FATMA SHANAN “YELLOW SKIRT”

Die 1986 geborene Künstlerin Fatma Shanan ist aktuell mit ihrer ersten europäischen Einzelausstellung „YELLOW SKIRT“ in der Berliner Galerie Dittrich & Schlechtriem zu sehen. Der Pressetext sagt: „Shanas Werke werfen Fragen zur Bedeutung bestimmter Orte und unserem Verhältnis zu ihnen und uns selbst auf und sprengen die Grenzen von Identität und körperlicher Gegenwart im Raum“. Komplizierte Satzkonstruktionen, die auch im Interview mit Shanan immer wieder zum Vorschein kommen und die man wohl erst dann versteht, wenn man sich vor ihre Werke stellt. In unterschiedlichen Raumsituationen: auf dem Rücken liegend, über einem Teppich schwebend oder mitten auf einem offenen, grünen Feld, sind Frauenfiguren abgebildet, welche die Künstlerin als Repräsentation ihrer selbst bezeichnet. Seltsam vertraut wirken die sowohl groß- als auch kleinformatigen Gemälde. Erst beim genaueren Hinsehen entdeckt man surreale Details und die Überwindung physikalischer Gesetzte.

Tobias Langley Hunt: Was zeichnet Sie als Künstlerin aus?

Fatma Shanan: Der ständige Versuch, den Betrachter meiner Arbeit dazu zu ermutigen, sich Fragen über seine persönliche Welt zu stellen und zwar durch das Medium meiner persönlichen Welt, einer universellen Welt in Form eines Gemäldes.

TL: Wie würden Sie Ihre künstlerische Praxis beschreiben?

FS: Ich bin Malerin. Ich betrachte das Malen jedoch als einen bedeutungsvollen, persönlichen und kreativen Prozess, der als Einheit verstanden werden kann. Die Malerei kann nicht ohne diese, ihr vorangegangene Einheit existieren, welche sich auf die Inszenierung von Szenen und die Aktivierung meines eigenen Körpers bezieht. Ich nenne es Eigenperformance (ein performativer Akt, ohne Zuschauer). Die Erfahrung der Körperlichkeit begleitet mich auch dann, wenn ich mich auf die Malerei konzentriere. Meine Tätigkeit, die sich im Laufe der Jahre entwickelt hat, ist nicht nur auf geistig kognitive-, sondern auch auf körperlich kognitive Weise erfahrbar. Sie findet ihren Ausdruck in meinen Werken, die sowohl intime als auch äußere Gesichtspunkte umfassen, immer unter der Bedingung ein Substrat auf die Leinwand zu bringen um eine Welt zu kreieren, tröpfchenweise, ohne die einzelnen Tropfen zu vermischen.
Außerdem interessiert mich die künstlerische Strategie, eine gewisse Hemmung zu verspüren, wenn ich mich dem Gemälde nähere.

TL: Haben Sie Vorbilder?

FS: Künstler wie James Turrell und Richard Serra (welche minimalistisch, monumentale Skulpturen kreieren). Außerdem Francis Bacon, Mark Rothko, René Magritte, Max Ernst und Botticelli. Und die Performance Künstler Sigalit Landau und Marina Abramović.

TL: Gibt es weibliche Kunst? Oder ist das eine rückwärtsgewandte Frage?

FS: Für mich ist die Sprache der Kunst kein Medium, eher etwas, was als Kombination aus Thema, Stil und Perspektive an die Oberfläche tritt– die Integration von Variablen, kein Wesenskern.
Aber letztendlich ist Geschlecht konstruiert und kein starres Fundament.

TL: Haben Sie eine Botschaft? Was wollen Sie der Welt mitteilen?

FS: Ich glaube nicht, dass „Welt“ hier das richtige Wort ist. Ich habe Botschaften für Individuen und letztendlich ergibt sich daraus etwas für eine breite Masse. Und zwar: erhaltet euch ein Raumbewusstsein. Jeder Raum, jeder physische bzw. geografische Ort hat einen direkten Einfluss auf unsere Körper und unserer Erfahrungen.

TL: Ihre Arbeit wirkt sehr persönlich/privat, wie fühlt es sich an, sie im Rahmen einer Galerie oder eines Museums der Öffentlichkeit vorzustellen?

FS: Ja, meine Werke sind sehr persönlich aber das definiert ihren Eros. Denn obwohl meine Arbeit persönlich ist, beinhalten sie trotzdem auch Beobachtungen, Gedanken und Diskurse aus dem Zusammenspiel zwischen „privat“ und „öffentlich“ bzw. zwischen „persönlich“ und „sozial“.
Außerdem ist für mich die Enthüllung des Persönlichen nichts Beängstigendes, sie dient eher als Plattform für Interpretationen oder für das Einbeziehen von Sozialem und Gemeinschaftlichem.

Die Ausstellung „YELLOW SKIRT“ ist noch bis zum 13. April 2019 bei DITTRICH & SCHLECHTRIEM in Berlin zu sehen.

Interview TOBIAS LANGLEY HUNT