HY THERE, HY-WHAT?

Den Satz „Immer schön viel Wasser trinken“ hat man tausendfach gehört und meistens genau so schnell wieder vergessen. Zumindest bis zum nächsten Morgen, wenn man sein zerknittertes Ich mit einer fahlen und müden Haut im Spiegel erblickt. Was dann hilft, ist sturzbachartiges Trinken, sehr viel Concealer oder noch besser: eine Pflege mit Hyaluronsäure.

Zugegeben, Hyaluronsäure klingt nicht gerade vertrauensvoll. Den Namen kann man erstens kaum flüssig aussprechen, zweitens die Vorstellung von Säure im Gesicht… nun ja. Bei dem Wirkstoff handelt es sich aber um eine Kette von Zuckermolekülen, die natürlich im Körper vorkommt – zum Beispiel als Gelenkschmiere in den Bandscheiben und im Knorpelgewebe. Der Großteil der Hyaluronsäure befindet sich direkt in der Haut, wo sie den Wassergehalt reguliert und wenn man an dieser Stelle von Superkräften spricht, ist das keine Übertreibung, denn Hyaluronsäure kann enorm viel Wasser in den Zellen binden. Sechs Liter pro ein Gramm Eigengewicht, um genau zu sein.

Warum man den Stoff dann noch zusätzlich cremen sollte? Weil es mit der Haut ab Mitte 20 abwärts geht. Von da an leert sich ihr Feuchtigkeits-Depot sukzessive, mit 40 befindet sich noch etwa halb so viel Hyaluronsäure im Körper. Weniger gebundenes Wasser führt dann automatisch zu einer trockenen Haut mit weniger Elastizität und Spannkraft – und mehr Falten.

Interessant ist übrigens, woraus Hyaluronsäure gewonnen wird. Früher verwendeten Kosmetikfirmen dafür Hahnenkämme, in denen die Substanz konzentriert vorkommt. Heute wird sie biotechnologisch mit Hilfe von Bakterienkulturen hergestellt. In der Pflege des Südtiroler Naturkosmetik-Labels Team Dr. Joseph stammt sie zum Beispiel aus fermentierter Hefe.

Stellt sich nur die Frage, wie man der Haut die dringend benötigte Feuchtigkeit am besten zuführt. Hier hat sich eine Kombination mit der Pflegemaske Hyaluronic Intensive Treatment von Magicstripes bewährt. Für diese Sheet Mask braucht es ein wenig Fingerspitzengefühl, da ihr glibberiger Gelfilm leicht verrutscht. Heißt: In der halbstündigen Einwirkzeit in der Waagrechten bleiben und weder die Stirn runzeln, noch ruckartig den Kopf bewegen. Das Scrollen durch Emails und Instagram ist erlaubt, schmälert aber die Entspannung.

Danach folgen ein paar Tropfen des Hyaluronserums von Susanne Kaufmann. Dieser Extra-Schritt vor der Creme lohnt sich, weil Seren über eine höhere Konzentration an Wirkstoffen und kleinere Moleküle verfügen, die die Haut besser durchfeuchten. Zum Schluss kommt eine Anti-Aging-Creme mit Hyaluronsäure zum Einsatz und ein Favorit ist die Hyalo Plasma von dem amerikanischen Dermatologen Dr. Nicholas Perricone, weil sie für den Sommer als ölfreie Rezeptur daherkommt.

Eine glattgebügelte Haut entspricht zwar nicht mehr dem modernen Schönheitsideal. Wer trotzdem frisch aufgepolstert aussehen will, muss härtere Geschütze auffahren und sich die Falten mit Hyaluron-Injektionen unterspritzen lassen. Sie schleusen den Wirkstoff bis in die tiefe Dermis. Dorthin gelangt keine Creme. Darüber hinaus regen Hyaluron-Spritzen die hauteigene Kollagenbildung an und die Botox-typische Gesichtsstarre bleibt bei diesem neueren Faltenkiller auch aus. Das ist doch schon mal was.

Wer sich bis zum Schluss gefragt hat, wieso ein Inhaltsstoff derart sperrig heißen muss: Sein Name stammt von dem griechischen Wort „Hyalos“ ab, was gläsern bedeutet. So nannten die Biochemiker Karl Meyer und John Palmer die Substanz, die sie 1934 erstmalig im Glaskörper von Rinderaugen gefunden hatten. Von einem Anti-Aging- und Feuchtigkeits-Trend für die Haut war man da definitiv noch weit entfernt.


 

Fotografie BERNARDO MARTINS
shot on POLAROID ORIGINALS OneStep+ 
Model JULIA IMAMURA
Text ANNA BOK