AMBER ALERT

Rich Aybar war eigentlich ein bekannter Stylist. Als er vor einiger Zeit in Berlin lebte und keine Lust mehr darauf hatte, seine Wohnung mit bereits existierenden Möbeln auszustatten, experimentierte er ein bisschen mit Schaum und Gummi und entwarf so wundersame Einrichtungsgegenstände, die dann wenig später auf der Art Basel Miami (2019) ausgestellt wurden. Gummi ist elastisch, was sehr praktisch sein kann, wenn man weiche Schuhsohlen oder keinen Nachwuchs haben will. Es hat aber auch die Eigenschaft, immer wieder seine eigentliche Form anzunehmen, wenn man versucht die Elastizität zu strapazieren. Im übertragenen Sinne könnte man sagen: Gummi vergisst nicht. So auch nicht die Abgründe seiner Geschichte: Unter dem Wort Kongogräuel findet sich eines der schrecklichsten Menschheitsverbrechen der europäischen Kolonialgeschichte. Zwischen 1888 und 1908 sind bis zu zehn Millionen versklavte Kongolesen zu Tode gekommen, einzig und allein um die belgische Kautschukgewinnung in den Zeiten des sogenannten Kautschukbooms voranzutreiben. Nicht weniger furchtbar ging es in Südamerika zu, insbesondere in Peru. Diese und weitere Geschichten gießt Aybar in seine Skulpturen hinein – visualisiert durch eine eigens produzierte Dokumentation über die Historie dieses Materials in Zusammenarbeit mit Leilah Weinraub.

Das Transparent-Machen und Hinterfragen ist die Basis von Amber Alert, so der Name der Kollektion. Dargestellt durch die bernsteinfarbene, lichtdurchlässige Materialität seiner Lampen, Sessel, Tische und sogar Zimmerbrunnen. Ob die Stühle bequem sind, fragen sie sich? Das wissen wir leider nicht, das Material spricht dafür, die eingearbeitet Thematiken dagegen. So oder so ist Rich Aybar ein aufstrebender Designer, den man sich merken sollte.