SHE IS DDB

Diana De Brito muss sich nicht persönlich vorstellen: ihr Künstlername IAMDDB erledigt das für sie, denn dieser schreit: Hallo, ich bin es!

Die britische Künstlerin mit portugiesischen und angolanischen Wurzeln kennt man durch Tracks wie “Shade” (Stichwort: Uber, Uber everywhere) oder “More”. Ihre Musik bewegt sich entspannt zwischen Jazz, Funk und Trap. Wie sie selbst sagt, spricht in ihrer Musik ihr höheres Selbst aus ihr, prophezeit auch mal Ereignisse in ihrem Leben.

Interview traf die 23-Jährige kurz nach ihrem live Auftritt bei der Launch Party des Browns Nomad Events in Berlin. Backstage, in ihrer pink ausgekleideten Wohlfühloase mit Orchidee, sprach IAMDDB über ihre Energie, ihren Hang zu Spiritualität und erklärte, warum sie gerne die Bibel liest.

Diana De Brito strahlt Ruhe aus und nimmt sich gerne Zeit für ihre Gesprächspartner – nur bei Polaroids wird sie schwach und stibitzt auch gerne das ein oder andere Foto für sich selbst. Man kann es ihr aber nicht verübeln, war sie schließlich der Star des Abends. Die Bilder, die Interview vor ihr “retten” konnte, haben es aber in diesen Beitrag geschafft.

 

Julia Deutsch Ich habe mir erst heute Ihren sogenannten BDE (Big Dick Energy) Podkast angehört. Sie sprechen darin vor allem über spirituelle Konzepte und Praktiken. Waren Sie schon immer eine spirituelle Person?

Diana De Brito Ich freue mich so, dass Leute sich das anhören. Meine Mutter war immer sehr spirituell und sich ihrer Selbst bewusst. Bei mir brauchte es gewisse Ereignisse im Leben, die mir zeigten, dass ich einen Gang zurückschalten muss. Dass ich mich erst selbst kennenlernen muss, bevor ich versuchen kann, die Welt zu verstehen. Je mehr Zeit ich also darauf verwendete, meine Energie und meinen Geist zu studieren, desto mehr zeigte mir auch das Universum seine Geheimnisse. Angefangen bei Astrologie, dem Mond und seiner Wirkung, Numerologie – ich habe das Gefühl, dass ich noch so viel zu lernen habe. Ich versuche mir Wissen anzueignen, damit wir alle irgendwann im Kreise der Wissenden sind.

JD Über welche Medien oder Plattformen informieren Sie sich über Spiritualität?

DDB Ich denke Spiritualität ist etwas sehr persönliches und wird stark davon beeinflusst, wie man aufgewachsen ist. Dinge wie Erziehung, Religion oder die eigenen Gewohnheiten spielen eine große Rolle. Ich lese gerne die Bibel, obwohl ich nicht religiös bin. Ich finde diese bietet ein sehr gutes Grundverständnis davon, was die Welt ist. Am Anfang eines jeden Monats lege ich gerne Tarot. Grundsätzlich hängt viel von Erfahrung ab – je mehr man meditiert, desto stärker wird der eigene Geist. Man darf keine Angst vor dem Ungewissen haben. Keine Angst davor, Seiten an sich selbst zu entdecken, die man lieber verschleiern will. Wir wollen alle nur gemocht werden – wir wollen alle gut sein. Wir schauen unsere Schattenseiten lieber nicht so genau an. Man sollte aber so ehrlich wie möglich mit sich selbst sein und sich eingestehen, wenn man mal unhöflich war, oder man gescheitert ist.

JD Haben Sie also eine gewisse tägliche spirituelle Routine?

DDB Bei mir geht alles nach Vibe und Flow. Ich verfolge meinen Tag einfach nach Gefühl. Ich mag es, nach dem Aufwachen und vor dem Einschlafen zu meditieren. Es ist gut, die eigene Energie neu zu starten und gut zu schlafen. Manchmal schaue ich zufällig auf meine Uhr und sehe doppelte Nummern wie 12:12 oder 02:02. Dann google ich gerne die Zeit, um zu sehen welche Bedeutung dahinter steckt – welcher Engel gerade präsent ist. Nur weil man nicht alle Dinge sehen kann, heißt das nicht, dass sie nicht da sind. Sobald man spirituell auf einer Linie ist, fügt sich alles um einen herum.

JD Sie sprechen auch viel über den rückläufigen Merkur. Wieso ist der gerade so besonders und welche Tipps haben Sie, um diese Zeit gut zu überstehen?

DDB Merkur ist der Planet der Kommunikation. Wenn dieser also rückläufig ist, dann kommt es häufig zu Missverständnissen. Außerdem kommt es zu Komplikationen mit Technik und Organisation. Ich habe gerade die bewusste Entscheidung getroffen, 365 Tage keinen Sex mehr zu haben – ich hänge quasi ein Schloss vor meine Vagina und sage: Auf Wiedersehen, du rastest jetzt. Dinge, die man bei rückläufigem Merkur außerdem machen sollte, ist genügend Wasser trinken. Ein Visionboard ist eine super Idee – man kann die wildesten Träume aufschreiben, denn sobald man dies zu Papier gebracht hat, kann es auch manifestiert werden. Das Universum kann dies dadurch aktivieren. Außerdem den Fokus auf Selbstliebe legen: ins Fitnessstudio gehen, zuhause kochen, kein Fleisch mehr essen, ein bisschen weniger Milchprodukte und Zucker. Selbst wenn es nur kurzfristig ist, man merkt den Unterschied, denn die Haut sieht toll aus. Man lernt nie aus, man kann diese Zeit auch dazu nutzen, sich selbst weiterzubilden in Psychologie, kann neue Rezepte entdecken oder lernen sich selbst zu erden. Last but not least: Hautpflege, denn gute Haut sieht an jedem gut aus. Je besser die Haut, desto weniger Bakterien, weniger Pickel.

JD Sie hatten vorher Ihre Schattenseiten erwähnt, bekämpfen Sie Ihre inneren Dämonen durch Ihre Musik?

DDB Nein, in meiner Musik spricht mein höheres Selbst aus mir. Also jedes Mal wenn ich einen Song fertigstelle und dann später anhöre, merke ich, dass die Musik mir selbst voraus war. Ich bekomme viele Botschaften dadurch und merke, dass ich schon vorher wusste, was passieren wird. Wenn es also um meine Schattenseiten geht, dann sehe ich das eher in anderen Personen. Wenn ich jemanden nicht mag, dann muss ich mich darin erinnern, dass mir diese Person nur spiegelt, was ich an mir selbst nicht mag. Ich denke es ist sehr wichtig darüber nachzudenken, mit welchen Menschen man sich umgibt und, dass die einem die guten wie die schlechten Seiten an sich selbst zeigen werden.

JD Wenn Sie dann Musik schreiben, passiert das alles spontan?

DDB Das kommt ganz darauf an und ist bei jedem Song anders. Egal wohin ich reise, ich miete mir zur Sicherheit ein Studio an diesem Ort – für den Fall, dass ich inspiriert bin.

JD Und was kommt dann zuerst? Die Melodie oder der Text?

DDB Definitiv die Melodie. Ich höre zuerst eine Melodie und ein gewisses Muster. Dann nehme ich das auf und der Text kommt später.

 

JD Sie sind heute im Kontext der Nomad Series von Browns nach Berlin gereist. Fühlen Sie sich wohl in der Modewelt?

DDB Um ehrlich zu sein, war ich dieses Jahr das erste Mal bei der London Fashion Week. Ich agiere normalerweise immer lieber unter dem Radar – nehme Musik auf, entspanne, koche und lege meine Füße hoch. Ich habe aber auch gelernt, dass Mode- und Musikwelt ineinander fließen. Also habe ich entschieden, mich auch in die Modeszene zu integrieren, damit alle wissen, wer DDB ist. Es ist nicht meine Komfortzone, aber ich versuche mich in großem Stil zu zeigen. Es ist spannend zu sehen, wie Designer ihre Kreativität durch Kleidung ausleben, weil es so anders ist als einen Song aufzunehmen.

JD Es geht bei Browns auch viel darum, Nachwuchsdesignern eine Plattform zu geben. Wer waren Ihre Mentoren oder Wegbereiter in der Musikindustrie?

DDB Ich habe das Gefühl, dass es in der Musikszene viel darum geht, wen man kennt. Wenn man niemanden kennt, dann hat man Pech gehabt. Ich hatte nie Mentoren, ich kannte am Anfang niemanden. Mein Weg basiert nur auf Energie – ich versuche meine Energie so pur wie möglich zu halten. Niemandem auf die Zehen zu treten und so viel wie möglich zu kollaborieren. Irgendwie gibt das Universum immer großzügig zurück. Ich kann mich glücklich schätzen, diesen Weg so gut manövriert zu haben.

JD Talent schadet natürlich auch nicht.

DDB Haha, Danke!

 

Interview JULIA DEUTSCH
Fotografie BERNARDO MARTINS
Shot on Polaroid Originals OneStep White+