MODE SUISSE 16

Mode Suisse nennt sich das Schweizer Pendant der Modewochen dieser Welt und fand, vergangenen Samstag, bereits zum 16. Mal in Zürich statt. Eingerahmt in Partys, Panel-Talks, Storeopenings und ganz viel Smalltalk, hier unterscheidet sich die helvetische Veranstaltung nicht von ihren großen Schwestern in Paris oder London, gingen am 31. August die Kollektionen von sieben Designerinnen und zwei Modeschulen über den Laufsteg. Komprimiert auf eine Stunde, zeigten die Schweizer-Kreativen ihre modischen Aussichten für den kommenden Sommer. Weil das ziemlich viele Eindrücke auf einmal sind, wie gesagt, innerhalb einer Stunde liefen neun Kollektionen am Mode-Suisse-Besucher vorbei, konnte man vor dem Spektakel die Entwürfe, in extra eingerichteten Showrooms, schon aus der Nähe betrachten, das nahm einem vielleicht an einigen Stellen die Überraschung, davon profitierten aber vor allem die Designer, die weniger auf ausladende, effekthaschende Inszenierungen, als auf subtilere, tragbare Schnitte setzten, man hatte also die Gelegenheit sich auf seine Favoriten zu konzentrieren, welche wir im Folgenden präsentieren.

NINA YUUN

Die angesprochene Subtilität, die im Kontext des kumulativen Konzepts der Mode Suisse, zwischen ihren „lauteren“ Kollegen unterzugehen droht,  verkörpert das Koreanisch-Schweizer Label Nina Yuun. Sie überzeugt mit leichten, weiten, asymmetrischen Schnitten; warme Erdtöne, Ultramarin bis Hellblau-Weiß bestimmen die Farbpallette, Assoziation: irgendwie skandinavisch aber vielleicht auch Wüste? Keine überflüssigen Applikationen, Verschlüsse bestehen eher aus raffiniert platzierten, einzelnen Knöpfen oder Schlaufen. Die ganze Präsentation strahlt eine so unaufgeregte, Jil Sandereske Eleganz aus, wie man sie längst vergessen glaubte, bei all dem Street-Workwear-Retro-Hype der letzten Jahre. Die Kollektion heißt ‚Heimat‘, was sich inhaltlich nicht wirklich erschließt, egal.

Einige wortwörtliche Highlights, bilden die Ergebnisse der, in die Looks integrierten, Schmuck-Kollaboration mit Hana Kim.

Nina Yuun Mode Suisse Edition16 © Alexander Alacios

Nina Yuun Mode Suisse Edition16 © Alexander Alacios

JULIA HEUER

In Farbe und Form weniger subtil, aber keinesfalls aufdringlich sind die Plissee-Kleider von Julia Heuer, die gebürtige Stuttgarterin darf auf der Mode Suisse zeigen, weil sie lange für die Schweizer Textilfirma Jakob Schlaepfer arbeitete, hier entwickelte sie Prints für Häuser wie Dior oder Comme de Garcons. Davon spricht heute niemand mehr, ihre Handschrift gilt inzwischen als unverwechselbar – Julia Heuer: handwerklich hochwertiger Plissee, plus an Aquarellgemälde anmutende Prints, leichte Variationen in Schnitt und Farbe von Saison zu Saison, die Kundinnen lieben es, wir auch! Besonders eindrücklich für Frühling/Sommer 2020, sind die leuchtend gelben Elemente mit an Tribals anmutenden, schwarzen Blumenmustern.

Julia Heuer_Mode Suisse Edition16 ©Alexander Palacios

Julia Heuer Mode Suisse Edition Photos: Alexander Palacios

AFTER WORK STUDIO

AWS, kurz für ‚After Work Studio‘, heißt das junge, überzeugende Label von Karin Wüthrich und Matthias Fürst, sie beschreiben ihre Arbeit als „nicht Saisonal im klassischen Sinne“ und „als eine Kombination aus weiblicher Eleganz mit sportlichen Einflüssen“, was auch immer das bedeuten mag…

Zieht man Fäden aus mehrfarbig gewebten Stoffen, oder man starrt lange in den Ameisenkrieg alter Fernsehröhren, oder man verschiebt die einzelnen Komponenten eines Rohrschachtests, dann könnte man ein Gefühl für die Musterkompositionen der von AWS gezeigten Strickwaren bekommen: orange, abstrakte Formen auf blauem, weißen oder fliederfarbenem Grund. Dazu asymmetrische Schnitte und kreativ platzierte Cut-Outs oder Knopfleisten. Abgerundet wird die hochwertige Kollektion mit Uni-Looks, in denen sich die beschriebenen Muster dreidimensional fortsetzen und sich die unaufgeregten Silhouetten erst richtig entfalten. Jetzt versteht man auch die einleitende Selbstbeschreibung: sportlich, elegant, figurbetont, leger, modern und zeitlos – After Work Studio!

After Work Studio Mode Suisse Edition16 ©Alexander Palacios

After Work Studio Mode Suisse Edition16 ©Alexander Palacios

 

Außerdem vertreten waren: Amorphose, Forbidden Denimeries, Jacqueline Lokito, MOURJJAN und die Modeschulen HEAD-Geneva und HGK FHNW Basel.

 

Words TOBIAS LANGLEY HUNT