WHISKY ODER WHISKEY

Whiskey oder Whisky? Das schnelle Googeln sagt, der Unterschied zwischen Whiskey und Whisky sei regionaler Natur, während man in den USA die Version mit dem E gebraucht, lässt man es in Schottland lieber weg. Leider greift, die einfach Antwort, wie immer, ein wenig zu kurz. Vergessen wurde Irland. Hier gab es anfangs keine Regel, einige Destillieren titelten Irish Whisky, anderen Irish Whiskey. Um sich dann von der schottischen Konkurrenz abzusetzen, einigte man sich irgendwann auf Whiskey.

Prohibition und ein englisches Handelsembargo ließen das Destillat der grünen Insel vom internationalen Radar verschwinden. Nach der letzten Krise dann der Boom: durch schlau kalkulierte Steuererleichterungen gelang es Irland US-Tech-Giganten anzulocken und zum Bleiben zu bewegen, Arbeitsplätze entstanden, Startups und ein neuer Whiskey-Hype folgten.

Die Hauptstadt Dublin profitiert davon am meisten, nicht nur die Geranien an den Hauswänden und die bunten Haustüren der typischen Reihenhäuser zeugen von einer blühenden, freundlichen, pulsierenden Stadt, die den Titel UNESCO Literaturstadt trägt – immerhin drei der vier irischen Literatur-Nobelpreisträger kommen von hier.

Die Pub-Kultur ist legendär und wer denkt, Guinness schmecke abgestanden, hat zwar recht, anständig gezapft wartet man schon mal fünf Minuten auf sein Bier, dass es deshalb nicht gut schmecken würde, ist aber Quatsch, das lernt man schnell vor Ort: Einatmen, auf keinen Fall nur nippen! Großer Schluck und „Slaínte“ – so prostet man auf gälisch den Touristen zu.

Zurück zum Whisky, sorry Whiskey, die Schotten und die Iren streiten sich seit jeher, wer denn nun das bernsteinfarbene Getränk erfunden haben soll. Wenn man einer Legende glaubt, ist es dem irischen Schutzpatron Sait Patrick zu verdanken: Er soll sowohl das Christentum, als auch die Kunst des Destillierens aus dem Mittelmeerraum in den Norden überführt haben. Die schottische Version der Geschichte beginnt jedoch mit Patricks (und somit auch Whiskys) Geburt in Schottland, während der Ire felsenfest davon überzeugt ist, dass erst das mehr oder weniger unfreiwillige Exil in Irland, ihn auf die großartige Idee gebracht haben soll. Demnach wurde Patrick als sechzehnjähriger aus Schottland verschleppt, in Irland als Sklave verkauft, eine abenteuerliche Flucht und einige Visionen später, ging er dann als Missionar und Whiskey-Heilsbringer in die Geschichte des Landes ein. Ihm zu Ehren wird auch heute noch sein Todestag, der 17. März,  bekannt als St. Patrick’s Day, gefeiert – an welchem natürlich auch reichlich Whiskey getrunken werden darf.

Und heute? Seit eigen Jahren blüht das Geschäft wieder, die Exporte gehen exponentiell nach oben, kein anderes Land hat eine solche Verkaufssteigerung von Spirituosen hingelegt wie Irland in den letzten Jahren, sie können es also noch, trotz Jahrzehnte langer Pause.

 

Eine weitere spannende Geschichte ist die von George Roe schon im Jahr 1757 kaufte er seine eigene, kleine Brennerei und wirtschaftete fleißig. Innerhalb weniger Jahre wuchs er zum zweitgrößten Whiskey Produzenten Europas, dann aber, die schon eingangs erwähnte, Prohibition und nach gut 200 Jahren konnte Mr. Roe im Jahr 1926 seine Fässer nicht mehr befüllen, das Unternehmen schloss. Seit zwei Jahren nun versucht ein junges, engagiertes Team das Haus Roe, nun mit dem Zusatz „& Co“,  mit neuen Konzepten an alte Erfolge anzuknüpfen. Ein Besuch der Destilliere lohnt sich, man lernt hier alles über Gerüche, Geschmäcker, dreifache Destillationen in Kupferkesseln und Eichenfässern aus Amerika. Tradition und Zukunft finden zusammen: nebenan, nur gut 100 Meter vom alten Firmengelände entfernt, wurde ein altes Elektrizitätswerk zur modernen Brennerei  umfunktioniert. Immer mit Blick auf den alten St. Patricks Tower, ehemals ein Turm mit Windrad zur Stromgewinnung für die Whiskey-Produktion und den ältesten noch Früchte tragenden Birnbaum der grünen Insel. Beides Symbole der jungen-alten Firma, bei welcher Co übrigens nicht „Company“ sondern „Community“ bedeutet, wie Master-Blenderin Caroline Martins erklärt. Die Koryphäe der hohen Brennkunst kommt übrigens aus Schottland, der Streit scheint beigelegt. Ein Gespräch mit ihr klärt auf, damit Tradition über- bzw. aufleben kann, muss man an die Zukunft denken. So entstand ein leichter, zugänglicher Whiskey, der vor allem die „Nachwuchs-Genießer“ überzeugt. Bevor die finale Geschmacksrichtung gefunden wurde, durften junge Barkeeper ihre Meinung abgeben, so ist der Roe & Co Whiskey wie er jetzt zu kaufen ist, nicht nur gut auf Eis, sondern auch als Sour, Old Fashioned und oder Manhattan.

 

Words TOBIAS LANGLEY HUNT