DAVID

SCHNEIDER

Vor genau zehn Jahren gründeten die beiden Studienfreunde David Schneider und Robert Gentz einen Onlineshop für Schuhe. Was anfangs mit einigen wenigen Flip-Flops begann, wurde zu einem Wirtschaftswunder der Millennial-Generation – mit 24 Millionen Kunden, 15.000 Mitarbeitern und 300.000 Kartons täglich.

CARA LERCHL Andy Warhol hat einmal gesagt „Geld zu machen ist Kunst, Arbeit ist Kunst, und gutes Business ist die beste Kunst.“ Fühlen Sie sich als Künstler?

DAVID SCHNEIDER Die Frage habe ich noch nie gestellt bekommen. Wenn es vielleicht eine Parallele zum Künstler gibt, dann die, dass ich mit absoluter Leidenschaft arbeite. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen oft. Auf der anderen Seite sind wir natürlich ein immens großes Unternehmen, da geht es nicht um meine persönliche Selbstverwirklichung.

CL Das steht auch in Ihren Statuten, „egoless“ zu handeln. Klappt das wirklich?

DS Ja, das ist ein wichtiger Teil von Zalando. Wir, der Zalando Vorstand, haben uns immer als Team gesehen. Egal worum es geht, was Robert Gentz, Rubin Ritter und ich tun soll immer im Sinne der Sache sein. Es geht nicht um das Ego.

CL Was war die beste Entscheidung, außer natürlich Zalando zu gründen?

DS Der Börsengang. Die ersten Jahre waren verrückt, das Unternehmen wuchs explosiv, jeden Monat passierte etwas Neues: ein neues Land, eine neue Kategorie. Wie und wie viele Leute wir damals angeheuert haben, war irre. Der Börsengang hat nicht nur für Kapital gesorgt, sondern auch für Strukturen und Disziplin.

„Wenn es vielleicht eine Parallele zum Künstler gibt, dann die, dass ich mit absoluter Leidenschaft arbeite.“

DAVID SCHNEIDER

CL Hat Ihnen das Wachstum zwischendurch Angst gemacht?

DS Nein, wir haben ja immer gemerkt, dass das, was wir tun, funktioniert. Es ging nur verdammt schnell. Unsere Hauptsorge war immer, die Nachfrage nicht bedienen zu können. Wir mussten die Kurve hinbekommen.

CL Was hat Zalando verändert?

DS 2008 waren wir noch komplett in der Desktop-Welt, heute agieren Kunden mobil. Inzwischen, auch wenn wir erst ganz am Anfang stehen, geht der Trend zur Konzentration weniger großer Zugangspunkte. Wie man es heute schon bei Musik, Video und sozialen Netzwerken sieht. Zalando will das für die Mode werden.

CL Wie steht es mit der Beauty? Nur eine Ergänzung oder ein neues Standbein?

DS Wenn wir etwas machen, dann richtig. Wir haben 24 Millionen aktive Kunden. Wir wissen, dass diese sehr stark an Beauty interessiert sind. Bislang hat es keiner geschafft, Mode und Beauty digital zu vereinen.

CL Wie machen Sie sich über Kundenwünsche kundig? Wer kuratiert das Sortiment?

DS Wir arbeiten mit einem Mix aus Daten, Algorithmik und Kuratierung. Da Mode etwas Emotionales ist, sind persönliche Meinungen gefragt. All das, was wir an Content und Inspiration bieten über Marken, Influencer und Stylisten, ermöglicht es uns, eine „Seele“ zu schaffen. Mithilfe von Daten und Algorithmen schaffen wir es, zu diesem Content die richtigen Matches zu machen und herauszufinden, was die Kunden interessiert.

„Ich bin, glaube ich, eher der nordische Typ.“

DAVID SCHNEIDER

CL Jetzt haben Sie zehn Jahre lang damit verbracht, ein wirklich einzigartiges, sehr großes Unternehmen aufzubauen. Was zur Folge hatte, dass Sie von Mitte 20 bis Mitte 30 täglich eher 16 als zehn Stunden gearbeitet haben und eher sieben als fünf Tage. Was tun Sie, um aus diesem Tunnel auszubrechen?

DS Das ist eine gute Frage. Mit den Vorstandskollegen macht man ja auch privat sehr viel zusammen. Solange das Spaß macht, ist es aber auch in Ordnung. Sport als Ausgleich hilft mir persönlich sehr. Außerdem versuche ich, so viel wie möglich draußen zu sein und beispielsweise Meetings auch nach außerhalb zu legen.

CL Ambitionen geografisch zu expandieren? Zum Beispiel nach Asien?

DS Unser Fokus liegt auf Europa. Wir bedienen wieder einige neue Länder, wie beispielsweise Tschechien und Irland. Es hört sich simpel an, aber nach zehn Jahren kann man in Deutschland neuerdings erstmals auch auf Englisch bestellen.

CL Wie wird sich denn die Logistik verändern? Das ufert ja regelrecht aus!

DS Unser Schlüssel ist die „local delivery“ und die Anbindung stationärer Läden an den Onlineshop. Wenn ich einen Kunden in Berlin habe, warum sollte ich dann aus Erfurt liefern und nicht aus dem nächstgelegenen stationären Markengeschäft? Ware lokal verfügbar machen, dezentrale Bestände miteinander verknüpfen, innerhalb von drei Stunden liefern. Bald schon sofort.

CL Haben Sie eine Lieblingsmarke?

DS Da muss ich immer aufpassen, denn egal was ich sage, ich mache immer etwas falsch. Ich bin, glaube ich, eher der nordische Typ. Ich mag Schwarz, Blau und Grau. Marken sind mir aber nicht wichtig, ich gehe eher nach Style.

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