DAS PERSONALISIERTE GESCHENK

Wenn sich Mariah Carey, die popkulturelle Personifikation der Vorweihnachtszeit mit ihrem Mega-Hit „All I Want For Christmas…“, wieder singend, lächelnd und räkelnd von unseren Smartphone-Bildschirmen meldet, wissen wir, es ist so weit, Halloween ist rum, wir atmen noch einmal tief durch und dann wird es ernst. Denn, ein jeder der glaubt, Weihnachten zelebriere einzig und allein die Geburt eines Kindes vor ein bisschen mehr als 2000 Jahren, wird mit einem schallenden „Last Christmas“ daran erinnert, dass es ja erst Last Christmas schon wieder ziemlich knapp war. Schon wieder ist man pünktlich zum 24. Dezember, frühmorgens schweißgebadet aufgewacht und hat festgestellt: Geschenke. Geschenke? Geschenke! Oh Gott, es fehlen noch Geschenke. Wie konnte man nur wieder diese oder jene Person vergessen, was bekommt die Tante? Was der Neffe?

Ja, ja, Weihnachten ist Stress, Weihnachten ist Konsum und Weihnachten ist einzig und allein nur dann besinnlich, wenn man sich rechtzeitig jeglicher Kapitalismuskritik entledigt, auf den schrillen „…Is Youuuuuuuuu“-Wecker hört und sich dem fröhlichen Präsente-Shoppen mit viel Nelken, Zimt und Klingelingeling ergibt.

Also los, es hilft ja nichts, wir organisieren uns schon jetzt und vermeiden panische Momente. Dafür lohnt es sich als das Berliner Kaufhaus „Galeries Lafayette“ an der Französischen Straße zu besuchen und sich von dem dort etablierten “GO FOR GOOD” Konzept überzeugen lassen. Es kann bestimmt nicht schaden, wenn man zum Geschenk auch eine schöne Geschichte zum Besten geben kann, die nicht nur Unterhaltung bringt, sondern tatsächlich auch einen Mehrwert hat. Unter dem erwähnten Titel kuratiert das Lafayette seit dem 01. Oktober, auf allen Etagen des Hauses, verschiedene Pop-Up-Flächen, auf welchen regionale, nachhaltige und natürlich Geschenk-taugliche Produkte erworben werden können. Darunter befinden sich hauptsächlich Start-Ups mit nachhaltigen Geschäftsideen.

Besonders überzeugend ist das Label MERSOR. Gründerin Stella Sorg hat vor gut zwei Jahren einen nach wie vor anhaltenden Trend erkannt und formschön umgesetzt: die Personalisierung. Handgefertigte Lederprodukte, ob Schlüsselanhänger, Portmonees oder Handtaschen, können vor Ort, nach eigener Fasson mit Buchstaben, Botschaften oder dem Namen des Liebsten bedruckt werden. Damit bringt MERSOR zwei scheinbar widersprüchliche Eigenschaften des modebewussten Millennials zusammen, einerseits will er dazugehören, Designobjekte besitzen und sich als Teil der verschworenen Gruppe verstehen, die man als Leute-mit-Geschmack bezeichnet; andererseits ist er mit einem fast schon ungesunden Bedürfnis nach Individualismus infiziert: „Mode, Hype, Trend? Nicht mit mir, ich denke mir meinen Style ganz alleine aus, meine Inspiration bin ich selbst“.
Und, weil man ja immer noch auf der Suche nach Geschenken ist, lässt man sich einfach ein Liebesbekenntnis, seine Initialen oder den Namen des Beschenkten auf das Lederprodukt stanzen. Das ganze findet man bis zum 31. Dezember 2019 im MERSOR-Pop-Up-Shop im Galeries Lafayette in Berlin oder Online auf www.mersor.com

INTERVIEW hat es sich natürlich nehmen lassen, Stella Sorg ein paar Fragen über ihre Produkte zu stellen:

INTERVIEW Frau Sorg, was macht MERSOR aus?

STELLA SORG MERSOR ist eine Premiummarke für Lederaccessoires, die wir für unsere Kunden kostenlos und auf eine elegante Art und Weise personalisieren.

INTERVIEW Und was heißt das genau?

STELLA SORG Unsere Kunden können sich unsere Produkte kostenlos und schnell, mit bis zu zehn Zeichen, stilvoll personalisieren lassen. Wir distanzieren uns dabei klar von „ich möchte das Foto meines Hundes auf meiner Handyhülle haben“. Nein, bei uns geht es um die stilvolle Art der Personalisierung, dezent und trotzdem präsent, den Namen, die Initialen, Wörter, Hashtags usw.

INTERVIEW Wer sind Ihre Kunden?

STELLA SORG Unsere Kunden sind vorwiegend Frauen, überraschenderweise aber mehr Männer als wir anfangs dachten, das Durchschnittsalter liegt zwischen 25 und 35 Jahren. Weil wir bisher hauptsächlich online vertrieben haben und keinen direkten Kontakt zu unseren Kunden haben, wissen wir gar nicht so viel mehr. Was wir aber wissen ist, dass wir tendenziell eher in größere Städte liefern und weniger aufs Land, das kommt aber hoffentlich noch.

INTERVIEW Könnte das vielleicht damit zusammenhängen, dass das Bedürfnis nach Individualismus ein urbanes Phänomen ist?

STELLA SORG Das kann schon sein. Aber die Personalisierung ist ja generell ein Thema, die modernen Konsumenten wollen nicht mehr nach der Masse gehen und jedem Trend hinterherrennen, ganz im Gegenteil, die Leute bewegen sich immer mehr in die Richtung der Individualität, sie wollen ihr eigenes Ding machen.

INTERVIEW Würde man auch ohne Personalisierung MERSOR als Marke erkennen? Gibt es eine Mersor-Ästhetik?

STELLA SORG Bei den kleinen Lederwaren, den Handyhüllen beispielsweise, setzten wir eher auf klassische Designs und generell sind alle Entwürfe eher dezent und zurückhaltend gestaltet. Auch unser Logo ist auch nur geprägt, ohne Farbe. Aber, die Designs würde man schon erkennen, z.B. haben die Handtaschen alle eine doppelreihige Naht, das zieht sich durch die ganze Kollektion hindurch. Das Design wurde ganz nach der Personalisierung ausgerichtet: wir mussten uns Fragen stellen, ob und welches Leder man am besten prägen kann, stimmt die Struktur usw.? Wir wollten z.B. auch veganes Leder anbieten, das ist aber sehr schwierig, die Prägung hält nicht so lange. Und weil wir uns am Anfang diese Fragen gestellt haben hebt uns das auch hervor, wir wissen genau wie und was am besten funktioniert.

INTERVIEW Arbeiten Sie mit Kollektionen, Trends usw.?

STELLA SORG Von Trends distanzieren wir uns eigentlich. Es geht vielmehr um den Gedanken, dass die Leute das Gefühl haben wollen, dass ihre Tasche nicht noch X-Mal im Umlauf ist, sondern, das ihre Tasche nur für sie gemacht wurde.

INTERVIEW Darf ich auf mein MERSOR Produkt alles drucken oder gibt es Grenzen?

STELLA SORG Theoretisch ja. Wenn wir allerdings politische Statements oder Parteiwerbung erkennen, dann machen wir das nicht, weil es steht ja immer noch unser Name drauf und bestimmte Sachen unterstützen wir nicht, aber abgesehen davon ist man ganz frei.