THE CRYSTAL BALL OF POP #3 – CARDI B, FLOHIO & INIT AND MORE

Cardi B wurde zwar gerade vor Gericht freigesprochen, landet in ihrem neuen Video aber trotzdem im Knast, weil sie jemanden erschossen hat. Vorher tanzt sie fast nackt ihren letzten Tanz. Auch im neuen Schoolboy Q-Video wird scharf geschossen und in Flohios neuem Song schießt sie zumindest, so altbacken das auch klingen mag, mit Reimen und beweist, dass sie gerade die beste Rapperin in UK ist. Init dagegen lassen tanzend, mit düsterer Elektronika die Westberliner Subkultur vor der Wende wieder aufleben. Dafür stehen sie in einer Straßenecke, die genauso dreckig ist, wie die ungemütlichen Gassen von damals.

Warum diese Musikerinnen und Musiker in der letzten Woche die interessantesten Songs und Videos veröffentlicht haben und wie das klingt erfahrt ihr in der neuen Ausgabe von THE CRYSTAL BALL OF POP. Die dazugehörige Playlist gibt es bei Spotify.

 

 

CARDI B – Press

 

Gerade wurde Cardi B nach Streitereien in einem Stripclub vor Gericht doch noch freigesprochen, obwohl zwei Frauen sie belastet haben. In ihrem neuen Video zum neuen Song “Press” bekommt Cardi dagegen richtig Ärger. Wegen Mord. Vorher tanzt sie noch nackt ihren, sieht man das im Kontext des Videos, letzten Tanz, davor wiederum geht sie eine Liaison mit einer fremden Frau ein und feuert schließlich tödliche Schüsse ab. Das Video ist dabei glamourös, hart, hip zugleich. Das schrille Video steht im Kontrast zum harten Rap und dem minimalistischen vor allem von der Bassline dominierten Beat. Cardi zeigt, dass sie momentan die beste Rapperin der USA ist.

 

FLOHIO – Hell Bent

 

Flohio aus London wiederum ist die wahrscheinlich beste UK-Rapperin. Im Vergleich zu Cardi B braucht sie um das zu beweisen und zu illustrieren allerdings kein Video mit Kurzfilmqualität. Sie steht vor einem roten Hintergrund. Nur ihre Silhouette ist zu erkennen. Ihre Sprache ist dafür umso klarer. “Hell Bent” ist ein roher Representer ohne Schnickschnack und ein interessantes Gegengewicht zum aggressiven Grime und zum textlich eher limitierten UK-Drill.

 

INIT – Benzin

 

Init halten es ähnlich simpel wie Flohio. Ihnen reicht für das Video eine Straßenecke irgendwo in Berlin, die  dreckig und verlebt aussieht. “Benzin”, mit seinem simplen, monoton dahinwalzenden Beat und den wirren Vocals ist eine Hymne auf die Westberliner Subkultur, die es nicht mehr gibt. Eine DIY-Kultur, die punk war und prekär und nichts mit der heutigen “Partyhauptstadt Berlin” zu tun hatte, die Literatur, Sound, Film, Freigeister und Drogen vereinte. “Benzin” wird aber trotz dieser Referenzen ziemlich gut in einigen kleinen Nischenmusik-Clubs der “Partyhauptstadt Berlin” funktionieren.

 

SCHOOLBOY Q – Dangerous

 

Interessant an Schoolboy Q ist, dass er tatsächlich noch richtige, durchkonzipierte Alben veröffentlicht und nicht nur reihenweise Mixtapes – zuletzt vor einigen Monaten “CrasH Talk”. Interessant ist auch, dass Schoolboy Q und alle seine Kollegen beim Label TDE (u.a. Kendrick Lamar, Jay Rock) systematisch mit hochwertigen Videos ausgestattet werden und nicht nur mit ein paar mit Handy gefilmten Sequenzen aus dem Hotelzimmer. “Dangerous”, der neuesten Single mit Video sieht und hört man diesen Perfektionismus an. Jedes Detail sitzt, jeder Klang passt zum nächsten, alles ist perfekt getimet. Und geschossen wird auch, wie bei Cardi B, verhaftet wird aber niemand. Am Ende sind fast alle Schützen tot.

 

Words JOHANN VOIGT