VIVA LA DIVINE

Divine – englisch für göttlich. Divine – außerdem die wohl ikonischste Drag Queen der 80er Jahre, die Diva des Filth, die Inkarnation der provokanten Extravaganz.

Bleiben wir kurz beim Wort Diva: Diva ist die Ableitung des lateinischen Worts divus, was ebenfalls göttlich bedeutet. Als Diva wurden ursprünglich Frauen beschrieben, die über ein herausragendes Gesangstalent, vor allem in der Oper, verfügten. Das wurde dann im 20. Jahrhundert auf unerreichbare „Stars“ der Schauspielerei und Popkultur übertragen und spätestens in den 90er Jahren, von US-Amerikanischen Sängerinnen wie Whitney Houston oder Mariah Carey vereinnahmt. Weil Unerreichbarkeit in der jüngeren Moderne keine Tugend, sondern viel mehr ein Laster darzustellen scheint, wurde Diva schnell zur negativ konnotierten Beschreibung übertriebener Allüren und abgehobener Attitüden. Inzwischen wirkt auch diese Interpretation wieder neutralisiert. In Zeiten von Instagram und Co, bietet Unnahbarkeit wohl doch wieder einige Qualitäten: Die Meme-Kultur blickt auf Diva Mariah Carey, beispielsweise, mit einer seltsamen Mischung aus Bewunderung und Belustigung, wobei Vergleiche mit ihrer Ikonenhaftikeit bei Nachwuchs-Diven auf die Schnelle nicht zu finden sind.

 

Mit Divine  hat diese ganze Ausführung so viel zu tun, als das sie dieses ganze Hin und Her schon mit Begründung ihrer Göttlichkeit  überwunden bzw. als ihren Charakter verinnerlicht hat. Ohne irgendein Vorbild, verhalf der nicht minder ikonische Regisseur John Water, einem 17-jährigen, pummeligen Jungen mit dem Namen Harris Glenn Milestead aus Balitmore, zur Transformation: Divine sollte von nun an, gottgleich, als „the filthiest person alive“, die Unsterblichkeit anstreben.
Heute kennen wir nicht nur ihre Filme, etwa Pink Flamingos, Hairspray oder Lust in The Dust, erinnern uns an ihre Theaterstücke, beispielsweise The Neon Woman, sondern tanzen auch zu ihren Hi-NRG-Hits wie You Think You’re A Man oder Shake It Up.

Und weil jetzt die Pride-Season startet, hatte LOEWE beziehungsweise Creative Director Jonathan Anderson die glorreiche Idee, Divines Divineness noch ein bisschen mehr zu verewigen und plante ihr zu Ehren eine Capsule Collection, plus eine retrospektive Ausstellung auf der PhotoEspaña in Madrid. Da funkte dann aber einer Pandemie dazwischen, weshalb die Kollektion jetzt etwas reduzierter (aber definitiv nicht weniger camp) in Form von drei T-Shirts und einer Cushion Tote Bag daherkommt. Die Ausstellung wird derweil, für alle sichtbar, Online zu finden sein. Das ganze wird am 25. Juni gelauncht und ist als Teaser jetzt schon hier zu finden.
Ach übrigens, es ist wahrscheinlich nicht ganz unwichtig zu erwähnen, dass 15 % des Erlöses der Organisation Visual AIDS zugute kommt. Die Organisation bekämpft mit Hilfe von zeitgenössischer Kunst AIDS, indem sie die Diskussion über die immer noch tödliche Krankheit antreibt und HIV-positive Künstler unterstützt. Außerdem verspricht LOEWE die Baltimore Pride mit einer Spende zu unterstützen.

 

 

Words TOBIAS LANGLEY HUNT