LA FESTA

Italienische Musik ist so gut wie das Lebensgefühl des Dolce Vita selbst, sie will jedoch auf keinen Fall nur auf das süße Leben reduziert werden.

Frische und spannende KünstlerInnen drängen auf das musikalische Parkett und definieren die Szene neu. Die Musikszene in Italien hat sich in den letzten 5 Jahren radikal verändert. Eine neue Welle junger, innovativer und talentierter MusikerInnen zeigen, was italienische Musik im Jahr 2019 bedeutet. Im Rahmen des Reeperbahn Festivals findet am 19. September der italienische Showcase La Festa statt, auf dem vier Bands aus dieser Riege auftreten. Zum Beispiel das Art-Electro-Pop Duo I’m Not A Blonde; der Mailändische Musiker Andrea Poggio, der gekonnt den italienischen Pop der 80er und 90er mit modernen Produktionen vermischt; die autodidaktische Electro-Pop Musikerin mit bezaubernder Hauchstimme Julielle sowie das bekannte Shoegaze-Trio Be Forest.

Zur Feier des Showcase haben die KünstlerInnen einen Einblick gegeben, was für sie zeitgenössische, italienische Musik bedeutet.

 

Was bedeutet zeitgenössische, italienische Musik für dich?

Andrea Poggio

Musik ist ein charmantes, sich ständig veränderndes Medium, das dazu benutzt werden kann, Ausdruck zu kreieren, der noch nie zuvor gehört wurde oder, der die Vergangenheit rekonstruieren kann. Manch aktuelle, italienische Musik geht in diese Richtung, aber oft fehlt das Experimentieren, was mich aufregt. Gute Musik zu machen impliziert, Risiken einzugehen und den Ohren der faulen Hörer nicht immer nur zu schmeicheln.

 

Julielle

Wenn ich Musik mache, dann lasse ich mich von allem inspirieren was mich umgibt – ich meine, von Italien natürlich auch. Ich bin ein Teil meines Heimatlandes und das kann man auch in meinen Songs fühlen, in den Geschichten, die ich erzähle und den Landschaften, die ich beschreibe. Abgesehen von der Beziehung zu meinem Land, fand ich andere, fremde Realitäten aber immer auch sehr ansprechend. Die Genauigkeit von internationalem Sound und der experimentelle Zugang, genauso wie die Suche nach neuen Wegen, um Musik zu machen sind toll. Deshalb habe ich meine Songs auch immer auf englisch geschrieben und freue mich meine Musik im Kontext des Reeperbahn Festivals zu präsentieren. Natürlich gibt es auch italienische Realitäten, die ich sehr schätze – speziell die, die näher an meinem Genre (Electro Pop) sind. Zum Beispiel Produzenten und Künstler wie Godblesscomputer, Inude, Yakamoto Kotzuga und Lim. Aber auch Musiker aus einem anderen Genre, so wie Venerus.

 

Be Forest – Erica Terenzi

Ich sehe das Konzept von zeitgenössischer, italienischer Musik als obsolet an, weil man italienische Musik nicht aus einem größeren Musik-Kontext isolieren kann. Mittlerweile gibt es keine großen Unterschiede zwischen den Dingen, die hier produziert werden, oder international. Da ist Musik, Sound und (manchmal) ein Konzept dahinter. Wenn man persönliche Präferenzen ausgliedert, dann kann man italienische Musik als eine Kombination aus objektiv validen Songs und schlecht produzierten sehen – genauso wie in anderen Teilen der Welt. Aber am Ende des Tages sind wir Italiener, also geht es viel um Gefühle! Ehrlichkeit und Täuschung sind die zwei Variablen, worum sich die italienische Musik dreht. Ich erlebe eine Tendenz in Richtung eines unnötigen Überbaus, der die wahre Message eines Songs verschleiert. Es fühlt sich an wie Tricks, die die Hörer verzaubern sollen und das finde ich schade. Ich weiß nicht, ob das nur ein italienisches Ding ist, oder eine generelle Entwicklung. Ich schätze nur echte Musik wird die Zeit überdauern.

 

I’m Not A Blonde

Was für eine Frage! Wenn ihr die schonungslose Wahrheit hören wollt, für uns bedeutet es “harte Zeiten”. Harte Zeiten für all die Musik und die Bands, die nicht dem Trend der Zeit folgen. Wir haben das Gefühl, dass die Musikindustrie keine Risiken eingehen und auch nicht in alternative Dinge investieren möchte. Im Italien der 90er Jahre, da gab es eine viel stärkere Independent-Szene, die ein größeres Publikum erreicht hat und sich auf die internationale Szene bezogen hat, die die Italienische Musiksprache mit Einflüssen kontaminiert hat. Das passiert auch jetzt noch, aber viel weniger und mit weniger Aufmerksamkeit. Es gibt eine interessante Underground Szene in Italien, die Probleme hat, zu überleben. Das Beste ist, wenn wir “das Wunder” miterleben, also ein alternativer Song, oder ein Künstler, der es gegen alle Regeln in die Charts schafft. Wir lieben das und es macht uns glücklich!!