MODEL-SKULPTUREN IN 3D

Die Digitalisierung hat die Modebranche fest in der Hand. Die einzige Konstante in der Mode ist schließlich der ständige Wandel – die Neuerfindung eines Stils, einer Ästhetik, kurz: einer ganzen Denkweise. So ist es nur logisch, dass sich auch die Prozesse in der Industrie selbst ständig erneuern. Avatare und 3D Technologie sind hier wichtige Schlagwörter.

Ein Avatar, also eine virtuelle Abbildung einer Person, wird bereits in vielen verschiedenen Bereichen unseres Alltags eingesetzt (siehe iMessage), ist aber auch in der Modebranche von großer Bedeutung. So experimentieren viele Labels mit digitaler Kleidung und erforschen Möglichkeiten, die Passform von Modellen online testbar zu machen. Der eigene Kleiderschrank wird virtuell.

Mae McKagan

Mae McKagan

Hannah Woldetsadik

Hannah Woldetsadik

Diese Technologie ist aber nicht nur für Endverbraucher interessant, auch hinter den Kulissen kann 3D für Effizienz sorgen. Beim Model Booking zum Beispiel, in dem vieles noch über Old-School Polaroids und zeitintensive Vermessungen abläuft. Hier hat die Agentur „No Agency New York“ ein Meilensteinprojekt ins Leben gerufen und im Rahmen einer Kunstkooperation gezeigt, wie die Zukunft aussehen kann.

Der Gründer der Agentur, Alex Tsebelis, experimentierte bereits vor Jahren mit der Möglichkeit, seinen Casting-Prozess durch 3D Technologie zu verbessern. Anstatt Fotos aus jedem erdenklichen Winkel zu schießen, könnte durch einen rotierenden Avatar dem Kunden ein viel besseres Bild eines Models zur Verfügung gestellt werden. Der Traum vom ersten 3D Show Package wurde aber erst durch die Künstlerin Agusta Yr, die selbst auch für die Agentur modelt, Wirklichkeit.

 

Agusta Yr, nennt sich auch Ice Ice Baby Spice und erforscht Renaissance Kunst durch einen modernen Zugang. Sie zeigt die Models der Agentur „No Agency New York“ als Skulpturen, in einer gerenderten Galerie – eine etwas andere Art der Objektifizierung. Der Cursor erlaubt es zu zoomen und zu rotieren. Agusta Yr studierte Fotografie, schwenkte aber bald auf Videografie um und fand ihr bevorzugtes Metier im 3D Design. Durch die Youtube Creator Academy und Tutorials von scheinbar 12-jährigen Mitgliedern der Generation Z, lernte sie ihr Handwerk und fotografiert seitdem mit einem portablen 3D Scanner. Die Models wurden mit Looks des 1Granary Showrooms in London ausgestattet, welcher Designs der Absolventen der renommierten Central Saint Martins University in London vertritt. Auch ein bekanntes Gesicht findet sich unter den Skulpturen, Gabriette Bechtel, die Front Frau der Band Nasty Cherry, die von Ikone Charli XCX ins Leben gerufen wurde.

Agusta Yr

Agusta Yr

Gabbriette

Gabbriette

Das Projekt wurde von Agusta Yr kreiert, von No Agency New York produziert, von Nic Sinclair designt, Haare, Make-Up und Styling kommt von Coco Campell und die Musik stammt von Sadaf H Nava.

 

Words JULIA DEUTSCH
Fotos AGUSTA YR, NO AGENCY NY