ES GILT DAS GESPROCHENE WORT

Wenn zwei Menschen aufeinandertreffen, dann bleibt manchmal kein Stein auf dem anderen, dann vermag dies sogar den Verlauf eines ganzen Lebens zu korrigieren.

In ‚Es gilt das gesprochene Wort’ geht es um eine ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen der deutschen Pilotin Marion (Anne Ratte-Polle) und dem anatolischen Baran (Oğulcan Arman Uslu), der von einem Neuanfang in Europa träumt.

Als sich die beiden am Strand eines Ferienortes in der Türkei kennenlernen, hat dies wenig mit Liebe auf den ersten Blick zu tun: Sie sehen ineinander vielleicht so etwas wie eine Option, eine Chance der eigenen Realität zu entfliehen.

 

Marion, die durch eine Brustkrebs Erkrankung gezwungen wird, ihren Job als Pilotin an den Nagel zu hängen und Baran, der nach jeder Möglichkeit trachtet, seinen Job als Kellner und Animateur verlassen zu können. Als Marion beschließt, Baran nach Deutschland zu holen, beginnt eine reservierte, aber freundschaftliche Beziehung, die vor viele Prüfungen gestellt wird. Bürokratie und ein harter Gegenwind des Umfeldes müssen überwunden werden, bevor die Mauer zwischen den beiden zu bröckeln beginnt und Platz für eine Liebe der speziellen Art geschaffen wird.

Anne Ratte-Polle beschreibt für Interview die Rolle der Marion als eine Person, die den Bodenkontakt verloren hat, um in den Lüften schweben zu können. In der Vorbereitung auf die Rolle habe sie sich damit beschäftigt, was es bedeutet den Beruf der Pilotin auszuüben – sie skizziert die Flugwelt als eine totale Männderdomäne und beschreibt ein sehr unsicheres Leben, weil man theoretisch jederzeit abstürzen kann. Als Pilotin wie Marion muss man eine gewisse Stabilität ausstrahlen, weil man die Verantwortung für viele andere Passagiere hat. Es war spannend für Anne Ratte-Polle herauszufinden, wie man sich fühlt, wenn man fliegt. Gerade nach einem Langstreckenflug ist man ja fast wie narkotisiert. Als Marion von ihrer Erkrankung erfährt, ändert dies sehr viel in ihrem Leben und sie beginnt ungewöhnliche Entscheidungen zu treffen: Sie gibt Baran eine Chance auf ein neues Leben.

 

(C) X Verleih AG Erik Mosoni

(C) X Verleih AG Erik Mosoni

Die Geschichte von Marion und Baran wurde vom deutschen Regisseur Ilker Çatak zum Leben erweckt. Als Kind besuchte er in den Sommerferien oft seine Großeltern, die eine Pension im Ferienort Marmaris in der Türkei führten. Hier sah er viele Konstellationen wie die von Baran und Marion – europäische Frauen, die sich nach Liebe und Zuneigung sehnten und anatolische Männer, die nach neuen Chancen in Europa strebten. Das Schicksal dieser Paare faszinierte ihn seither. Mit ‚Es gilt das gesprochene Wort’ gelingt Ilker Çatak ein berührender Film, der die Facetten von komplizierten Beziehungen greifbar macht – melancholisch aber doch immer hoffnungsvoll.

Neben etablierten Schauspielern wie Anne-Ratte Polle, Godehard Giese oder Jörg Schüttauf glänzte auch das Nachwuchstalent Oğulcan Arman Uslu, der überaus überzeugend die Hauptrolle Baran verkörpert – in seiner ersten großen Hauptrolle im Film. Die Geschichte lebt von der filigranen Spannung zwischen Marion und Baran, die auch ohne viele Worte auskommt. Anne Ratte-Polle war dafür zum Casting nach Istanbul geflogen und führte die Szenen mit Oğulcan Arman Uslu durch – ohne große Sprachkenntnisse seinerseits. Sie beschreibt die Wichtigkeit der Schauspieler „miteinander zu sein“, dann würden Dinge passieren, mit denen man vorher nicht gerechnet hätte. Man fände immer eine Sprache miteinander, wenn diese auch nur über die Augen stattfindet.

(c) X Verleih AG Erik Mosoni

 

‚Es gilt das gesprochene Wort’ spielt mit gängigen gesellschaftlichen Klischees und Vorurteilen, um diese umgehend klug und subtil zu entkräften. Ein Film, der es vermag in der Riege von internationalen Produktionen mitzuspielen, jedoch niemals den künstlerischen Anspruch verliert, der die gezeigte Geschichte zu einem besonderen Stück Unterhaltung macht.

‘Es gilt das gesprochene Wort’ ist seit dem 1.August.2019 in ausgewählten Kinos zu sehen.