SCHÖNBRUNN WIE AUS DEM BILDERBUCH

Ein überdimensionales Stück Speck, das sich locker lässig über einer antiken Säule räkelt oder auch ein gigantischer Wasserhahn, aus dem Flüssiges in Form von LED-Schläuchen fließt. Im Vordergrund eine Band, die in einer Nacht alle Planeten vom Himmel holt und sie direkt auch in ihrer Live-Show einbaut. Die österreichische Band Bilderbuch spricht nicht in Rätseln, sie spricht ihre eigene Sprache und am eindrucksvollsten macht sie das live.

Das Quartett, bestehend aus Maurice Ernst, Michael Krammer, Philipp Scheibl und Peter Horazdovksy, bespielte gleich zweimal hintereinander Ende Mai das geschichtsträchtige Wiener Schloss Schönbrunn – als erste österreichische Pop-Band jemals.

 

Wer kann der kann und wer hat der hat

Erfolg haben steht spätestens seit Bilderbuchs Superhit Maschin außer Frage. Weitere Alben und speziell Hits wie Plansch, Bungalow, Baba oder auch LED Go wurden erfolgreich gefeiert. Eine Band, die innerhalb eines halben Jahres gleich zwei neue Alben veröffentlicht – Mea Culpa und Vernissage My Heart – denkt gerne groß.

So war auch ein Live-Projekt mit insgesamt 30.000 Fans kein Ding der Unmöglichkeit sondern vielmehr eine klare Ansage, sich selbst als die größte Pop-Band des DACH-Raumes zu positionieren. Am 24. Und 25. Mai betraten sie, in einer gigantischen Produktion und im Rahmen der One Earth Tour, die Bühne und gaben ein kunterbuntes Potpourri ihres Könnens zum Besten.

(C) Josef Beyer

So gut wie Bilderbuch auf der Platte klingen, so bezaubernd sind sie auch live. Ein fulminantes Bühnenbild, das das Auge einlud zu entdecken, Visuals auf den ehrwürdigen Wänden des Schlosses und auch Seifenblasen, die sich direkt in Rauch auflösten, für den der sie berührte. Hüftschwünge, Old-School Stage-Diving und der berühmte Wiener Schmäh von Frontmann Maurice Ernst waren am zweiten Tag sogar noch ausgereifter als am ersten. Bilderbuch nahmen sich Zeit für die hohe Kunst und scheuten auch nicht vor längeren melodischen Interludes, denn wie Maurice keck meinte: „Wir haben hier keinen Stress, oder?“

 

Ich hab Gefühle

Bilderbuch stecken in jedem Detail – Bilderbuch sind durchdacht und doch gleichzeitig frisch und oftmals auch überraschend. Als Zuschauer muss man nicht alles immer direkt erfassen (Stichwort Speck, der übrigens eine Referenz auf die Wohlstandsgesellschaft der westlichen Zivilisation darstellt), es darf sich auch mal langsamer entfalten. Was aber feststeht ist: Man fühlt Bilderbuch. Man spürt eine wahnsinnige Präsenz in ihren Auftritten, Präzision in ihrer Kunst und alles drumherum ist Glamour vom Feinsten, der jedoch niemals prätentiös wirkt, eher real. Abgesehen von technischem Schnick Schnack merkt es ein jeder schnell: diese Band hat Gefühle und weckt sie auch.

(C) Josef Beyer

Nicht nur für die Konzertbesucher gab es viel zu spüren – für die Künstler selbst gab es vielleicht noch viel mehr. War es freudige Erregung? War es Anspannung, Leistungsdruck oder auch einfach nur die Konzentration auf die Performance?

Bilderbuch gaben INTERVIEW Einblicke in die letzten Momente vor der Live-Show und die ersten Minuten nach dem erfolgreichen Gig. Wenn ein Bild mehr sagt als tausend Worte, dann laden wir hier und jetzt dazu ein, das Davor und Danach mit eigenen Augen zu erkunden.

Lassen Sie sich Zeit, wir haben hier schließlich keinen Stress, oder?

MAURICE

DAVOR (C) Eirikur Mortagne

DANACH (C) Eirikur Mortagne

PHILIPP oder auch ONE EARTH PILLEMANN

DAVOR (C) Eirikur Mortagne

DANACH (C) Eirikur Mortagne

 

PETER

DAVOR (C) Eirikur Mortagne

DANACH (C) Eirikur Mortagne

MICHAEL oder auch MIZZY BLUE oder auch SNACKY MIKE

DAVOR (C) Eirikur Mortagne

DANACH (C) Eirikur Mortagne

Redaktion JULIA DEUTSCH

Portraits EIRIKUR MORTAGNE

Titelbild (C) Paul Gärtner