RING MY BELL

Der Schweizer Modedesigner Julian Zigerli ist bekannt für seine experimentellen Ausflüge in die Welt der Kunst, das passiert meistens in Form von Kollaborationen mit anderen Kreativen, die sich entweder mit Prints, der Kampagne oder bei der Präsentation auf Zigerlis Klamotte austoben dürfen. Darunter waren schon namhafte Persönlichkeiten, etwa die Künstlerin Katharina Grosse oder der Fotograf Walter Pfeiffer, aber auch Nachwuchstalente wie Christopher Füllemann oder Manon Wertenbroek. Für die aktuelle Herbst/Winter Kollektion, die den klingenden Namen ‚Ring my Bell‘ trägt, holte sich Zigerli Christoph Hefti ins Haus bzw. auf die Alb. Der ebenfalls aus der Schweiz stammende Künstler, der eigentlich Textildesigner ist (wie wir selbst erst im Interview herausgefunden haben), entwarf schon Drucke für u.a.  Dries van Noten, Balenciaga oder Mugler. Inzwischen ist er eher bekannt für seine überdimensionalen Wandteppiche mit Maskenmotiven. Übrigens, im Aargauer Kunsthaus sind noch bis zum 5. Januar 2020 einige seine Werke in der Ausstellung „MASKE“ zu sehen. Und, nochmal übrigens: die Bilder der Kampagne von „Ring my Bell“ wurden von Fotograf Alexandre Haefeli ebenfalls im Aargauer Kunsthaus geschossen.

Weil man Konsequent ist, zwei Schweizer Designer machen in der Schweiz gemeinsam Schweizer Sachen, spielt die Kollektion inhaltlich mit Einflüssen der helvetischen Folklore: von Kuhglocken bis zum alpinen Wäldchen findet man vieles, natürlich nicht ohne Augenzwinkerli.

JULIAN ZIGERLI AW19 ’RING MY BELL’, Photo: Alexandre Haefeli

 

Vor gut einem Monat, kurz vor der offziellen Präsentation der Kollektion ‘Ring my Bell’ in Zürich, hatte INTERVIEW die Möglichkeit, dem Künstler Christoph Hefti ein paar Fragen zu stellen:

INTERVIEW Sie arbeiten oft mit Modedesignern zusammen, was ist das Spannende daran?

CHRISTOPH HEFTI Das Spannende daran sind natürlich einerseits die Stoffe und ihre Prints, aber anderseits auch, dass ich für einen ganz bestimmten Teil verantwortlich bin, der zwar nicht so groß ist, bzw. das kommt ganz auf den jeweiligen Designer an, der aber doch ziemlich wichtig ist. Die Prints manifestieren oft das Thema oder den Unterschied zu anderen Kollektionen. Dabei nähert sich jeder Designer diesem Thema anders, Julian Zigerli z. B. breitet die Drucke auf die ganze Kollektion aus, Dries van Noten macht das ähnlich und andere Labels, z. B. Lanvin oder Balenciaga, bespicken ihre Kollektion ganz spezifisch mit Prints, sie setzten diese dann nur an ein, zwei Outfits ein.

INTERVIEW Kennen Sie dann die Outfits davor, oder liefern Sie einfach die Prints ab und lassen die Designer dann damit arbeiten?

CH Nein, meistens kenne ich die Outfits, bzw. ich kenne vor allem die Kollektion ziemlich gut. Ich weiß in welche Richtung die Schnitte, das Thema usw. gehen soll, das ist für mich natürlich auch ganz wichtig um für die Kollektion arbeiten zu können. Je enger man mit dem Team zusammenarbeiten, desto spezifischer wird es auch, dann wird mir gesagt: das hier ist für dieses oder jenes Kleid und so kann ich dann technisch-kreativ damit umgehen und herausfinden, wo ich was platziere oder arrangiere. Oder ich kann berücksichtigen, dass man die Prints auch all-over anwenden kann, für ein kommerzielleres Teil oder so. Je mehr ich also in die ganze Struktur involviert bin, desto besser wird es dann am Ende auch.

 

JULIAN ZIGERLI AW19 ’RING MY BELL’, Photo: Alexandre Haefeli

JULIAN ZIGERLI AW19 ’RING MY BELL’, Photo: Alexandre Haefeli

 

INTERVIEW In Ihrer Kunst stellt die Maske ja ein relativ großes Thema dar..

CH Ja

INTERVIEW Sie ist fast schon ein bisschen ihr Œuvre geworden.

CH Ja, das ist so ein bisschen mein Ding geworden. Das Lustige daran ist, dass das für mich ganz natürlich kam, ich glaube es gibt diese Menschen, oder Künstler, die sehen überall Gesichter, das hat es immer schon gegeben, wenn die dann Vasen machen, dann hat jede Vase ein Gesicht, das sitzt irgendwie in einem drin. Als ich mich dann als Designer mehr in Richtung Kunst bewegt habe…

INTERVIEW Ach, sie sind eigentlich Designer?

CH Ja, ich bin eigentlich Textildesigner. Das war ja auch das Lustige an der Kollaboration mit Zigerli, Julian hat mich eher als Künstler angefragt, aber ich habe mich dann mehr als Textildesigner eingesetzt, deswegen gibt es auch diese ganzen all-over-Prints usw. ich verstehe schon was von Stoffen, ich weiß wie was gedruckt wird und verfolge das auch. Durch meine Teppiche, bei denen ich  dachte, sie wäre mehr Design als je zuvor, bin ich dann in die Kunst gerutscht und seitdem ich mehr in der Kunst bin, wird meine Arbeit anders analysiert, es ist nicht mehr einfach nur ein geiles Design, sondern ich bin jetzt der, der sich mit Masken befasst…

INTERVIEW Tatsächlich habe ich Sie, unabhängig von der Zusammenarbeit mit Julian Zigerli, eher als Künstler wahrgenommen, hatten Sie nicht erst kürzlich eine Ausstellung im Rahmen der Art Basel in Hongkong?

CH Ich lebe momentan in einer ziemlich komischen Zeit, ich weiß z. B. nicht, als was ich in Hongkong eingeladen wurde, ich war da in dem Kleiderladen JOYCE, den ich als Designer kannte, aber die haben meine Sachen wohl als Kunst ausgestellt. Um ehrlich zu sein, versuche ich mir darüber aber gar nicht so viele Gedanken zu machen.

INTERVIEW Sind Sie denn in der Zwischenzeit soweit, sich selbst als Künstler zu bezeichnen?

CH Nein, ich bezeichne mich eigentlich ganz gerne als Designer.

JULIAN ZIGERLI AW19 ’RING MY BELL’, Photo: Alexandre Haefeli

JULIAN ZIGERLI AW19 ’RING MY BELL’, Photo: Alexandre Haefeli

 

INTERVIEW Kunsthistorisch könnte man Teppiche als eine Art Übergang zwischen Design bzw. Kunsthandwerk und Kunst bezeichnen, die Teppiche von Anni Albers bzw. die Bauhaus Teppiche ganz allgemein, werden als Kunstwerke wahrgenommen, hinzugenommen das Thema Maske, die ist auch mehr Kunst als Design, warum sollte man eine Maske designen?

CH Ja, das ist etwas was ich nicht weiß, ich hatte eine Idee für einen Teppich, also einen richtigen Teppich und kein textiles Kunstwerk. Dann hatte ich die Idee, dass es toll wäre, Masken aus aller Welt collagenartig als Teppich zusammenzusetzen. Ich glaube schon, dass ich Designer bin, aber vielleicht designe ich mit künstlerischen Inhalten. Ich glaube auch, dass Design die gleichen Werte wie die Kunst beinhalten kann und wenn ich ein Kunstwerk machen müsste, dann hätte ich glaube ich gar keine Idee, was ich machen müsste. Grundsätzlich habe ich aber kein Problem damit, wenn mein Design danach zur Kunst wird oder nicht, aber mein Ausgangspunkt ist schon immer das Design, ich stelle mir vor, dass ich einen Teppich, ein Kleid, einen Vorhang usw. machen will.

INTERVIEW Etwas mit einem praktischen Nutzen?

CH Ja genau, etwas mit einem Nutzen. So definiere ich mich mehr als Designer. Ich designe einen Vorhang und setzt da komische Welten rein und wenn das dann macht, dass man sagt, dass ich Künstler bin, dann finde ich das O.K.

INTERVIEW Wie viel Maskerade steckt in der Mode?

CH Ich finde nicht, dass Mode unbedingt gleich Maske ist, ich sehe sie eher als Spiegel für das, was so passiert in der Welt. Eine Maske ist etwas, was dazwischen steht, sie ist eine Abgrenzung, da gibt es ein Davor und ein Dahinter. Die Mode ist ja viel mehr etwas, was in der Welt und im allgemeinen Gedankengut integriert ist.

INTERVIEW Da hätte ich jetzt die Parallele gezogen, man könnte doch nicht selten das Gefühl bekommen, dass Mode als eine Abgrenzung, als ein Schutzschild zwischen dem Träger und der Außenwelt dient.

CH Das kann man so sehen, aber man kann sie auch als Spiegel verstehen, als einen constant exchange. Natürlich kann man sich so aufpeppen, dass man danach jemand anderes ist… Aber interessant ist doch, dass wir in der ganzen Menschheitsgeschichte noch nie so langweilig ausgesehen haben wie heute, unsere Kleider haben dieselben Farben wie unsere Autos, zumindest in Europa, unsere Kleider sind also immer auch Teil unserer Welt.

 

JULIAN ZIGERLI AW19 ’RING MY BELL’, Photo: Alexandre Haefeli

 

 

Interview TOBIAS LANGELY HUNT