FUCK THE BOYS IN BLUE

Man weiß, dass man nichts weiß, und was RMR angeht, weiß man noch weniger. Man weiß nicht, wo er herkommt, wie er aussieht oder wie alt er ist, nichts über seine Geschichte oder musikalischen Hintergrund. Ja, bis vor kurzem wusste man nicht einmal, wie man seinen Namen korrekterweise ausspricht. Nämlich nicht „R-M-R“, sondern „Rumour“, worauf man angesichts der Geheimniskrämerei vielleicht auch selbst hätte kommen können. Im Februar veröffentlichte RMR das Video zu seinem Song „Rascal“, das noch Monate später noch so verblüffend wie rätselhaft wirkt wie am ersten Tag. Ein Mann mit einer Skimaske auf dem Kopf und einer schusssicheren Weste mit dem Logo von Saint Laurent (kein Look der regulären Kollektion, nehmen wir an) stimmt mit engelsgleicher Stimme eine Countryballade an, in der es um die Zumutungen eines Lebens als Dealer geht: Neid, schlaflose Nächte, Frauen, die ihm das Herz gebrochen haben und nun dafür büßen müssen („bitches that broke my heart /they became the hoes I scam“) sowie natürlich die Polizei („fuck the boys in blue“). „Fuck 12, fuck 12“, hört man ihn mit Inbrunst singen, wobei man vielleicht ergänzen muss, dass es sich bei „12“ um ein Codewort für Drogenfahnder handelt, weswegen es eine berufsbedingte Begleiterscheinung ist, dass die schwerbewaffneten Kerle um ihn herum ausgesprochen bedrohlich mit ihren Gewehren und Pistolen hantieren.

 

 

Photo: Mike Peaced

Man weiß, dass man nichts weiß, und was RMR angeht, weiß man noch weniger. Man weiß nicht, wo er herkommt, wie er aussieht oder wie alt er ist, nichts über seine Geschichte oder musikalischen Hintergrund. Ja, bis vor kurzem wusste man nicht einmal, wie man seinen Namen korrekterweise ausspricht. Nämlich nicht „R-M-R“, sondern „Rumour“, worauf man angesichts der Geheimniskrämerei vielleicht auch selbst hätte kommen können. Im Februar veröffentlichte RMR das Video zu seinem Song „Rascal“, das noch Monate später noch so verblüffend wie rätselhaft wirkt wie am ersten Tag. Ein Mann mit einer Skimaske auf dem Kopf und einer schusssicheren Weste mit dem Logo von Saint Laurent (kein Look der regulären Kollektion, nehmen wir an) stimmt mit engelsgleicher Stimme eine Countryballade an, in der es um die Zumutungen eines Lebens als Dealer geht: Neid, schlaflose Nächte, Frauen, die ihm das Herz gebrochen haben und nun dafür büßen müssen („bitches that broke my heart /they became the hoes I scam“) sowie natürlich die Polizei („fuck the boys in blue“). „Fuck 12, fuck 12“, hört man ihn mit Inbrunst singen, wobei man vielleicht ergänzen muss, dass es sich bei „12“ um ein Codewort für Drogenfahnder handelt, weswegen es eine berufsbedingte Begleiterscheinung ist, dass die schwerbewaffneten Kerle um ihn herum ausgesprochen bedrohlich mit ihren Gewehren und Pistolen hantieren.

Das Ganze ist einigermaßen absurd, clever, lustig und es ist vor allem ein unglaublich guter Song. Die Grundlage dafür lieferte Rascal Flatt mit seinem eigentlich ziemlich öden Countryhit „Bless The Broken Road“, in dem es um das ewige Leid mit der Liebe ging. Wer sich auch immer diese Mischung aus Country, Trap und Schnellfeuerwaffen ausgedacht hat, muss mindestens ein Genie sein. Vielleicht war es sogar RMR selbst, doch bei bei dem Interview – es ist sein erstes mit der internationalen Presse – ist praktisch nichts aus ihm herauszubekommen. Mit der Skimaske über dem Schädel sitzt er vor der Kamera seines Rechners und gibt sich betont einsilbig. Die Maske habe er auf, weil eigentlich jeder eine Maske tragen würde, auch ohne eine Maske zu tragen. (Klar, guter Gedanke, kann man so sehen.) Nein, über seine EP „Drug Dealing Is A Lost Art“ könne er noch nichts sagen, aber er würde jede Spielart von Musik hören, HipHop, R’n’B, Country, Jazz usw. (Eine Angewohnheit, die zuletzt vielleicht in den Nullerjahren radikal war.) Nein, er sei kein Produkt von ausgefuchsten Plattenfirmenstrategen, dass sei er alles selbst. (Okay, das kann man ihm glauben, weil von Plattenfirmen selten gute Ideen entwickelt werden). Tatsächlich hätte eine Plattenfirma ein Video wie „Rascal“ auch nicht so preisgünstig produziert. Alles daran wirkt erstaunlich unterfinanziert, nur die Knarren nicht. Laut den Schusswaffenexperten aus Youtube sind die Dinger wohl alle echt, wahrscheinlich auch die Jungs, die sie halten, was wiederum erklärt, warum sie offenbar keine Ahnung haben, wie man sich zu einer Countryballade bewegt.

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Nun ist RMRs großartige EP „Drug Dealing Is A Lost Art“ endlich draußen und der Countryanteil deutlich reduzierter als erwartet. Er weht zwar noch ein wenig durch den von Timbaland produzierten Song „I’m Not Over You“, keine Liebesballade, wie man annehmen möchte, sondern eine Auseinandersetzung mit nicht überwundenen Süchten. Ansonsten bewegt sich RMR in Grenzbereich zwischen HipHop und R’n’B. Die Songs heißen „Welfare“ (Mutter lebte von der Wohlfahrt, ich habe jetzt ein Condo in der City), „Dealer“ (Ich schluck’ ne Xanax) und „Nouveau Rich“ (Habe das Leben, das ich wollte, hoffentlich vermassel ich es nicht). Dazu RMR wechselt mit gebutterter Stimme zwischen Rap und Gesang über sehr aufgeräumten Arrangements, während Future, Lil Baby und Westside Gunn ihre Features beisteuern. Natürlich haben wir noch immer keine Ahnung, wie RMR eigentlich aussieht. Aber vielleicht kommt es darauf auch gar nicht so sehr an.

 

 

Words HARALD PETERS