ANDI FISCHER

Er ist die Neuentdeckung des Kunstmarkts.

Er ist inspiriert von Dürer und Rubens.

Er malt wilde Tiere.

Er könnte ihr Auto reparieren, wenn er wollte.

Schwert Fish, 2019. Courtesy of the artist; Sies + Höke, Düsseldorf. Foto: Simon Vogel.

TOBIAS LANGLEY HUNT Ich würde als Einstieg gern drei Punkte abarbeiten, ich gebe Ihnen ein Stichwort, und Sie sagen mir, was Ihnen dazu einfällt.

ANDI FISCHER Okay!

TLH 1987

AF Da fällt mir mein Geburtsjahr zu ein und sonst nicht allzu viel, wenn ich ehrlich bin. Ich hab da nicht so viel mitbekommen.

TLH Kfz-Mechaniker

AF Zum Kfz-Mechaniker fällt mir einiges ein. Zum Mechatroniker vor allem. Meine erste Ausbildung war zum Mechatroniker und nicht Mechaniker, den gibt es ja nicht mehr. Ich habe die Lehre irgendwann mal gemacht, vor allem weil mein bester Kumpel das gemacht hat. Ich hatte nur den Hauptschulabschluss – den qualifizierten Hauptschulabschluss, so nennt man das. Da blieben nicht viele Möglichkeiten, ich glaube, ich hätte noch Friseur werden können. Ich hab das aber hauptsächlich gemacht, um wenigstens mit meinem besten Kumpel in der Berufsschule abzuhängen.

TLH Studium UdK Berlin, Thomas Zipp – jetzt wissen Sie wohl auch, woher die Punkte kommen.

AF Ja, wahrscheinlich, weil die alle auf meiner Website stehen. Und ja, auch der letzte Punkt ist wahr.

 

TLH Warum sind denn ausgerechnet diese Punkte unter „Bio“ so minimalistisch aufgelistet?

AF Es geht ja im Endeffekt um den Lebenslauf, und der Lebenslauf beginnt mit dem ersten Punkt. Außerdem war es für mich wichtig, die Ausbildung zum Kfz-Mechaniker irgendwann zu beenden, deshalb ist der zweite Punkt so prägnant. Am aktuellsten ist natürlich der dritte Punkt: Künstler sein, was weiß ich, also der Abschluss einer Kunsthochschule. Ob das jetzt wichtig ist, weiß ich nicht, jedenfalls ist es der Grund, weshalb man eine Website hat. Als Kfz-Mechaniker hätte ich mir wahrscheinlich keine Website gebaut.

TLH Können Sie sich einen weiteren Punkt vorstellen, beziehungsweise, was könnte da noch hinzukommen?

AF Ich glaube, nicht viel, da kommt nicht mehr viel. Da kommt irgendwann ein Kreuz, und da steht dann mein Todesjahr, und das war’s. Aber das werde ich nicht mehr eintragen, glaube ich, und ich hoffe, das dauert auch noch ganz lange.

TLH Zum aktuellsten Punkt, das Künstlersein, gab es diesen Aspekt auch schon während der Kfz-Mechaniker-Lehre oder entstand das mit dem Kunststudium?

AF Ich glaube, das gab es davor schon irgendwie, wenn man sich dazu entscheidet, sich an einer Kunsthochschule zu bewerben. Selbst wenn man nicht genommen wird, ist das eine Sache, die man gern machen würde oder die man sich gern vorstellt. Und dass das funktionieren würde, also in dem Sinne, dass man davon leben kann, davon bin ich nie ausgegangen. Letztendlich war das aber das Einzige, was ich studieren konnte. Bei Kunst habe ich nicht den Stress, den andere Studiengänge mit sich bringen, mit dem Schreiben und so weiter. Der Stress kommt dann natürlich nach dem Studium, da hat man dann im Normalfall nicht so viel, es ist nicht so, dass Künstler gesucht werden.

Hallo Leopard Hallo, 2019. Courtesy of the artist; Sies + Höke, Düsseldorf. Foto: Simon Vogel.

 

TLH Dafür, dass Sie noch relativ am Anfang Ihrer Karriere stehen, haben Sie schon ein recht klares Oeuvre. War das eine Entwicklung oder immer schon Ihre Art des Ausdrucks?

AF Das Interessante ist, dass sich da ein Kreis schließt. Ich habe mich an der Uni mit sehr ähnlichen Arbeiten beworben, also für mich sind sie ähnlich, ein Außenstehender würde das vielleicht anders beurteilen. Während des Studiums habe ich mich dann davon distanziert, weil man im Studium natürlich ganz andere Möglichkeiten hat, sich zu entwickeln und auszuleben. Aber bei mir ging es immer sehr um Geschwindigkeit, es ging darum, Dinge schnell hinter mir zu lassen oder abzuarbeiten, schnell zum Ergebnis zu kommen. Weil ich ein sehr ungeduldiger Mensch bin.

TLH Wie lange brauchen Sie für so ein Bild?

AF Das ist schwierig zu sagen, weil das geht lange vorher los, der Malprozess dauert nicht sehr lange. Das kann ich aber nicht sagen, das müsste ich mal stoppen. Aber ich bin schon gut in Fahrt, wenn ich das mache, ich bin da ziemlich abgeschlossen mit dem Bild und mir und kriege sonst nicht viel mit. Zeit und Raum verschwinden da ein bisschen. Ohne pathetisch klingen zu wollen, aber das ist wirklich so, ich habe in dem Moment kein Gefühl für irgendwas. Aber das Bild selbst geht wo ganz anders los, das sind manchmal Jahre, manchmal Wochen, allein den Rahmen zu bespannen dauert seine Zeit, das zähle ich auch schon dazu.

 

 

 

Dies ist eine gekürzte Version unseres Interviews mit Andi Fischer. Das gesamte Interview finden Sie in unserer aktuellen Spring-Ausgabe welche in unserem Shop auch als digitaler Download erhältlich ist.

 

 

Interview TOBIAS LANGLEY HUNT