WANDERING HIGH

Christelle Kocher und ihr Team entführen uns nach Tokyo – in die Stadt in der Tradition und Moderne aufeinandertreffen wie sonst nirgendwo. Mit ihrem Label Koché, das lässig hohe Schneiderkunst mit popkulturellen Einflüssen verbindet, zeigt sie, was es bedeutet, wenn Mode im Puls mit Tokyo schlägt.

In einer visuellen Dokumentation blicken wir hinter die Kulissen der FW19 Show, die dieses Frühjahr hoch über den Dächern der Shibuya Kreuzung stattfand. Das französische Modehaus feierte die japanische Kultur mithilfe von Kooperationen mit dem japanischem Urgestein Pokémon oder dem berühmten Stoffhersteller Nakaden.

Cinematographie und Theater standen seit Anbeginn im Markenkern von Koché – so wurden bereits diverse Projekte und Kurzfilme umgesetzt, die uns in die Welt von Koché eintauchen lassen. Christelle Kocher erzählte Interview im Gespräch von ihrer besonderen Liebe zu Tokyo, was sie and der pulsierenden Metropole fasziniert und wieso tokyoter Stil immer elegant ist.

 

 

Julia Deutsch Warum war gerade Tokyo der richtige Ort, um deine Kollektion zu zeigen?

Christelle Kocher Ich habe eine besondere Beziehung mit Tokyo. Wir wurden damals in 2015 von der Tokyo Fashion Week eingeladen – da stand die Brand noch ganz am Anfang. Es war eine verrückte Erfahrung: wir hatten den Laufsteg in einer Straße des Harajuku Viertels aufgebaut und zeigten mitten in der Nacht. Wir blieben über eine Woche lang in Tokyo, lernten viele Leute kennen, von denen manche zu Freunden wurden. Noch heute sprechen viele über diese Show – das war ein schöner Startpunkt. Ich wollte es ehrlich gesagt nicht bei dieser einmaligen Erfahrung belassen. Ich möchte seither eine tiefe, starke und langfristige Verbindung zu der Stadt aufbauen. Deshalb haben wir uns entschieden, eine weitere Show nach Paris im März dranzuhängen, aber in Tokyo. Diesmal veranstalteten wir diese direkt über der berühmten Shibuya Kreuzung, auf einer Dachterrasse eines Buchladens – auch nachts. Man konnte all die Geräusche der großen Screens und die tausenden Menschen von der Straße hören. Es war eine elektrische Stimmung, irgendwie wahnsinnig, poetisch und futuristisch. Wir hatten eine Kollaboration mit Pokémon und Pikachu im Rahmen der Show, bei der wir exklusive Stücke kreiert haben. Außerdem haben wir mit japanischen Stoffherstellern wie Nakaden, Pattern-Makers und Manufakturen kollaboriert. Jetzt träume ich nur davon, zurückzukehren und dort etwas Neues zu machen.

JD Was genau inspiriert dich an Tokyo?

CK Tokyo ist eine einzigartige Welt, selbst in ganz Asien kann man kein Äquivalent finden. Nirgends gibt es so viele wunderschöne Paradoxe zwischen Tradition und Moderne. Ich liebe es, in der Stadt zu spazieren – man weiß nie, was man so findet. Es herrscht ein starkes Gefühl von Frieden, trotz den extremen klimatischen Bedingungen, die manchmal über der Stadt hereinbrechen. Die Menschen haben eine tiefe charakterliche Stärke. Ich liebe es, dort zu arbeiten. Ich lerne dort viel.

JD Welche Hot Spots kannst du empfehlen?

CK So viele! Ich liebe es, zum Tsutaya Buchladen in Daikanyama zu gehen. Oder zum Nakano Broadway, weil man dort die verrücktesten Sachen findet, die man sich vorstellen kann. Ich verliere mich selbst gerne in Shibuya, gehe auf einen Drink in der Piano Bar, einem kleinen Ort in der Nähe der Kreuzung. Wenn man gut essen will, dann findet man ständig neue Restaurants, neue Aromen. Man sollte in Tokyo auch nie schlafen – der Tag wie die Nacht, alles ist faszinierend.

JD Wie würdest du den Modestil von Tokyotern und Tokyoterinnen beschreiben?

CK Die haben exquisiten Geschmack, auch der Koché Stil wird dort sehr gut verstanden, weil man keine Angst davor hat, Dinge miteinander zu mixen. Tokyo-Natives sind sehr kreativ – die Jugend natürlich, aber jede Generation hat ihre eigene Art von Eleganz, das finde ich toll.

 

Interview JULIA DEUTSCH