SOKO

Vor rund dreizehn Jahren stellte sich die französische Schauspielerin Stéphanie Alexandra Mina Sokolinski, kurz Soko, mit dem Titel „I’ll Kill Her“ als Sängerin vor, einer detailverliebten Rachefantasie, weil der Typ wieder nicht anruft, der Anruf schon seit mehreren Stunden überfällig ist, weil er wahrscheinlich gerade zu einem blondierten Beachgirl unterwegs ist. Na, wenn sie die zu fassen kriegt, wird sie sie umbringen, was sonst? Stattdessen brachte Soko zwei Jahre später die Musikerin in sich zur Strecke, um vorerst vor allem Schauspielerin zu sein, bis es 2012 eine Wiederbelebungsmaßnahme in Gestalt ihres Debüts „I Thought I Was An Alien“ gab. Das war eine durch und durch wunderbare Sammlung von seltsam zerbrechlichen und rührenden Liebesliedern, von denen man sich vorstellt, Soko hätte sie eines sonnigen Nachmittags im Spätsommer in ihrem Schlafzimmer aufgenommen, während die Vorhänge sich vor den geöffneten Fenstern sachte vom Luftzug bewegten, bis es langsam dunkel wurde.

 

 

Drei Jahre später kam Soko mit „My Dreams Dictate My Reality“ zurück, einem Album, mit dem sie bis zum Hals in ihrer The-Cure-Phase steckte. Oder in ihrer Siouxsie-and-the-Banshees-Phase, um genau zu sein, wenn Souxsie Sioux keine Londonerin wäre, sondern eine französische Schauspielerin. Der Hit dieser Phase trug den Titel „Who Wears The Pants?“ und war in etwa so was wie eine diskursive Auseinandersetzung mit Genderrollen. Interessanterweise hatte Soko damals übrigens blond gefärbtes Haar.

Jetzt, da ihr neues Album „Feel Feelings“ bald erscheinen soll, ist es wieder dunkel und die ewige Frage, wer hier eigentlich die Hosen trägt, beantwortet Soko in dem neuen Video zur Singleauskopplung „Are You A Magician?“: Die Hosen trägt der Bär. Es ist eine Art Stoffbär, und wie man es von Stoffbären gewohnt ist, trägt er Latzhosen. Soko trägt wiederum ein Magiergewand mit allerhand Gold und Glitter, weshalb die Frage, ob ihr Gegenüber ein Zauberer ist, bei genauerer Betrachtung wenig sinnvoll erscheint. Soko ist der Magier und der ihr Gegenüber ein Bär. So hat es sich jedenfalls Gia Coppola ausgedacht, die Enkelin von Francis Ford Coppola und Nichte von Sofia und Roman Coppola. Die Idee kam ihr, als sie zu Hause bei Soko im Kinderzimmer von deren Sohn Indigo Blue Honey Sokolinski saß – das ist möglicherweise der beste Namen der Welt – und mit dessen Spielzeug spielte. Anschließend wurde das visuelle Konzept mit einer Prise Kate Bush abgerundet, während Soko sich musikalisch von The Cure und Siouxsie and the Banshees in Richtung King Crule bewegt hat. Zauberhaft!

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Words HARALD PETERS