CATALOGUE OF DISGUISE

Irgendwo hinter dem Berliner Hauptbahnhof, im Hinterhof einer Gewerbefläche versteckt, befindet sich ein neues Clubkonzept: Trauma Bar und Kino oder auch TRAUMABARUNDKINO genannt. Es handelt sich hier nicht nur um ein weiteres Berliner-Tanz-Etablissement, nein, hier gibt es Kunst, Film und ziemlich oft, weil doch auch irgendwie Club, ziemlich gute Musik.

Photo: Federico Reyes

Vergangenen Samstag wurde das Programm dann um so etwas wie Mode erweitert, vielmehr handelte es sich dabei aber um eine Tanz-Performance, die eigentlich gar nicht modisch sein wollte, es im Endeffekt dann aber doch war. Wo fängt man also an mit der Beschreibung? Der Titel hilft: Catalogue of Disguise, also ein Katalog der Verkleidung, damit ist wohl wieder nicht die Mode gemeint, auch wenn die Outfits eine Assoziation mit Verkleidung nicht zuließen. Eher ein bisschen Berliner-Chic, ein bisschen Modeschule-Abschlusskollektion, also doch Mode, entworfen von drei jungen Designerinnen namens Olga Khristolyubova, Aleksndru Plesco und Tatjana Bombach. Der Verkleidungsaspekt war subtiler, die Musik zum Beispiel: ziemlich harter Techno, welcher zwischendurch immer wieder durch ASMR verkleidet wurde. ASMR – ein Internet-Phänomen, bei welchem die Interpreten sich dabei filmen, wie sie in ein Mikrofon flüstern, hauchen oder schmatzen, was auf die Rezipienten dieser Aufnahmen beruhigend wirken soll.

Photo: Federico Reyes

Zuckend, kriechend und rhythmisch-bewegend tanzten 12 Performer eine Choreografie von Franka Marlene Foth, immer wieder schienen die dynamischen Bewegungen in Loops zu verharren. Diese GIF-Optik wirkte wie eine weitere Anspielung auf die digitale Welt. Vielleicht ist auch hier die Verkleidung als Metapher zu verstehen, unser aller Hang das reale Leben durch Filter, Hashtags und Like-sammelnde Handlungen zu kaschieren?

Photo: Federico Reyes

Auch wenn eine finale Positionierung ebenso schwer zu erkennen war wie eine zielgerichtete Botschaft, überzeugte die Performance doch durch ihre unglaubliche Intensität, ob man wollte oder nicht, man ergab sich dem Dargestellten gefesselt und fasziniert. Emotional, divers, experimentell und künstlerisch griff Catalogue of Disguise dabei das Konzept des Veranstaltungsortes auf. Das durfte man spätestens feststellen, als man nach Ende der Performance für die After-Show-Party noch ein wenig auf der Tanzfläche der TRAUMABARUNDKINO verweilte.

Photo: Olga Khristolyubova

Creative Direction: Tanja Bombach, Fashion design collaboration: Olga Khristolyubova, Alexandru Plesco und Tanja Bombach, Choreography: Franka Marlene Foth, Styling: Toby Grimditch, Hair: Janina Zais, Make up: Maria Boman, Heeled ankle boots: Sintezia, Jewelry: Emma Castle, Performers: Stephan Quinci, Peer Liening, Chester Hayes, Janan Laubscher, Nina Burkhardt, Phoenix Chase-Meares, Lena Kilchitskaya, Jos McKain, Camille Jackson, Christopher Bullen, Margot Libanga and Yi-Wei Tien.

Words TOBIAS LANGLEY HUNT