THIS WAS REFERENCE BERLIN 2019

24 Stunden lang stand eine heruntergerockte Parkgarage im Herzen von Berlin-Neukölln unter dem Motto Working Out Loud.

Was dies genau bedeutete, spürten die 2000 Teilnehmer des Festivals – die Atmosphäre war positiv aufgeladen und durchtränkt mit Kreativität. Interessierte aus Kunst und Kultur scharten sich am 18.Mai zusammen, um Installationen, Talks und in Folge natürlich eine grandiose Party zu erleben. Wer sich schon mal gefragt hat, was Zeitgeist eigentlich bedeutet, der hat seine Antwort in REFERENCE BERLIN gefunden. Hier wurde das Präsens in seiner Reinkultur gefeiert.

Höhepunkte waren zum Beispiel die Konversation von CALA, Fecal Matters und Isamaya Ffrench rund um alternative Schönheitsideale, Sustainability durch Technologie und Virtual Outfitting. Eine Roboter-Band, präsentiert von 032c, zeigte ihr Können und jagte dem ein oder anderen Schauer über den Rücken. Die koreanische Brillenmarke Gentle Monster blickte in Kollaboration mit dem Künstler Frederik Heyman in die Zukunft und prangerte den Klimawandel an.

 

 

(c) Getty by Sebastian Reuter

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INTERVIEW sprach mit dem Organisator und Mastermind der Veranstaltung Mumi Haiati, der sich mit seiner 360° Agentur Reference Studios für die Umsetzung des Festivals verantwortlich zeigte:

INTERVIEW Wie geht es dir nach der Veranstaltung? Was ist dein Resümee?

MUMI HAIATI Die Nervosität bleibt wohl bei keinem ersten Mal aus. So weit, dass es beizeiten schwierig ist, zwischen ihr und eigentlicher Vorfreude zu unterscheiden – im Nachhinein zeigt sich allerdings, dass letztere wohl angebrachter gewesen wäre. Zum Glück! Unsere Stärke besteht besonders in Flexibilität; geht ein Plan nicht auf, haben wir bereits den nächsten parat. Am Ende ist doch alles aufgegangen, wenn auch oft anders als wir es zunächst vorhatten – was definitiv nicht einmal negativ klingen soll: Schließlich sind wir sehr zufrieden mit den Resultaten. Unseren eigenen Vorstellungen sowie derer unserer Gäste sind wir mindestens gerecht geworden. Die erwartete Besucherzahl haben wir weit hinter uns gelassen. Was allerdings auch Pläne betrifft, war wohl unsere Erwartung an eine Unterstützung von Staat, Stadt und Senat. Bei allen Erklärungsversuchen, ob in Worten oder Zahlen, kam da leider gar nichts. Ein unparteiischer Investor ist bei unserem offenen Format natürlich am spannendsten. Überhaupt leisten wir doch einen Beitrag zur kulturellen und wirtschaftlichen Landschaft. Diese Verschlossenheit hat uns sehr überrascht – und enttäuscht. Fürs nächste Mal wünschen wir uns eine Änderung; was wir machen, dürfte jetzt wohl klar sein.

Gentle Monster x Frederik Heymann Installation (c) Getty by Sebastian Reuter

I Was hat man verpasst, wenn man beim Event nicht dabei war?

MH Reference Berlin hat sich auf allen Ebenen (das Parkhaus mit inbegriffen) bewiesen, als ein Ort des Zusammenkommens. Neue Wege öffnen sich durch Zusammenarbeit – wenn jeder seinen Teil beiträgt. Wir haben das spannendste Talent aus einer Vielzahl von Hintergründen zusammengebracht, wodurch unerwartete Ergebnisse entstanden sind. Das ist nicht nur erfrischend, sondern wichtig für den Fortschritt. Unser Alltag wendet sich noch immer weiter dem Digitalen zu, was echte, von allen Sinnen spürbare Erlebnisse um so wichtiger macht. Dazu beigetragen haben besonders die einzigartigen, oft wahnsinnigen Installationen der Comme des Garçons Familie, etwa die fesselnde Show von Jordan Hemingway und Jan Heinrich, präsentiert von Dover Street Market: Die befasste sich mit Ecstasy als sub- und popkulturelles Phänomen. Zu unseren Gästen zählten Adrian Joffe, Renzo Rosso, Gosha Rubchinskiy und Stefano Pilati. Wir sehen darin ein Symbol großer Anerkennung.

I Hat ein interdisziplinäres Gesamtkonzept das Potenzial, so etwas wie eine Fashion Week abzulösen?

MH Diesen Anspruch erheben wir nicht. Dass aber dieser Eindruck entsteht, spricht vielleicht für uns, vielleicht für unser Konzept oder das Bedürfnis nach neuen Formaten. Eine Fashion Week hat doch eine Berechtigung. Wir bieten keine Alternative, sondern etwas Neues. Wir machen uns keine Gedanken um eine mögliche Koexistenz, schließen sie aber keinesfalls aus. Statt um die Präsentation von Mode geht es uns um die Erfahrung, um Inspiration, neue Perspektiven. Mode ist uns natürlich sehr wichtig und sie ist und bleibt Hauptbestandteil unseres Festivals. Berlin allerdings ist allein geschichtlich weniger eine Stadt der Mode, wohl aber der Kreativität. Diesen Gedanken wollen wir fördern über unser Medium, die Mode – und schließlich mittels Reference Berlin. Besonders aber fördern wollen wir die Kreativen selbst: als Agentur widmen wir uns besonders diesen Szenen. Berlin ist ein Ort zum Experimentieren, darauf baut Reference Berlin auf.

I Was ist “Kultur” für dich?

MH Etwas, um das wir uns alle kümmern müssen. Klar besteht sie in der Summe ihrer Bestandteile, Kunst, Mode, Musik, Design und die damit verbundenen Gruppen. Was bedeutet nun, sich zu kümmern? Kultur ist Wachstum, was schon der Begriffsursprung nahelegt. Arbeiten wir nicht zusammen stagniert sie – was sie wiederum unmöglich macht. Bei Reference Berlin treffen all ihre Bestandteile aufeinander, um ein neues, größeres Ganzes zu formen. Nach meinem Verständnis kommen wir ihrer Definition schon recht nahe; zwar ist auch das nicht unser Anspruch, aber es ist ein gutes Gefühl, dass wir auf dem besten Weg sind, uns zu relevanten Plattform zu entwickeln. Diese Förderung liegt uns am Herzen. Wir wollen eine Weiterentwicklung sehen – und sein.

 

Martine Rose x Ortamiklos introduced by Hans Ulrich Obrist (C) Sebastian Reuter

Alyx x Haruka Hirata (C) Getty by Sebastian Reuter

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PERFECT NUMBER (C) Getty by Sebastian Reuter

MTV x Selam X (C) Getty by Sebastian Reuter

032c (C) Getty by Sebastian Reuter

Fecal Matters (c) Lucas Ccaqlar

Klaus Stockhausen und Tobias Frericks (c) Lucas Ccaqlar

Artwork by Julian Sellmeister (C) Getty by Sebastian Reuter

Artwork by Julian Sellmeister (C) Getty by Sebastian Reuter

Comme des Garcons Parfums Preview with Matt Lambert (c) Getty by Sebastian Reuter

High Snobiety (C) Getty by Sebastian Reuter

Panel Talk Cala x Fecal Matters x Isamaya Ffrench (C) Getty by Sebastian Reuter

Paa Joe (C) Getty by Sebastian Reuter

Bocci (C) Getty by Sebastian Reuter

 

Text JULIA DEUTSCH
Fotos SEBASTIAN REUTER & LUCAS CAQLAR