70’s VIBES AUS DEM KENZO ARCHIV

Die wilden 70er waren eine ganz besonders spannende Ära, in denen sich die Ästhetik der Frau, im Vergleich zu dem der 60er, radikal emanzipierte. Miniröcke, hohe und grobe Stiefel sowie ausladende Ärmel und Hosenbeine, die bemerkt werden wollten. Die Attitude, die in Zeiten des Civil Rights Movement Ende der 60er in den USA gezeigt wurde, nahm in den 1970ern an Fahrt auf und manifestierte sich in einem starken politisch-aktivistischem Fokus. So waren die Hauptthemen dieser Dekade das Verlangen nach Frieden und der Wunsch nach einem Ende des Vietnam Krieges. Army-Jacken wurden als Protest getragen und etablierten sich schnell in der alltäglichen Garderobe der Masse. Musikstile wie Psychedelic und Disco beeinflussten die Ästhetik immens, durch die Verbreitung von aufregenden Mustern und glitzernden Mini-Kleidern.

 

® Peter-Knapp

Zur gleichen Zeit, aber am anderen Ende der Welt bestieg gerade ein junger Mann namens Kenzo Takada ein Schiff in Japan, um zu seinem neuen Leben in Europa aufzubrechen. Genauer, war er auf dem Weg nach Paris, dem Ort an dem er in Folge als Designer unter dem Namen Kenzo zu weltweitem Erfolg avancieren würde.

Takada schaffte es, die damals steifen Konventionen der Pariser Haute Couture zurechtzubiegen und für sich zu nutzen. Ein starker Einfluss von außen also, der im abgeschlossenen Ökosystem der High Fashion als Katalysator funktionierte und den veränderten Vibe der Welt begrüßte. Seine erste Boutique mit dem klingenden Namen ‚Jungle Jap‘ revolutionierte die Modewelt – die Stücke waren qualitativ-hochwertig europäisch, doch eindeutig durch japanische Einflüsse wie dem Kimono geprägt. Kenzo stand für opulente Exotik, die sich so gut mit dem Zeitgeist der 70’s Dekade arrangierte, da sie keine Angst davor hatte Farben, Prints und unkonventionelle Materialien wild zu mixen. Seine Mode machte Spaß und war legerer als die Pariser Vorbilder es zeigten. Gleichzeitig lebte Takada vor, dass Design im Massenmarkt funktionieren kann, ohne sich als Künstler zu kompromittieren – ein Konzept, das sich in kürzester Zeit zur Norm der Branche entwickelte.

® Richard Haughton

Das Erbe des Ausnahmetalents wurde nun im exklusiven Look Book ‚Kenzo Takada‘, zusammengefasst. Die Autorin Kazuko Masui war eine langjährige Freundin des Designers, die ihn seit den 70er Jahren in Paris begleitete. Die von ihr kuratierten, bisher unveröffentlichten, handgezeichneten Skizzen sowie Fotografien aus dem persönlichen Archiv schaffen einen spannenden Einblick in die Welt des Kenzo Takada. Es öffnet sich ein Fenster zu seinem kreativen Prozess, Eindrücke behind-the-scenes und vor allem der Energie seines Schaffens, seiner Präsenz und seiner Vision aus insgesamt 40 Jahren. Beim Blättern kommt man nicht umhin zu bemerken, wie relevant seine frühen Ideen auch heutzutage sind. Ein außergewöhnlicher Bildband, der einen privaten Künstler zeigt und die Leser inspiriert zurücklässt.

“For me, to create is to give pleasure and happiness to others, and to me the freedom to be myself.”

Kenzo Takada

Kenzo Takada von Kazuko Masui ist im ACC Art Books Verlag erschienen

® Richard Haughton

Text JULIA DEUTSCH