ELIZABETH

DEBICKI

Sie war Jordan Baker in Baz Luhrmanns „Großem Gatsby“, die gnädige Frau in einer Inszenierung von Genets „Die Zofen“, Hohepriesterin in „Guardians of the Galaxy“. Jetzt macht die australische Schauspielerin Elizabeth Debicki bei einem Raubüberfall mit – in Steve Mc-Queens großartigem Thriller „Widows“.

DAVINA CATT Elizabeth, lassen Sie uns gleich über Ihre Körpergröße reden, damit das Thema vom Tisch ist. Sind Ihre 1,90 Meter oft ein Problem?

ELIZABETH DEBICKI Zum Glück nicht! Manchmal macht sich meine Körpergröße vor der Kamera ganz gut, den Rest der Zeit ist sie einfach da.

DC Sie sind gerade nach London gezogen, oder?

ED Ja, nach South Bank, ich verwechsle das immer mit South wark.

DC Ihre Rolle in der Miniserie „The Night Manager“ war Ihr Durchbruch. Sehen Sie das auch so?

ED Ja, ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich das gemerkt habe – damals habe ich gerade etwas in Amerika gedreht, und plötzlich wollten all diese Journalisten mit mir reden. Ich war total überrascht.

DC Und jetzt wollen mit Ihnen alle über Steve McQueen reden.

ED Ich aber auch! Er ist der Beste.

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DC Haben Sie sich die Fernsehserie von Lynda La Plante aus den 80er-Jahren angesehen auf der „Widows“ beruht?

ED Nein, mache ich nie. Das finde ich nicht hilfreich. Aber ich wette, die Frisuren in der Serie waren toll.

DC Wie war es für Sie, mit Viola Davis, Cynthia Erivo und Michelle Rodriguez zusammenzuarbeiten?

ED Wahnsinn. Steve hat veranlasst, dass wir uns schon vor Drehbeginn zusammensetzen. Wir haben eine Woche lang nur miteinander geredet. Über unsere Kindheit, unsere Mütter, was wir morgens zuerst machen, was wir zu Abend essen. Das hat uns schon vor Drehbeginn sehr miteinander verbunden, obwohl wir, genau wie die Frauen im Film, total unterschiedlich sind.

DC „Widows“ wirkt anders als die typischen McQueen-Filme, konzipierter.

ED Stimmt. Es ist konzipiert. Aber auch sehr unterhaltsam. Der Film mag daherkommen wie ein ganz normaler Film über einen Raubüberfall, ist aber in Wahrheit ganz anders.

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DC Erzählen Sie mir vom Dreh.

ED Es war hart. Wir haben den Raubüberfall zwei Wochen lang gedreht, jede Nacht. Wir haben uns unsere Ärsche abgearbeitet. Haben ständig diese schweren Rucksäcke mit uns herumgetragen, sind aus und in Vans gesprungen und jede Menge Treppenstufen hochgelaufen. Einmal habe ich zu Steve gesagt „Film mein Herz, weil ich es gleich auskotzen werde.“ Es war sehr intensiv. Ich habe in dieser Zeit nicht geschlafen, weil ich so voller Adrenalin war.

„Ich konnte nicht schlafen, ich war voller Adrenalin“

ELIZABETH DEBICKI

DC Sie waren früher Balletttänzerin. Hat Sie das auf das Leben als Schauspielerin vorbereitet?

ED Es hat mich wahrscheinlich disziplinierter gemacht. Meine Eltern waren Tänzer, ich bin also damit aufgewachsen. Aber als ich das erste Mal ein Theaterstück gesehen habe, eine Produktion von „Die Möwe“, wusste ich, dass ich nicht tanzen will, sondern Theater und Sprache liebe.

DC Ich möchte noch kurz über Ihren anderen neuen Film „Vita & Virginia“ reden, in dem Sie Virginia Woolf spielen.

ED Sie wissen darüber wahrscheinlich mehr als ich.

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DC Ich müsste mal wieder Virginia Woolf lesen, aber ich komme nie dazu.

ED Kenne ich! Mein größter Luxus ist es, wenn ich etwas lesen kann, das nichts mit den Filmen zu tun hat, an denen ich gerade arbeite. Dafür höre ich obsessiv und fanatisch True-Crime-Podcasts.

DC Welche?

ED Momentan am liebsten „My Favourite Murder“. Das sind zwei Mädchen aus Kalifornien, die einen sehr trockenen Humor haben. Eigentlich ist es ein True-Crime-Comedy-Podcast – klingt merkwürdig, ist es aber gar nicht. Das höre ich immer in der Badewanne oder beim Abwasch.

DC Zurück zu Virginia Woolf. Ist es schwer, eine Person zu spielen, die eine solche Legende ist?

ED Ich habe nicht sofort zugesagt. Es waren lange Spaziergänge nötig, bis ich mich entschieden habe. Ich habe alle meine belesenen Nerd-Freunde gefragt: „Glaubst du, ich könnte Virginia Woolf spielen?“ Und es gab immer diese kurze Stille vor dem „Ja!“ Wenn man jemanden darstellt, der wirklich gelebt hat, muss man immer erst diese Hürde aus Druck und Verantwortung überwinden. Sie war ja kein Konzept, sondern eine geniale, atmende Frau. Ich konnte nur meine Version von Virginia Woolf sein, und nun hoffe ich, dass die Leute sie akzeptieren.

DC Was sind Ihre nächsten Pläne?

ED Ich würde am liebsten weiter Theater spielen, aber das Timing ist schwierig. Oder eine Königin.

DC Das hätte ich nicht erwartet.

ED Ich bin einfach ein Geschichts-Nerd und seit jeher fasziniert vom Mittelalter. Außerdem tanze ich immer noch, das würde ich gerne einbringen. Ich sollte vielleicht einen Film über Pina Bausch machen.

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