ZUFÄLLIGE REGELN

Ein Sportwagen vor der Gucci-Filiale in München, Pelikane in Basel und Palmen vor blauem Himmel in L.A. Der Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow lächelnd in einem schwarzen Pulli, Casey Spooner mit gewaltiger Sonnenbrille in einer Felljacke, Heinz Bude auf einer Liege und Billie Eilish wie ein Schluck Wasser in der Kurve im roten Trainingsanzug auf einer abgewetzten Sitzecke. Eine Lakritzschnecke, ein Kaktus, ein Coyote, eine Giraffe. Ein Mensch auf einem Baum, ein Vogel auf einem Baum, ein Baum. Ein Pferd mit Koffern auf dem Rücken, ein schlafender Hund vor einem Fastfood-Restaurant, die Ecke von einem Pool, ein Wanddurchbruch Richtung Küche und ein Telefon an einer Wand. Ein Außenbordmotor mit einem Teppich drumherum, Hailey Bieber und Adornos „Minima Moralia“ mit einem Lesezeichen drin. In seinem wunderbaren neuen Bildband „Everything So Democratic and Cool“ hat der Berliner Fotograf Christian Werner Arbeiten aus den Jahren 2007 bis 2020 zusammengestellt, und zwar in exakt der scheinbaren Zufälligkeit, in der sie fotografiert wurden. Gibt es eine Dramaturgie, eine Ordnung, einen Zusammenhang zwischen den Bildern? Mit Sicherheit, also zumindest vielleicht, nur ist der Zusammenhang für den Leser nicht ohne Weiteres zu durchschauen! Sind die Bilder eigentlich inszeniert oder spontan entstanden? Ganz bestimmt auf jeden Fall! Werner ist sozusagen der Großmeister des Schnappschusses, er produziert genau die Art von Bildern, von denen man denkt, dass man sie auch selbst schießen könnte, an denen man aber doch wieder und wieder scheitert. Der Titel des Bandes ist übrigens dem Song „Random Rules“ entnommen, den die Band New Yorker Band Silver Jews 1998 auf ihrem Album „American Water“ veröffentlicht hat. In dem Song heißt es: „I know you like to line dance, everything so democratic and cool / But baby there`s no guidance when random rules.“ Wenn der Zufall regelt, so könnte man in Bezug auf Christian Werners Buch sagen, sind nämlich auch Regeln im Spiel.

 

 

 

 

 

 

 

 

Für Interview hat Christian Werner zuletzt Ludwig Simon (Holiday Issue) und die Geschichte „Off Berlinale“ fotografiert. „Everything So Democratic and Cool“ hat 200 Seiten, kostet 35 Euro und ist als Edition bei Blake & Vargas erschienen. https://blakeandvargas.com/christianwerner

 

 

 

Words HARALD PETERS