VESTIAIRE COLLECTIVE SELLING BEHAVIOUR REPORT

In Zeiten wie diesen, in denen Decluttering zur obersten Maxime erkoren und Aufräum-Expertinnen wie Marie Kondo als Superstars gefeiert werden, stellt man sich zusehends selbst die Frage: Wäre mein Leben besser, wenn ich weniger besitzen würde?

Abgesehen von popkulturellen Entwicklungen, ist es kein Geheimnis, dass die Modeindustrie sich mit großen Problemen konfrontiert sieht und zu den größten Umweltverschmutzern der Welt zählt. Laut einem McKinsey Report aus 2016, werden sich bis zum Jahr 2025 die Kohlenstoffemissionen weltweit um bis zu 80% steigern – vorausgesetzt die Wirtschaftskraft von Schwellenländern erreicht bis dahin ein westliches Niveau.

Die bekannte Pre-Loved Fashion Plattform Vestiaire Collective setzte sich mit diesen Entwicklungen auseinander und nahm deshalb das eigene Geschäftsmodell unter die Lupe. Im Global Reselling Report wurden die Motivationen und Handlungen von Nutzern untersucht und fand dabei spannende Fakten rund um Re-Selling heraus.

Modischer Wandel vs. Nachhaltigkeit

Laut dem Bericht erledigen die Meisten Nutzer das Ausmisten auf einen Schwung – abgesehen von französischen Nutzern, die tendenziell stetig entrümpeln und direkt wiederverkaufen. Spannend ist auch zu sehen, dass Deutsche den nachhaltigsten Zugang zu Mode haben und 29% von ihnen Re-Selling der Sustainability zuliebe tun. Für andere Nationen zählt im Vergleich vor allem die Motivation, Dinge zu verkaufen, die sie (aus modischen Gründen) nicht mehr tragen.

Die Mitbegründerin von Vestiaire Collective Fanny Moizant selbst meint außerdem, dass die größten Veränderungen in der Modebranche sich durch das veränderte Bewusstsein der Kunden rund um Nachhaltigkeit ergibt. Es ist eine massive Herausforderung für die gesamte Industrie, Prozesse zu verändern und dem Druck standzuhalten, der sich in den nächsten zehn Jahren noch verstärken wird. Das Nutzungsverhalten der jüngeren Generation drängt Brands dazu, sich auf die neuen Bedingungen des Marktes einzustellen und in Folge auch anders mit den zukünftigen Endverbrauchern in Kontakt zu treten.

 

Ist Second Hand und Pre-Loved Fashion also die Antwort auf Fast Fashion?

Laut Fanny Moizant ist Pre-Loved Fashion zumindest ein Schritt in die richtige Richtung und eine relevante Alternative zu Fast Fashion. Es erlaubt den Trägern ihr Bedürfnis nach „Newness“ zu befriedigen und gleichzeitig die Lebensdauer von Stücken zu verlängern, die bereits zirkulieren. Vestiaire Collective versucht den Kunden das Investment in Qualität näher zu bringen, während Fast Fashion genau das Gegenteil propagiert.

 

Fanny Moizant

Gerade wenn es um die Lebensdauer eines Kleidungsstückes geht, zeigen sich drastische Unterschiede im Bewusstsein und Handeln. Trägt der oder die gemeine Deutsche ein Teil mindestens zehn Mal und öfter, bevor ein weiterer Verkauf in Erwägung gezogen wird, so geben 37% der Briten an, dass sie viele Dinge ungetragen weiterverkaufen. Tendenziell sind die stärksten Zeiten für Re-Selling die klassischen Saisonübergänge im März und Oktober/November.

Werden wir irgendwann gar keine Kleidungsstücke mehr besitzen?

Wenn mit den alarmierenden Fakten der Umweltverschmutzung konfrontiert, drängt sich zunehmend die Frage auf, ob sich Mode nicht auch in die Sharing Economy eingliedern könnte. Fanny Moizant sieht Resale als Schlüsselelement zu einer Shared Fashion Economy an. Die Modeliebhaber können sich so mit Stücken umgeben, die sie mögen, sie nach Belieben nützen und dann womöglich noch einen guten Deal beim Weiterverkauf herausschlagen. Eine starke Community ist für dieses Modell jedenfalls unabdinglich.

Für alle die, die sich aus emotionalen Gründen nur schwer von Kleidungsstücken trennen können, hat die Vestiaire Collective Gründerin zum Abschluss noch einen Gedanken parat:

 

„Wir definieren uns zu oft über das, was wir besitzen. Man sollte Dinge nur behalten, wenn man sie regelmäßig nutzt und sie einen Zweck bedienen. Sobald es diesen nicht mehr gibt, ist es vielleicht Zeit, jemand anderem die Chance zu geben sich an einem Stück zu erfreuen.“

 

Words JULIA DEUTSCH