Connan

Mockasin

Er ist der verlorene Sohn von Klaus Kinski, der Jimi Hendrix von Neuseeland, der Surfer mit Kapuze

FRAUKE FENTLOH Sie sind in einer winzigen Stadt in Neusee­land aufgewachsen, wie ging es dort zu?

CONNAN MOCKASIN Das war nicht mal eine Stadt, sie war sehr, sehr klein, es wohnen vielleicht 600 oder 700 Men­schen dort. Direkt am Ozean. Eine Meeressiedlung. Meine El­tern leben dort noch immer in einem kleinen Haus. Ich habe zwei Brüder, wir waren also zu fünft, meine Brüder und ich ha­ben uns ein kleines Zimmer ge­teilt. Wenn ich heute zu Besuch komme, schlafe ich in einem Zelt. So klein ist das Haus.

FF Im Garten?

CM Ja, meine Eltern wohnen sehr nah am Meer, darum weht immer eine angenehme See­brise.

FF Ihre Musik klingt ganz an­ders als alles, was man sonst so hört. Ich frage mich, woher das kommt?

CM Es freut mich, dass Sie das sagen. Als Kind waren mei­ne größten Einflüsse jeden­falls Jimi Hendrix und Michael Jackson.

FF Wie sind Sie mit denen in Kontakt gekommen?

CM Wir hatten einen Fernse­her mit zwei Kanälen. Das war’s in etwa. Meine Eltern haben sich sehr für Musik interessiert, also gab es viele Schallplat­ten. Irgendwann sah ich einen Film, in dem ein Hendrix­ Song lief. Meine Mutter meinte, wir hätten die Platte im Schrank. Sie war fantastisch, „Band of Gypsys“, ich habe sie als Kind sehr oft gehört. Die Malerei habe ich auch immer geliebt. Ich habe gemalt, lange bevor ich Musik gemacht habe.

FF In welchem Stil?

CM Mir gefallen Farben. Die deutschen Expressionisten mag ich sehr. Ernst Ludwig Kirch­ner.

FF Psychedelisch wie Ihre Mu­sik?

CM Nun, ich mag eigentlich gar nicht so gern Psychedeli­sches. Ich glaube, bei meinem ersten Album haben die Leute das so empfunden. Man be­kommt ein Etikett verpasst. Das klebt. Malen ist ähnlich wie Musik machen, ich höre auf nachzudenken, und es fließt einfach heraus. Das fühlt sich gut an. Passiert aber nicht die ganze Zeit. Es ist auch beängs­tigend. Nun, es bringt mich nicht um, so beängstigend ist es eigentlich nicht.

FF Mir hat jemand gesagt, Sie sähen aus wie der Sohn von Klaus Kinski und Andy Warhol, kommt Ihnen das bekannt vor?

CM Haha, ja. Ich war einmal in Amerika auf Tour, da war ein Deutscher namens Hannes dabei. Er meinte, ich würde wie Klaus Kinski aussehen. Ich sagte, Kinski wäre mein Groß­vater. Er hat mir geglaubt. Er tut es wohl immer noch. Er hat mich die ganze Zeit fotografiert.

FF Wovon handelt Ihr neues Al­bum „Jassbusters“?

CM Diesmal geht es um eine Band aus Musiklehrern, High­school­ Musiklehrern, um ge­nau zu sein. Meine Brüder, un­ser Nachbar und ich haben als Kinder Kurzfilme mit dem Titel „Bostyn ’n Dobsyn“ gedreht. Bostyn war Lehrer und hatte eine Band namens Jassbusters. Nun haben wir die Geschichte richtig verfilmt, in Los Angeles. Anschließend bin ich nach Pa­ris geflogen und habe die Platte aufgenommen.

FF Wollen Sie das Filmemachen weiterverfolgen?

CM Unbedingt, die Büchse der Pandora ist geöffnet.

FF Wer sind Ihre filmischen Vorbilder?

CM Ich finde es eigentlich ziemlich schwierig, Filme anzu­sehen. Wenn ich einen beginne, brauche ich bestimmt 15 Minu­ten, bis mein Interesse geweckt ist, und dann ist es meistens zu spät. Ich habe gerade diesen Eddie­ Murphy ­Film „Coming to America“ gesehen, den fand ich fantastisch.

FF Ist das der, in dem Eddie Murphy einen Prinz spielt?

CM Er spielt einen Prinz, genau! Ich wusste nicht, dass er existiert, er hat mir wirklich gefallen. Ich versuche immer, etwas zu finden, zu dem ich einschlafen kann. Am Ende saß ich wie gebannt vor dem Fern­seher.

FF Sie haben lange in Kaliforni­en gelebt, surfen Sie?

CM In meiner Kindheit sehr viel, weil wir direkt am Meer gewohnt haben. Inzwischen schaffe ich es nur noch äußerst selten. Andrew Van Wyngarden von MGMT und ich unterneh­men gelegentliche Surftrips, wir sind in Island und Nicara­gua gewesen. Wir surfen auch zusammen in New York, wo er wohnt. Manchmal in Malibu.

FF Island und New York erschei­nen mir recht kalt fürs Surfen.

CM Eiskalt! Wir hatten natür­lich besondere Neoprenanzüge. Völlig isoliert. Sie haben eine Kapuze und bedecken alles au­ßer das Gesicht. Es ist ziemlich schwer, in sie reinzukommen.

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