln?

JW Gute – hier schaffe ich es, konzentriert und ruhig zu bleiben. Ich suche pulsierendere Orte gezielt auf, wenn es das innere Bedürfnis oder die äußere Notwendigkeit verlangt. Die Mode muss man hier zwar suchen gehen wie Schwammerln, aber sie lässt sich finden.

IV Gibt es Orte, die sich dort magisch für Sie anfühlen?

JW Magische Gefühle stellen sich bei mir manchmal ein, wenn ich an einem tristen Tag an einen verlassenen Ort gehe und plötzlich feststelle, fremd oder alleine zu sein. Das gefällt mir.

IV Woraus speisen sich Ihre Inspirationen?

JW Generell aus Filmen. Im Speziellen aus der Verdichtung von Bild, Ton, Bewegung, Zeit und Perspektive. Der Recherche-Ordner auf meinem Computer ist voll mit Screenshots von Figuren, deren Hintergrund mir gefällt – sei es der Vorhang oder die Unordnung, die Wäscheleine oder einfach die Farben.

IV Gibt es einen Grund dafür, warum Sie für Ihr Label modeln?

JW Ich stehe meiner Mode so nah, dass sie schon fast autobiografisch ist. Es war keine Entscheidung, sondern eine Selbstverständlichkeit für mich. Das bedeutet aber nicht, dass meine Mode nur großen, schlanken Frauen steht!

IV Welche drei Objekte haben Ähnlichkeiten mit ihrer Mode?

JW Ein weißer Teller, weil er unprätentios ist. Ein Glas Wasser, still, und meine Roland Rainer Sofa-Garnitur, die so schlicht und schick ist, dass bisher jeder davon überascht war, dass sie trotzdem bequem ist.

IV Erzählen Sie uns von ihrer „Amore“ Frühjahr/Sommer 2019-Kollektion. Was war der Ausgangspunkt?

JW Der Film „Io sono l’amore“ von Edoardo Gabbriellini. Der wurde in der Villa Necchi Campiglio gedreht, mit den bildgewaltigsten Übergangsszenen. Daraus destillierten sich dann Farben, Materialien und kleine Stiltendenzen – entkoppelt vom filmischen Inhalt. Für mich ist dieser themenlose Ansatz oft ein ewiges Tasten im Dunklen, aber hinsichtlich Stimmigkeit hat er sich bewährt.

IV Filme beiseite – haben Sie Lieblingskünstler?

JW Spontan fallen mir Edmund de Waal, die Gelitin-Gruppe, Markus and his Flowers und Milan Mladenovic ein.

IV Ambitionen für die Zukunft?

JW Langsam aber stetig zu wachsen. Ich glaube, so lässt sich am besten verhindern, Andere oder sich selbst auszubeuten.

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