DOVER STREET PARFUMS MARKET

Comme des Garçons, das Lieblingslabel aller Künstler, Dekonstruktivsten und Fashionistas mit Hang zur Dramatik, ist bekannt für seine inzwischen vielfach kopierte Marketingstrategie. Zusammenfassend könnte sie lauten: weniger ist mehr und davon ganz schön viel. Sex-Sells, Promis oder inszenierte Skandale sucht man vergebens, vielmehr wird an einer Ästhetik gefeilt, die schlicht dadurch auffällt, dass sie ästhetisch ist. So war Comme des Garçons das erste Brand, welches in seinen Boutiquen Kleidung wie Skulpturen in Galerien präsentierte und (Innen)architekten einstellte, deren alleinige Aufgabe es war, rund um die Mode zu designen und nicht andersherum. Bekanntestes Beispiel ist wohl der Dover Street Market in London – weniger Kaufhaus, als Museum für zeitgenössische Mode.

Copyright David Foessel

Über allem schwebt und waltet Designerin Rei Kawakubo, ein kreatives Mysterium welches „Konzept“ besser begriffen hat als all ihre Kollegen aus Mode, Kunst und Kultur. Am 2. Oktober nun, wurde das Imperium Comme des Garçons/Dover Street Market um eine Institution erweitert: „Dover Street Parfums Market“ heißt die neue Boutique unweit des Musée Picasso in Paris und hier wird das verkauft, was das Beauty-Herz von Menschen mit gutem Riecher höher schlagen lässt. Neben den hauseigenen CDG-Parfum-Linien – die Klassiker „Wonderwood“ oder „Monocle Scent One Hinoki“ wittert man in der Zwischenzeit auch abseits von Co-Working-Spaces und Fashion-Events in Soho, Mitte oder Brooklyn – wird mit „Special Guests“ geworben, etwa Gucci (The Alchemist’s Garden collection), Byredo oder Thom Browne. Wer seinem Duft treu bleiben will, kann trotzdem schnuppern: Man findet Eau de Toilette, Make-Up, alle möglichen Pflegeprodukte für Sie und Ihn und eine gut kuratierte Auswahl junger und innovativer Kosmetik-Brands aus aller Damen-Länder.

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Auf zwei Etagen wurden „Grenzen sprengend“ Wände entfernt, auf Logos und sich gegenseitig konkurrierende Werbebanner, alla Drogeriemarkt, wird konsequent verzichtet, kein flackernder Bildschirm oder Leuchtreklamekasten vernebelt die Sinne. Kawakubo verzichtete außerdem gänzlich auf klassische Regale, die Wände und Böden bleiben leer, vielmehr wurde ein Wald aus organischen Säulen, mit den unterschiedlichsten Texturen und Formen entworfen: silbrig-glänzend, aus grobem Rauputz, futuristisch-weiss oder ein gestricktes Gebilde über zwei Stockwerke hoch. Bei Parfums geht es doch schon lange nicht mehr ausschließlich um die Nase, auch die Flacons werben mit ihrer Gestalt, wollen schön aussehen, neben all den anderen Flaschen und Dosen im heimatlichen Badezimmerschrank.

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So reihen sich auch im Dover Street Parfums Market die filigranen Gebilde auf, an, um und in den beschrieben Säulen, wie kleine Kunstwerke, ein jedes steht für sich im Gesamtkonzept der Kawakubo-Ästhetik.

 

Words TOBIAS LANGLEY HUNT

 

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