MBFW – CHRISTOPH RUMPF

Er spinnt sie weiter, seine Geschichte. Es geht nicht mehr nur um einen Jungen im Dschungel, es kommt auch eine Frau dazu. Eine Frau, die Stärke zeigt und mitten im Leben steht. Dafür muss sie sich keinen Anzug anziehen, keine männlichen Attribute zeigen, kann aber mit ihrer eigenen Körperlichkeit spielen. Überhaupt verwischt das Bild zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit in Christoph Rumpfs Kollektionen. Schlagworte, die verwendet werden, um den Jungdesigner zu beschreiben, sind Opulenz und eine wiederentdeckte Mode-Dekadenz. Seine männlichen Models tragen fließende und Brokat-verzierte Stoffe, Strass und Schmuck aus Lustersteinen. Es sei ihm nicht bewusst gewesen, dass er so ein anderes Bild von Männlichkeit zeige, als andere es tun würden, er sei bloß von seinem Umfeld geprägt worden: Von Heteros, die in der Uni Nagellack tragen, von der Wiener Drag-Szene, von seiner eigenen „Bubble“, der sozialen Blase. Wir switchen zwischen Englisch und Deutsch hin und her, denn auch das hat sich eingeschlichen, wie die unterbewusste Verarbeitung von Rollenverteilungen.

 

 

Christoph Rumpf hat am Montag die Mercedes-Benz Fashion Week Berlin eröffnet, dessen Teilnahme er als Teil seines Gewinnes des Grand Vision Preises des südfranzösischen Mode- und Fotografie-Festivals Hyères erhalten hat. Seine Debut-Kollektion stellte er im April in der Provençe vor, mit reinem Männer-Cast, dafür extrem divers. „Weil ich ja nur Menswear gemacht habe, haben sie gefragt, ob ich für die Show in Berlin auch Womenswear machen kann. Das heißt, ich habe die erste Kollektion einfach erweitert und einen neuen Charakter eingebracht.“ Christoph ist ein Geschichtenerzähler: In seiner ersten Kollektion geht es um einen Jungen, der in der Natur aufwächst und sich dann als Prinz wieder in die Gesellschaft eingliedern muss. Es ist eine Geschichte über unsere sozialen Verhältnisse, über einen „Struggle“ mit sich selbst. Als Antithese entstand nun für die aktuelle Kollektion diese starke Frau. Ob die beiden sich auch treffen? Darüber habe er nicht nachgedacht, aber vielleicht könnte es das nächste Kapitel werden. Dafür allerdings ist keine Zeit, im Sommer steht so viel an „Première Vision, die Petite Bateau Kooperation, Chanel Métiers d’art“ und im Oktober geht es schon an die nächste Kollektion. Es steht aber schon eine neue Geschichte.

 

Fotos BERNARDO MARTINS
Text NELE TÜCH

Shot on POLAROID ORIGINALS ONESTEP+